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Gripen Der Gripen hat starken Gegenwind

Wäre letzte Woche abgestimmt worden, wäre die Beschaffung der Gripen-Kampfflugzeuge von 52 Prozent der Stimmenden abgelehnt worden. Nur 42 Prozent wären für die Militärvorlage. Sie trennt nicht nur Linke und Rechte, sondern auch Männer und Frauen, Alte und Junge sowie die Sprachregionen.

Wenn es um die Beschaffung für ein neues Kampfflugzeug in der Schweiz geht, bliebe gemäss einer Mehrheit der Stimmberechtigten der schwedische Gripen am Boden. Wäre Ende März abgestimmt worden, hätten insgesamt 52 Prozent gegen die Flugzeugbeschaffung gestimmt. 42 Prozent hätten ein Ja für das Fonds-Gesetz zur Kampfjet-Beschaffung abgegeben.

Zünglein an der Waage sind bei der Abstimmung am 18. Mai die 6 Prozent Unentschlossenen und die 17 Prozent der Befragten, die sich sich nicht «bestimmt», sondern nur «eher dagegen» geäussert haben.

Das sind die Ergebnisse der für die Schweiz repräsentativen Trendumfrage, die das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der SRG SSR Ende März durchgeführt hat.

Legende: Video Claude Longchamp zur Polarisierung beim Gripen abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.04.2014.

Gripen polarisiert

Die Beschaffung 22 neuer Kampfflugzeuge als Ersatz für die veralteten F-5 Tiger ist in der öffentlichen Wahrnehmung schon lange ein Thema. «Die Diskussion hat schon frühzeitig begonnen. Alles begann mit der Typenwahl. Dann ging es weiter mit den Zweifeln im Parlament, welche die FDP vorgebracht hat. Dann kam hinzu, dass die Intervention von Saab umstritten war», sagt Claude Longchamp vom Institut gfs.bern.

Entsprechend ist die Meinungsbildung bei den Stimmberechtigten fortgeschritten, zumal es bei der Vorlage um eine klar umrissene Fragestellung geht.

Die Kampfflugzeug-Beschaffung polarisiert zwischen links und rechts, wobei die politische Mitte hin- und hergerissen ist. Wähler der SVP stimmten Ende März 65 Prozent dem Gripen-Kauf zu.

Auf der Gegenseite finden sich 81 Prozent der Wählenden der Grünen und drei Viertel der SP-Wählenden. Zu einem Nein tendieren auch die Parteiungebundenen. Von ihnen würden 52 Prozent heute gegen den Gripen-Kauf votieren und nur 35 Prozent dafür.

Wähler der anderen bürgerlichen Mitte-Parteien tendieren zu einem Ja. Die Basis der FDP.Liberalen stimmt derzeit mit 49 Prozent zu, die CVP mit 47 Prozent.

Geschlecht, Alter und Sprachregionen beeinflussen Entscheid

Signifikant, also nicht zufällig, unterscheiden sich die Stimmabsichten nicht nur bei der Parteibindung, sondern auch beim Geschlecht, dem Alter und den Sprachregionen.

Legende: Video Claude Longchamp zum Meinungsunterschied bei Frauen und Männern abspielen. Laufzeit 00:43 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.04.2014.

Auffallend der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während sich bei den Männern 52 Prozent für den Gripen-Kauf aussprechen, sind es bei den Frauen nur 32 Prozent. 59 Prozent der Frauen sind dagegen, während es bei den Männern 44 Prozent sind.

«Es ist mit 20 Prozent Differenz ein ausserordentlich hoher Wert. Das könnte schon noch eine Grundsatzdebatte werden, die Männer dafür und die Frauen dagegen», meint Claude Longchamp. Es sei aber nicht ganz untypisch, denn die Frage sei auch ein bisschen die, wie nahe man der Armee steht.

Aus der Umfrage geht hervor, dass Mitglieder eines Schützenvereins, also einer Armee-nahen Organisation, zu 56 Prozent dem Gripen zustimmen. Wer sich eine Mitgliedschaft in einem Schützenverein nicht vorstellen kann, stimmt dagegen (53 Prozent).

Zudem besteht ein Graben zwischen den Generationen. Rentner sind mit 49 Prozent klarer dafür, während jüngere Bürger stärker ablehnen; die unter 40-Jährigen lehnen mit 64 Prozent mehrheitlich ab.

