Zum Inhalt springen

Header

Video
Marcel Salathé: «Ich kann mir vorstellen, die Abstandsregel zu lockern.»
Aus 10vor10 vom 25.05.2020.
abspielen
Inhalt

Abstandsregeln im Sommer «Eine Lockerung im Freien ist wirklich angezeigt»

Die Abstandsregel wegen des Coronavirus ist in der Schweiz eindeutig definiert: Es gelten zwei Meter Abstand zu anderen Personen. Darunter könnte es zu einer Infektion kommen – so steht es in den Verhaltens- und Hygieneregeln des Bundes.

Doch die Regeln sind schwer einzuhalten, in Gartenbeizen, im Schwimmbad – und bei möglichen Fussballspielen im Sommer. Auch weil die Ansteckungsgefahr im Freien um ein Vielfaches geringer ist, wird die Forderung nach einer Lockerung laut. Marcel Salathé, Epidemiologe und Mitglied der Taskforce des Bundes würde dies befürworten.

Marcel Salathé

Marcel Salathé

Professor für Epidemiologie

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Marcel Salathé ist Epidemiologe an der ETH Lausanne (EPFL). Er ist Professor und leitet das Digital Epidemiology Lab an der EPFL. In der Coronakrise ist er Mitglied der Taskforce des Bundes, der «Swiss National COVID-19 Task Force».

SRF News: Es gelten zwei Meter Abstand, drinnen wie draussen. Im Freien ist die Gefahr aber deutlich geringer. Wie passt das zusammen?

Marcel Salathé: Das Wichtigste an der Abstandsregel ist der Abstand per se, nicht die konkrete Distanz. Zwei Meter sind eine gute Richtgrösse und werden auch von der zuständigen europäischen Behörde empfohlen. Doch ich kann mir vorstellen, dass die Regel nun gelockert wird, auch in Anbetracht der tiefen Zahlen und dem schönen Wetter.

Ich kann mir vorstellen, dass die Regel nun gelockert wird, auch in Anbetracht der tiefen Zahlen und dem schönen Wetter.

Die Zahlen sind konstant tief geblieben, jetzt wäre also der Moment zu sagen: Im Freien gelten die Abstandsregeln nicht mehr?

Ganz abschaffen würde ich sie sicher nicht, Abstand bleibt wichtig. Wenn man sich Bilder vor Corona vor Augen führt, sieht man, wie nahe sich Menschen da waren. Gleich wieder in eine «Sardinen-Situation» zurückzukehren, das wäre nicht gut. Doch eine Lockerung im Freien ist wirklich angezeigt.

Doch was heisst das genau, ein Meter oder eher anderthalb?

Das muss letztendlich der Bundesrat entscheiden. Mir ist aber auch die Mathematik zurzeit nicht ganz klar, in Freibädern gelten ja zehn Quadratmeter pro Badegast, mit der geltenden Regel wären es für mich vier Quadratmeter. Da muss man wohl über die Bücher.

Video
Kritik an der geltenden Abstandsregel
Aus 10vor10 vom 25.05.2020.
abspielen

Sie beraten ja als Mitglied der Taskforce den Bundesrat. Ihre Einschätzung: liegt da bald etwas drin?

Ich persönlich hoffe es, aber wir beraten den Bundesrat nicht in Detailfragen. Unsere Tätigkeit dreht sich eher um die grossen epidemiologischen Prozesse.

Video
Fussballspiele mit Zuschauern könnten wieder möglich sein
Aus 10vor10 vom 25.05.2020.
abspielen

Lassen Sie uns noch über die mögliche Lockerung bei Fussballspielen reden. Es war immer die Rede davon, dass Grossveranstaltungen ein hohes Risiko darstellen würden. Nun sollen laut Daniel Koch vom BAG Fussballspiele vor Publikum doch wieder möglich sein?

Bei Grossveranstaltungen ist es essenziell, die Übertragungsketten nachvollziehen zu können. Dies hat Daniel Koch auch betont. Die Situation ist nun eine andere. Geschäfte haben sich gut an die Vorgaben angepasst, mit Schutzkonzepten. Die Frage ist legitim, ob dies Veranstalter von grossen Events auch machen können.

Um Übertragungsketten nachzuvollziehen, ist es wichtig, dass sich die Leute registrieren, mit Namen und Telefonnummern. Das hat bei Restaurants nicht funktioniert, der Datenschutz hat interveniert. Wie soll das hier klappen?

Irgendwo muss man auch Kompromisse finden. Dabei steht fest: Zurück zum alten Zustand kann man nicht. Sonst haben wir bald wieder sogenannte Super-Spreading-Events, wie man auch in anderen Fussballstadien gesehen hat.

Die Contact-Tracing-App ist für Fussballspiele keine Hilfe

Textbox aufklappenTextbox zuklappen

Die Schweizer Contact-Tracing-App soll Ende Juni für die Allgemeinheit verfügbar sein. Doch für Grossveranstaltungen wie Fussballspiele bringt das keine Erleichterung für die Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten. Die App würde zum Beispiel Fussballfans nicht davon befreien, beim Besuch im Stadion Namen und Telefonnummern anzugeben. Marcel Salathé erklärt: «Die App ist völlig anonym. Man kann auch keine Referenz machen zu Leuten, die die App nicht haben. Da muss man andere Lösungen finden.»

Man müsste dann ja auch alle gleich behandeln, zum Beispiel auch Open-Air-Kinos oder Konzerte?

Man müsste das von Fall zu Fall anschauen. Eine wichtige Komponente ist auch, wie laut die Leute sind, ob sie schreien oder nicht. Dies ist ein starker Faktor für die Tröpfcheninfektion. In Gottesdiensten wird nicht mehr aus voller Kehle mitgesungen, sondern mitgesummt. Ob das in einem Fussballspiel möglich ist, ist eine andere Frage.

Das Gespräch führte Arthur Honegger.

Video
Marcel Salathé: «Man muss die Übertragungsketten nachvollziehen.»
Aus 10vor10 vom 25.05.2020.
abspielen

10vor10, 25.05.2020, 21:50 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

60 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ernst Kuhn  (ernkuhn)

    Wir sind zu sehr tiefen Fallzahlen gekommen, ohne Masken und trotz gewissen Verletzungen der Vorschriften. Momentan sieht es sogar besser aus als in Österreich.
    Italien hat Maskentragen überall, Handschuhe, Desinfizieren und Temperaturmessen und kommt nicht besser voran. Das ist der Realitätscheck.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Maligan Jury  (jury maligan)
    Gut Herr Salathé, dann setzen Sie sich mal durch. Bisher wurden immer das Worst Case beschworen, jetzt könnte man doch mal zugeben, dass es das nicht geben wird.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Richard Liu  (richard-liu)
      Ich findest lustig, wie man versucht, die Experten gegen einander auszuspielen. Hr. Koch hat gestern betont, mit jeder weiteren Lockerung wird die Rückverfolgung immer wichtiger. Also: mögen die Leute sich in Bus, Bahn und Beiz zusammenpferchen, muss es möglich sein, festzustellen, wer auf wem gesessen hat. Dem widersprich Hr. Salathé nicht. Im Gegenteil: Er warnt vor "super spreading events", d. h., Anlässe, an denen ein Infizierter viele ansteckt, die man nicht identifizieren kann.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    In 2003 Sars Epidemie war Ozone erfolgreich und Covic 19 gehört zu dieser Gruppe aber man hat es noch nicht wirklich überprüft ob und wieweit Ozone hilft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen