Herr Nationalrat, wie helfen Sie den Flüchtlingen?

Am Mittwoch berät der Nationalrat das Thema Asyl. Gefühle sind aus dem Geschäft nicht herauszuhalten. Doch worin besteht die Betroffenheit, welche die Politiker angesichts der Flüchtlingskrise ereilt? SRF News hat nachgefragt.

«  Was macht Sie in der Flüchtlingskrise betroffen? »
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Bildlegende: Kurt Fluri will den Flüchtlingen keine falschen Hoffnungen machen. Keystone

Kurt Fluri (FDP/SO): Es sind Familien wie wir, und man wünscht ihnen nur das Beste. Aber dann kommt eben auch die Ratio ins Spiel. Man kann nicht die Meinung verbreiten vom gelobten Land. Man muss den Asylsuchenden ja auch Berufsperspektiven bieten. Und wenn die Stimmung kippte – was man befürchten kann – wäre das verheerend. Dann hätte man den Menschen erst recht falsche Hoffnungen gemacht.

Gerhard Pfister (CVP/ZG): Solche Bilder hätte man schon von 45 Jahren sehen können, wenn man sie hätte sehen wollen. Dass sie wiederkehren und sich nichts geändert hat, erschüttert mich. Mehr als Betroffenheit empfinde ich Ärger. Ärger über das eklatante Versagen Europas. Darüber, dass die Staaten nicht bereit sind, ihre Verpflichtungen wahrzunehmen.

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Bildlegende: Nadine Masshardt ist beeindruckt von der Solidarität in Deutschland. Keystone

Nadine Masshardt (SP/BE): Noch nie seit dem zweiten Weltkrieg gab es so viele Menschen, die unter dermassen unvorstellbaren Bedingungen eine Flucht haben antreten müssen. In ihrer Verzweiflung bringen sie derzeit etwa in Ungarn die Energie und Kraft auf, sich in einem Marsch zu vereinen. Doch nicht nur die Stärke der Flüchtlinge beeindruckt mich. Auch die Solidarität, die ich zum Beispiel in Deutschland sehe, freut mich.

Gregor Rutz (SVP/ZH): Betroffen machen mich auf der einen Seite die riesigen Migrationsströme, die zunehmen. Auf der anderen Seite die kriminellen Schlepperbanden, welche unsägliches Leid verursachen. Darum finde ich es bedenklich, dass die Revision des Asylgesetzes die Attraktivität der Schweiz als Zielland weiter steigert. Die falschen Anreize, nach Europa zu kommen, bereiten dem Treiben der Schlepperbanden erst den Nährboden.

«  Wie können wir helfen? »

Nadine Masshardt (SP/BE): Diejenigen, die helfen möchten, können sich an Solidaritätsveranstaltungen beteiligen. Sicher ist es auch sinnvoll, Geld zu spenden. Hier machen viele kleine Beträge am Ende viel aus.

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Bildlegende: Gerhard Pfister ist verärgert über das Versagen Europas. Keystone

Gerhard Pfister (CVP/ZG): Die Hilfe, die ich empfehle, ist, den Behörden Vertrauen zu schenken. Man tut gut daran, zum Problem eine sachliche Ebene einzunehmen. Man kann etwa Asylzentren gegenüber kritisch sein, soll aber das Vertrauen haben, dass die Behörden zum Rechten schauen.

Kurt Fluri (FDP/SO): Die angemessene Hilfe wäre, nicht mehr Widerstand zu leisten gegen die Lokalitäten, in denen man die Flüchtlinge unterbringen will. Stattdessen müssen wir die, die schon hier sind, verteilen. Wenn das Mitgefühl echt ist, müssen wir sie würdevoll unterbringen.

Gregor Rutz (SVP/ZH): Hilfe vor Ort ist das beste Mittel.

«  Wie helfen Sie persönlich? »
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Bildlegende: Gregor Rutz sind die Schlepperbanden ein Dorn im Auge. Keystone

Nadine Masshardt (SP/BE): Diese Woche habe ich alte Kleider aussortiert.

Gerhard Pfister (CVP/ZG): Mein politisches Engagement ist so gross, dass ich mir die Frage nicht gestellt habe.

Kurt Fluri (FDP/SO): Als Stadtpräsident versuche ich, bestehende Ängste zu relativieren.

Gregor Rutz (SVP/ZH): Ich spende, hänge das aber nicht an die grosse Glocke.

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