Beim Blick auf die Landesteile sind die Unterschiede gross: Die italienischsprachige Schweiz steht mit 66 Prozent Nein am kritischsten zur Gripen-Vorlage. Auch in der Romandie ist die Ablehnung mit 57 Prozent stärker. Nur in der Deutschschweiz sind die Mehrheiten unklar, 45 Prozent wären heute dafür, 49 Prozent dagegen.

Eine «klassische» Armee-Vorlage

Für den Stimmbürger dreht es sich bei der Gripen-Vorlage um die Abwägung zwischen der Frage um die Schweizer Sicherheitspolitik bzw. Landesverteidigung und dem Nutzen dieser Flugzeug-Beschaffung.

Das stärkste Argument der Befürworter ist die Verteidigung der Lufthoheit über der Schweiz, das für 60 Prozent der Stimmenden sticht. Ein starkes, weil aktuelles Argument ist die Sicherheitslage in Europa, wie die Krim-Krise zeigt: 58 Prozent der Befragten sehen die derzeitige Sicherheitslage als gute Begründung für den Gripen-Kauf.

Wenn es aber um den Einsatz der finanziellen Mittel geht, widersprechen 48 Prozent. Für diese Befragten sind die 3,1 Milliarden Franken keine sinnvolle Investition in die Sicherheit, weil zu teuer. Die Befürworter machen im Vergleich nur 44 Prozent aus.

Die Frage nach der «sinnvollen» Investition

Das Gegenargument der politischen Linke ist die Frage, ob neue Kampfflugzeuge eine für das Land «vernünftige Investition» sind. 59 Prozent der Stimmbürger sind der Ansicht, dass die Bundesmittel sinnvoller im Bildungs- oder Sozialbereich eingesetzt werden sollte.

Kaum oder nur schwierig zu beurteilen sind für die Stimmenden zwei weitere Gegenargumente zum Gripen-Kauf. Ob das Ob das neue Kampfflugzeug den Anforderungen der Luftwaffe entspricht wird etwa zu gleichen Teilen bejaht und verneint und weniger als ein Drittel weiss es schlicht nicht. Auch die sicherheitspolitische Frage, ob die Luftwaffe ohne Gripen genügend gerüstet ist wird zu gleichen Teilen mit Ja und Nein beantwortet.

Die kontroverse Beratung der Vorlage im Parlament hat die Abstimmungsvorlage in eine schwierige Startposition gebracht. Bei den befragten Stimmberechtigten herrscht mit der Umfrage von vergangener Woche Skepsis über den Gripen, was mit den 52 Prozent Nein-Stimmen zum Ausdruck kommt. Wenn die Beschaffung im weiteren Abstimmungskampf gut begründet wird hinsichtlich der vernünftigen Investition und dem realen Sicherheitsbedürfnis, kann diese Skepsis allenfalls kleiner werden.

SRF 4 News 17.00 Uhr

Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 29. März und 4. April 2014 durchgeführt. Befragt wurden 1209 Personen. mehr

