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Schweiz 20 Jahre Alpeninitiative: Auf Jubel folgt Ernüchterung

Weg von der Strasse, rauf auf die Schiene – so hatte die Schweizer Bevölkerung vor 20 Jahren mit der Alpeninitiative entschieden. Die Siegesfreude der Initianten ist heute der Frustration gewichen. Ein Rückblick.

Ein Paar beim Tanzen, umgeben von einer Menschenmenge.
Legende: Der Urner Landammann Stadler tanzt nach dem Ja. Keystone/Archiv

Die Freude der Initianten war riesig: Nach einer Zitterpartie nahmen 52 Prozent die Alpen-Initiative an. Eine Allianz von Umweltschützern und lärmgeplagten Berglern siegte gegen Bundesrat und Parlament.

Daraufhin wagte der damalige Urner Landammann Hansruedi Stadler das versprochene Tänzchen zu «Zooge-am-Booge» vor dem Tell-Denkmal in Altdorf.

Der Gütertransitverkehr soll auf die Schiene, stand nun in der Verfassung – eine Weichenstellung in der Verkehrspolitik, freute sich die damalige Grünen-Präsidentin Verena Diener: «Ich finde es grossartig. Es ist ein ganz klares Signal für eine Änderung in der Verkehrspolitik.»

Bundesrat besorgt um die Beziehungen mit der EU

Der Abstimmung waren hitzige Debatten vorausgegangen. Der Bundesrat machte sich danach zähneknirschend an die Arbeit. Wie heute bei der Masseneinwanderungsinitiative sorgte er sich auch damals um das Verhältnis zu EU.

«Wir haben ja schon gehört, dass Europa nicht Freude hat am Resultat», sagte der damalige Verkehrsminister Adolf Ogi. «Aber wir müssen nun versuchen, Europa auf die Linie der Schweiz zu bringen.»

Ogi hatte schwierige Verhandlungen vor sich. Die Lösung zeigte sich Jahre später in der Schwerverkehrsabgabe für alle Lastwagen. Aber bereits damals zeichnete sich ab, dass das Verlagerungsgebot schwierig umzusetzen war. Man stritt um Zahlen, um die Anzahl Lastwagen, die durch die Alpen donnern dürfen.

Als das Parlament eine Höchstzahl von 650'000 Lastwagen pro Jahr beschloss – zu erreichen bis 2009 – platzte dem damaligen Schwyzer FDP-Ständerat Hans Bisig der Kragen: «Sie haben die Wahl zwischen ehrlichem und scheinheiligem Geschwafel.»

Verlagerungsziel überhaupt erreichbar?

Und tatsächlich: Trotz Abgaben und Bahnsubventionen pendelte sich der Güterverkehr auf der Strasse bei rund einer Million Fahrten ein – fast doppelt so viel wie erlaubt. Die Politik wusste sich nicht anders zu helfen, als das Verlagerungsziel auf 2019 hinauszuschieben.

Ende letzten Jahres schliesslich kapitulierte der Bundesrat vollends: Die Verlagerung sei nicht erreichbar. So nicht, antwortete Alf Arnold vom Verein Alpen-Initiative umgehend: «Das Verlagerungsziel ist nicht erreicht. Aber erreichbar ist es sehr wohl, wenn man es will.»

So ist der Siegesjubel der Initianten der Frustration gewichen. Neu müssen sie sich auch noch mit der geplanten zweiten Gotthard-Röhre herumschlagen, die wegen der Sanierung des alten Strassentunnels gebaut werden soll.

Der Landammann tanzte vor 20 Jahren zu «Zooge-am-Booge» – und dachte wohl kaum, dass dieser Bogen über eine so lange Zeit gezogen würde.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Herr Helmuth Hubacher (SP) sage einst: "Der BR soll nicht einfach nach der Pfeiffe von... tanzen". Ganz meine Meinung, wir sind ein souveräner Staat und sollten dies nicht auf dem EU-Altar opfern müssen nur weil's einigen EU-Turbos so gefällt. - Ich würde eine 2.Auto-Röhre gerne haben, aber die Alpeninitiative verbietet diese. Demzufolge habe ich das zu respektieren. Mehr noch, ich würde heute keinesfalls einer zweite Röhre zustimmen, im Wissen, dass damit nur Zwietracht ins Land getragen wird.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Es ist nun der richtige Moment der EU unmissverständlich zu erkläeren dass der Alpentransit nur mit dem Zug vorgenommen werden kann und dass bis in drei Jahren dieser Vorsatz umgesetzt werden muss sonst stehen die Camions an der Grenze. Und dies ohne dass die Schweiz Milliarden für die Zubringer bezahlt. Die LKW Kontingente sind schon längst überzogen und die EU hat die Bilateralen gebrochen.
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  • Kommentar von P. Annen, Luzern
    Der damalige Hauptabstimmungsgrund von uns Gegner war: 1. Eine Schnellbahn ohne geplanten und vereinbarten Anschluss von Ein und Ausfahrt mit Italien und Deutschland ist nutzlos. 2. Die Hauptprofiteure EU und insbesondere Italien und Deutschland sollen einerseits Projektteilnehmer mit Mitspracherecht sein und müssen sich finanziell am Projekt beteiligen, wie dies schon vor rund 150 Jahren beim Bau vom Gotthardtunnel praktiziert wurde. Fazit der Nein-Sager damals: Riesenfiasko In 20 Jahren!!
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Ich bin wohl kein Freund der EU, aber das die Alpeninitiative als eine Illusion, war mir damals klar. Die Autobahn durch den Gotthard u. San Bernadino sind Realitäten welche von der Transport- u. Verkehrswirtschaft benutzt u. benötigt werden. Dass Italien kaum an schnellen Güterverbindungen durch die Alpen interessiert war, hat man ausgeblendet und gar nicht erst weiter hinterfragt. Was die EU interesssierte u. immer noch tut sind allenfalls gute Verbindungen im Personenverkehr mit der Bahn.
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