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1 Jahr vor den Wahlen Die Schweizer Politlandschaft ist in Bewegung

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen kommt Bewegung in die Schweizer Parteienlandschaft. Das zeigt das SRG-Wahlbarometer.
  • Deutlich zulegen können Grüne, Grünliberale und die FDP. Auch die SP gewinnt leicht.
  • Klare Verluste müssen SVP und CVP hinnehmen. Die BDP verliert ebenfalls.
Legende: Video Wahlbarometer zeigt relevante Tendenzen abspielen. Laufzeit 02:17 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.10.2018.

«Für Schweizer Verhältnisse ist einiges in Bewegung gekommen», sagt Michael Hermann, Politologe und Leiter der Forschungsstelle Sotomo. Es zeichneten sich einige politisch relevante Tendenzen ab: «Die Linke insgesamt gewinnt Wähleranteile und die Rechte verliert tendenziell.»

Die SVP büsst gegenüber den Nationalratswahlen 2015 zwei Prozentpunkte ein und liegt nun bei 27,4 Prozent Wähleranteil. Es ist ein Verlust auf hohem Niveau, wäre das doch noch immer das drittbeste Ergebnis der Parteigeschichte. Politologe Hermann begründet den Verlust damit, dass die Themen, mit denen sich die Partei profiliert, aktuell etwas in den Hintergrund gerückt sind: «Bei den letzten Wahlen waren die Zuwanderungs- und die Flüchtlingsfragen absolut dominant. Diese Fragen haben heute nicht mehr oberste Priorität.»

Legende: Video «SVP-Themen haben nicht mehr oberste Priorität» abspielen. Laufzeit 00:36 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.10.2018.

Die SP kann ihren Wähleranteil steigern – um einen halben Prozentpunkt auf 19,3 Prozent. Obwohl die Wähler zurzeit traditionell linke Themen wie die Krankenkassenprämien oder die Altersvorsorge als Hauptprobleme ansehen, können die Sozialdemokraten nur leicht zulegen.

«Krankenkassen und Altersvorsoge beschäftigen alle Leute – von links bis rechts», sagt Politologe Hermann. Weil die Wähler aber sehr unterschiedliche Vorstellungen hätten, wohin die Politik sich bei diesen Themen bewegen solle, sei es für ein einzelnes politisches Lager schwierig, das in Wähleranteile umzumünzen.

Legende: Video Linke Themen haben Konjunktur. Warum kann die SP nicht stärker profitieren? abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.10.2018.

Die FDP gewinnt laut Wahlbarometer 1,3 Prozentpunkte. Die Freisinnigen steigern sich damit auf einen Wähleranteil von 17,7 Prozent. Sie wären damit wieder auf dem Niveau von 2007. Dies, obwohl das Stimmvolk den klassischen freisinnigen Themen wie Wirtschaft oder Wettbewerbsfähigkeit zurzeit keine hohe Priorität einräumt. «Ich erkläre mir das vor allem mit der Schwäche der Konkurrenz», sagt Hermann. Die FDP profitiere davon, dass man eine Partei nicht immer aus voller Überzeugung, sondern manchmal auch mangels besserer Alternativen wähle.

Legende: Video «FDP kann sich als gemässigte Mitte-rechts-Partei eine Nische sichern» abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.10.2018.

Bei der CVP setzt sich der Abwärtstrend fort. Sie verliert 1,5 Prozentpunkte im Vergleich zu den Wahlen 2015. Dies ist in Anbetracht des gesamten Wähleranteils ein deutlicher Verlust: Mit 10,1 Prozent liegt die Partei nur noch sehr knapp im zweistelligen Bereich. «Der Niedergang der CVP scheint einfach nicht aufzuhören», sagt Michael Hermann. Ihre Position in der politischen Mitte sei ein Hindernis für die Partei. «Für die meisten Schweizer ist es wichtig, eine politische Richtung zu wählen.» Zudem schwinde die traditionelle Wählerbasis der Partei, das klassisch katholische Milieu, da die Konfession stark an Bedeutung eingebüsst habe.

Legende: Video «Die klassische katholische Basis der CVP erodiert» abspielen. Laufzeit 00:39 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.10.2018.

Die Grünen können aktuell am stärksten zulegen. Mit einem Plus von 1,6 Prozentpunkten kämen sie auf einen Wähleranteil von 8,7 Prozent. «Klimawandel und CO2-Ausstoss waren bei den vergangenen Wahlen ein Nicht-Thema», sagt Hermann. Inzwischen habe sich das geändert. «Das kommt den Grünen zugute.»

