Ecopop: Überraschend hoher Nein-Anteil im Tessin

Besonders im Tessin herrscht grosse Verwunderung über das deutliche Nein zur Ecopop-Initiative. Nun wird nach den Gründen für die starke Ablehnung gesucht.

Mehrere Absperrgitter und ein Schild mit der Aufschrift Pedoni (Füssgänger). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Tessiner haben bei einem ähnlichen Thema ganz anders angestimmt als noch im Februar. Keystone

Ob Politiker, ob Kommentatoren: Dieses Abstimmungsresultat hat alle überrascht. Im Februar hatte das Tessin die Masseneinwanderungs-Initiative noch mit einem rekordhohen 68 Prozent Ja-Stimmenanteil angenommen. Gestern ging es um ein ähnliches Thema, doch bei Ecopop ist der Ja-Anteil auf 37 Prozent abgestürzt.

Nur in Appenzell Innerrhoden war der Meinungsumschwung noch stärker als im Tessin. Ausgerechnet in jenen Gemeinden, die mit 75, 80 oder gar 90 Prozent Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative gesagt hatten, ist die Wende besonders drastisch ausgefallen.

Die SVP, die Lega und ein Teil der Grünen haben Ecopop unterstützt, aber zugleich auch Schwächen der Initiative eingestanden. Das hat die Mobilisierung gedämpft.

Ungeeignet, um Zeichen zu setzen

Von vier Stimmbürgern, die im Februar an die Urne gingen, hat gestern einer nicht abgestimmt. Wer gegen Masseneinwanderung war, setzte ein Zeichen gegen die Tieflohnkonkurrenz aus Italien, die Jugendarbeitslosigkeit und die politische Elite.

Ecopop dagegen bot sich weniger als Container für Emotionen und Signale an. Das sagen die Gewinner der Abstimmung von gestern im Tessin.

Seit der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative ist die Zahl der Grenzgänger im Tessin weiter angestiegen und hat einen neuen Rekordwert erreicht. Das Problem also bleibt.