Wenn die Notschlafstelle zur Sehenswürdigkeit wird

Der Verein «Surprise» bietet in Zürich sieben verschiedene Stadtrundgänge der anderen Art an. Dabei wandert man nicht von alten Kirchen zu Brunnen oder Gedenkorten, sondern von Gassenküche zu Notschlafstelle und anderen Institutionen für Randständige.

Mit roter Mütze und roter Jacke mit dem Logo des Strassenmagazins «Surprise» erwarten Ewald und Hanspeter die Teilnehmer des etwas anderen Stadtrundgangs. Der Obdachlose Ewald ist 48 Jahre alt und verzichtet aus Überzeugung auf Sozialhilfe. Er lebt von Gelegenheitsjobs, vom Verkauf des Strassenmagazins und neu auch von diesen Stadtrundgängen. Sein Kollege Hanspeter hat zwar eine feste Bleibe, seit seinem Jobverlust 2003 lebt aber auch er am Rande der Gesellschaft. Bis dahin war er ein gut bezahlter Spezialist für Börsensoftware.

Von der Langstrasse zum Luftschutzbunker

Der Rundgang startet in der Nähe der Langstrasse in der Gassenküche und Beratungsstelle für Obdachlose «Sunnestube» von Pfarrer Ernst Sieber. Später führen Ewald und Hanspeter zu einem Luftschutzbunker in der Nähe des Kanzlei-Areals. Hier wurde 1963 Zürichs erste Notschlafstelle eingerichtet. Danach geht es weiter zu anderen sozialen Einrichtungen der Stadt.

Zürich ist nach Basel die zweite Stadt der Schweiz, die solche sozialen Stadtrundgänge anbietet. In Basel werden sie jedoch nur für angemeldete Gruppen gemacht, in Zürich sind sie für alle offen.

(meys; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)