Verkehr bleibt grösstes Sorgenkind der Zürcherinnen und Zürcher

Welches sind die dringendsten Probleme, die in Zürich gelöst werden müssten? Diese und andere Fragen haben rund 2500 Einwohner im Frühjahr 2015 beantwortet. Die Resultate zeigen: Die Sorgen bleiben in etwa die gleichen. Die Befragung zeigt aber auch Überraschendes.

Autos stauen sich auf der Zürcher Hardbrücke während die zweite Fahrbahn saniert wird. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zu viele Fahrverbote, zu viele Einbahnstrassen: Das kritisieren Autofahrerinnen und Autofahrer in Zürich. Keystone

Verdichtung ist ein Wort, das in den vergangenen Jahren wie ein Schreckgespenst umhergeisterte. Das Wort scheint aber seinen Schrecken verloren zu haben – es löst bei der Stadtzürcher Bevölkerung kaum einen Schauder aus. Zwei Drittel der Befragten finden, die Stadt sei durch die Bautätigkeit der letzten Jahre schöner und lebenswerter geworden. Und der Verlust an Freiräumen infolge der Bautätigkeit wird weniger als Manko wahrgenommen als etwa 2007.

Gefährliche Velowege, zu viele Fahrverbote

Dafür drückt der Schuh immer noch beim Thema Verkehr. Vor allem Velofahrerinnen und Velofahrer sind unzufrieden, 40 Prozent gaben die Note ungenügend. Sie kritisieren, dass es zu wenige Velowege gebe und diese erst noch gefährlich seien.

Auch die Autofahrerinnen und Autofahrer stören sich an der städtischen Infrastruktur: Ein Viertel der Befragten gaben an, es gebe zu viele Fahrverbote und Einbahnstrassen. Gut akzeptiert sind dagegen Tempo-30-Zonen in Wohngebieten.

Massnahmen der Stadt noch nicht spürbar

Dass die Verkehrssituation die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zürich am meisten beschäftigt, ist keine neue Entwicklung. Die Stadt hat deshalb 2012 das Programm «Stadtverkehr 2025» lanciert, das unter anderem mehr und sicherere Velowege verspricht. Die Resultate aus der Bevölkerungsbefragung zeigen nun: Die Bemühungen des Stadtrats sind bei den Zürcherinnen und Zürchern noch nicht angekommen.

Den zuständigen Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) beunruhigt das nicht: «Das Programm zu kennen, ist ja nicht so wichtig. Entscheidend ist zu sehen, die Velowege zu sehen, die wir bauen.» Er selbst fühle sich sicher, wenn er mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs sei. Dieses Gefühl verändere sich aber, sobald er mit seiner Familie mit dem Velo durch die Stadt fährt.

«  Im Vergleich zu Rom haben wir wunderbare Verhältnisse, aber sie sind verbesserungsfähig. »

Filippo Leutenegger
Vorsteher Tiefbaudepartement Stadt Zürich

Generell plädiert Filippo Leutenegger für weniger Ideologie und mehr Pragmatismus, um Verkehrsprobleme in Zürich zu lösen. Klar ist: Das Thema wird den Stadtrat noch länger beschäftigen. Durch die zunehmende Verdichtung werde das Thema Verkehr ein Sorgenkind der Bevölkerung bleiben, glaubt der Tiefbauvorsteher. Die Zufriedenheit in diesem Bereich, so hofft Leutenegger, könnte aber steigen.