Was Wilhelm konnte, können sie längst

Diese Woche messen sich im Zürcher Albisgütli die besten Armbrustschützen und -schützinnen aus ganz Europa. Ein Spitzensport, der kaum noch etwas mit dem Mythos Wilhelm Tell zu tun hat.

Jonas Hansen kniet im Schiessstand. Konzentriert legt sich der 23-Jährige die Armbrust zurecht, dann zieht er am Abzug. Ein Schuss ins Schwarze und dies auf 30 Meter Distanz. «Das ist eine Zehn», meint Jonas Hansen nüchtern.

Jonas Hansen ist nicht irgend ein Armbrustschütze. 2015 erkämpfte er sich den Weltmeistertitel in Russland. Als Nummer Eins will er nun auch die Europameisterschaften in Zürich beenden. Doch das ist keine leichte Aufgabe.

Insgesamt treten 180 Athleten aus zwölf Ländern zum Wettkampf an. Aus der Schweiz sind 16 Sportlerinnen und Sportler dabei. «Wir können international sehr gut mithalten», meint der Chef der Schweizer Nationalmannschaft, Gerold Pfister. Trotzdem wünscht er sich, es würden sich noch mehr Schweizerinnen und Schweizer für den Sport begeistern. Insgesamt gibt es in der Schweiz 120 Armbrust-Vereine, der grösste Verband stammt aus Zürich.

Mythos Wilhelm Tell

Als Armbrustschütze in der Schweiz kommt man am Nationalhelden Wilhelm Tell nicht vorbei. Nur, einen Apfel vom Kopf zu schiessen, sei nun wirklich keine grosse Sache, klärt Jonas Hansen auf: «Das wäre definitiv kein Problem. Aus Sicherheitsgründen würde ein gewissenhafter Schütze dies natürlich nie machen.»

Denn aus der rustikalen Armbrust zu Tells Zeiten ist ein High-tech-Sportgerät geworden, das fünf- bis sechstausend Franken kostet. Dafür soll es bis zu zwanzig Jahre halten.