Zürich erhält die erste Null-Energie-Siedlung

Der Zürcher Gemeinderat sagt Ja zum 65 Millionen Kredit für eine Wohnsiedlung auf der Kronenwiese im Quartier Unterstrass. Die Siedlung mit 99 Wohnungen soll sich selbst mit Energie versorgen und verfügt über keine eigenen Parkplätze. Vor allem Letzteres gab im Gemeinderat zu reden.

Buntbemalter Zirkuswagen auf der Kronenwiese Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Tage des buntbemalten Zirkuswagens sind wohl gezählt: Im Sommer 2014 fahren die Bagger auf. SRF

Bis im Jahr 2018 soll auf der Kronenwiese in Zürich Unterstrass die Siedlung im Minergie A Standard gebaut werden. Nebst 99 Wohnungen ist auch ein Doppelkindergarten vorgesehen, eine Kinderkrippe und Räume fürs Gewerbe.

Für SP, Grüne und die Alternative Liste war klar: Zu einem Vorzeigeprojekt der 2000-Watt-Gesellschaft mit eigener Energieversorgung mittels Solarzellen und Erdsonde passt keine Tiefgarage. Es gebe genügend Parkplätze im 300 Meter entfernten Parkhaus Stampfenbach, argumentierte zum Beispiel Kathy Steiner von den Grünen.

Für SVP und FDP waren die fehlenden Parkplätze Grund genug, das ganze Projekt abzulehnen. Cäcilia Etter-Hänni von der FDP stellte sich auf den Standpunkt, auf der Kronenwiese würden Familienwohnungen gebaut und Familien seien in der Regel motorisiert: «Wenn die linke Ratsseite meint, die Parkplätze 300 Meter weiter weg kompensieren zu können, hat sie keine Ahnung von Familien.» Ausserdem bezweifelte die FDP als einzige Partei, dass die Siedlung bei jedem Wetter energieunabhängig funktionieren könne.

Visualisierung des Siegprojekts von Armon Semadeni Architekten GmbH aus Zürich und Weber + Brönnimann Landschaftsarchitekten aus Bern Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Projekt von Armon Semadeni Architekten GmbH aus Zürich und Weber + Brönnimann Landschaftsarchitekten aus Bern zvg

EVP, CPV und Grünliberale mochten das Projekt nicht wegen fehlender Parkplätze scheitern lassen. Man dürfe den Blick fürs grosse Ganze nicht verlieren, sagte Mathias Wiesmann von den Grünliberalen: «Es wird niemand ausgeschlossen und es ist nichts Weltbewegendes». Nicht in die Diskussion einmischen mochte sich der zuständige FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder. Auf Anfrage gab er zu verstehen, dass ihm die Null-Parkplatz-Politik nicht behagt, schliesslich gebe es auch Leute, die Schicht arbeiten. Er hätte jedoch kein Öl ins Feuer giessen wollen. 

Mit 74 gegen 41 Stimmen von SVP, FDP und SP hiess der Gemeinderat den 65 Millionen Kredit schliesslich gut. Voraussichtlich stimmt die Stadtzürcher Bevölkerung im Juni 2013 darüber ab.