Auch die Grünliberalen profitieren von dieser Entwicklung und können bei den Wahlen auf mehr Stimmen hoffen. Mit einem Zuwachs von 1,1 Prozentpunkten kommen sie im Moment auf einen Wähleranteil von 5,7 Prozent. Das wäre das beste Ergebnis in der Geschichte der jungen Partei.

Legende: Video «Beim Klimawandel drängt sich der grüne Lösungsansatz auf» abspielen. Laufzeit 00:34 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.10.2018.

Eher schlecht sind die Aussichten für die BDP. Die Partei verliert auf tiefem Niveau weiter. Es droht ein Rückgang von 0,9 Prozentpunkten. Der Wähleranteil liegt damit momentan bei 3,2 Prozent. «Die BDP wird sich aber nicht einfach in Luft auflösen», sagt Michael Hermann zur Zukunftsaussicht der Partei. Das Schicksal der BDP hänge vor allem davon ab, ob ihre Exponenten weiterhin in einer eigenständigen Partei aktiv sein wollen. «Eine kleine Wählerbasis wird vorläufig bleiben.»

Legende: Video Naht das Ende der BDP? abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.10.2018.

Krankenkassenprämien und Altersvorsorge als Hauptsorgen

Während vor den Wahlen 2015 die Migrationsthematik die politische Debatte prägte, stehen ein Jahr vor den Wahlen 2019 zwei Sozialversicherungen für die Wähler im Fokus. Am meisten wurden die Krankenkassenprämien als Herausforderung für die Schweiz genannt. Für 42 Prozent gehören sie zu den Top-3-Sorgen. Problem Nummer 2 ist mit 37 Prozent die Reform der Altersvorsorge.

Das Themenfeld «Zuwanderung, Ausländer» gehört aber aus Sicht der Bevölkerung weiter zu den drei wichtigsten Herausforderungen. Der Hitzesommer 2018 scheint zudem das Thema «Klimawandel, CO2-Ausstoss» vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt zu haben. Nachdem die Umwelt jahrelang nicht als zentrales Problem wahrgenommen wurde, zählen aktuell 30 Prozent das Thema zu den wichtigsten Herausforderungen.

Die Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Datenerhebung zum SRG-Wahlbarometer fand zwischen dem 13. und dem 18. September 2018 statt. Die Befragung erfolgte online. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale der SRG SSR, andererseits via Online-Panel der Forschungsstelle Sotomo statt. Insgesamt wurden 14’985 Stimmberechtigte befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 12’179 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ. So nehmen typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Deshalb hat Sotomo die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt. Neben räumlichen (Wohnort) und soziodemographischen (Alter, Geschlecht, Bildung) Gewichtungskriterien werden dabei auch politische Gewichtungskriterien beigezogen (Stimm- und Wahlverhalten, regionale Parteienstruktur usw.). Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die aktive Stimmbevölkerung erzielt.

Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf politisch gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist laut Sotomo jedoch vergleichbar einer Zufallsstichprobe mit einem Strichprobenfehler von +/-1,5 Prozentpunkten.

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Nein, die schweizerische Politlandschaft ist nicht in Bewegung, wie uns der Titel vorsugeriert! Wenn man die Parteienliste mit den Wähleranteilen der letzten Wahlen mit der neusten SRG-Umfrage vergleicht, bleiben die Parteistärken in gleicher Reihenfolge bestehen. Auch wenn gewisse Parteien 1-2 Prozentpunkte verlieren oder andere 0.5-1.5 % zulegen könnten, bleibt alles beim "Alten"! Der Titel will etwas erreichen, das ich nicht äussern darf, sonst wird der Kommentar wieder nicht aufgeschaltet!
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  • Kommentar von Felix Kaufmann (Felix Kaufmann)
    Mit einer Strichprobenfehler-Quote von +/-1,5 Prozentpunkten ist dieser Beitrag faktisch reine Spekulation.
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Jeder Umfrage-Profi weiss, dass bei emotional aufgeladenen politischen Fragestellungen die Leute bei Befragungen nicht ihre wahren Absichten preisgeben. Dies sollte bei der Darstellung der Ergebnisse über Fehlerspielräume zum Ausdruck kommen. Die Leute sagen nicht immer die Wahrheit, ob sie abstimmen gehen oder nicht und schon gar nicht immer, wie sie abstimmen werden.
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