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116 Kommentare

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  • Kommentar von P.Bürger, Schaffhausen
    Erinnern wir uns an die Beschaffung der MIRAGE! Der Flieger war damals für die CH ein Albtraum.Auch der GRIPEN wird dies werden!Nur klägliche 70 Stk. sind ausserhalb Schwedens im Einsatz.Der GRIPEN wird ein finanzielles Fass ohne Boden werden! Das Geschäft ist mit derart vielen Unsicherheiten behaftet,dass wir nur verlieren können.BR Maurer hatte dieses Dossier nie richtig im Griff & seine Kommunikation war & ist ein Desaster.Heute «hü» morgen «hott»... Wollen wir wirklich >3.1 Mia. «verbraten»?
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  • Kommentar von R.Käser, Zürich
    NENA hat es vor Jahrzehnte begriffen: 99 Düsenflieger Jeder war ein großer Krieger hielten sich für Captain Kirk, es gab ein großes Feuerwerk. Die Nachbarn haben nur gelacht und fühlten sich gleich angemacht dabei schoss man am Horizont auf 99 Luftballons. Kriege werden von jenen gemacht die sie nicht ausfechten. Auch hier kommt das Problem zutage, dass Politiker und der Geldadel Macht haben aber in aller Konsequenz keine Verantwortung tragen. Dieses System ist ein Unruhe stiftender Irrläufer.
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Die Schweiz muss ihren Teil an den Weltfrieden liefern. Man kann nicht immer nur auf die "Andern" zählen, z.B. die USA. Einerseits verflucht man das Land, wenn es aber irgendwo gefährlich wird, sollen sie wieder für Ordnung sorgen. Wenn es einen Krieg gegen uns geben sollte, wird dies bestimmt nicht n u r gegen uns sein. Andere Länder wären gleichzeitig bedroht, und da müssen wir doch unseren Teil für die Verteidigung geben. Das ist ein "Naturgesetz" und gilt im Kleinen wie im Grossen.
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    1. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      @M.Roe:Wenn die CH etwas zum Weltfrieden beitragen wollte,so würde es ihr gut anstehen,endlich mit diesem nicht zielführenden Wettrüsten aufzuhören!Es ist naiv zu glauben,der Weltfriede würde sich mit der Beschaffung von Kampffliegern einstellen.Und ich frage sie:Sehen sie irgend welche Anzeichen für kriegerische Auseinandersetzungen,welche die CH bedrohen könnten?Seit Jahrzehnten nun versuchen uns Militärköpfe Bedrohungen aufzuschwatzen,wo keine sind!Lesen sie auch Blattmanns So- Interview!Irr!
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      @P. Bürger. Ihre Wertschätzung gegenüber dem Weltfrieden ist absolut mustergültig. Aber was nützt die Abrüstung, wenn sie einseitig geschieht? Einzig das Gleichgewicht verschiebt sich. Haben Sie schon gelesen?: http://www.srf.ch/news/international/nur-der-westen-ruestet-ab. Ob es Gefahren für die Schweiz in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gibt weiss - wenn wir ehrlich sind - niemand von uns.
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    3. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      @M.Mitulla:Ich bin mir der Gewichtigkeit meiner Aussagen sehr wohl bewusst & nehme die Sicherheit unseres Landes nicht auf die leichte Schulter.Ich bin auch kein Tagträumer & Weltverbesserer,doch muss ich nach vielen Jahren meines zugegebenermassen gleichen Denkens der Aufrüstung konsterniert feststellen,dass auch dies überhaupt kein zielführender Weg ist.Kriege sind heute asymmetrisch & werden NICHT mit Kampfflugzeugen entschieden.Wirtschafts-, Ciber- & Ressourcenkriege übrigens auch nicht!
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @P. Bürger: Und Sie glauben tatsächlich daran, wenn die kleine Schweiz nicht weiter aufrüstet sondern abrüstet, tun es ihr alle anderen Länder dieser Welt nach? Klatschen in die Hände & rufen: "Bravo Schweizer, habt ihr gut gemacht, wir tun es auch!" Wäre ja schön, wenn es denn so wäre! Ist es aber leider nicht! Und durch die Globalisierung ist ein Weltfriede in weite Ferne gerückt, weil dadurch die Menschen immer unzufriedener werden. Die Gewalt weltweit hat zugenommen. Auch in Europa!
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    5. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @P. Bürger: Wenn Kampfjets heute keine Bedeutung mehr haben, weshalb lässt denn die NATO Kampfjets jetzt an Russlands Grenzen fliegen?
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    6. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      @E.W.:Sie können auch Krisen herbeireden.Fakt jedoch ist,dies laut den Studien Control Risk,zur CH folgende Beurteilung abgebend wird:«Die Schweiz ist in der Kategorie „unerhebliches Risiko“»!!Und,weltweit gilt Europa als der SICHERSTE KONTINENT überhaupt.Ich bin es Leid,wenn Leute (u.a. wie sie & Blattmann) versuchen,Konfliktherde zu dramatisieren.Die NATO fliegt nicht erst seit gestern entlang der Grenzen!Wollen sie ernsthaft behaupten,Europa stünde vor einer militärisch veränderten Bedrohung?
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    7. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @P. Bürger: Herzlichen Dank, dass Sie mich auf dieselbe Stufe mit Herrn Blattmann stellen! Ohne Ironie, betrachte ich es als Kompliment!:-) Schade, hatte ich keine militärische Karriere im Visier. Hätte es weit bringen können. Und Krisen herbei reden überlasse ich gerne den Linken. Es reicht, wenn die es ständig tun.
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    8. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      @E.W.:Verstehen sie mich nicht falsch,aber ich stelle sie nicht auf die Stufe wie Blattmann!Doch Blattmann ist eben auch noch ein «Dragoner»,der sich diese BöFei-Szenanrien zurück wünscht. Ihm sind die realen Bedrohungsbilder abhanden gekommen.Nun, es war belustigend zu lesen, dass Blattmann uns auffordert,Brennholz & 300 l Wasser(ohne Böterli!) als Notvorrat zuzulegen. Irgendwie absurd,oder?Da wünscht sich wohl einer wieder die 50-er & 60-er Jahre zurück!Das ist Panikmache pur & eher tragisch!
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