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Service-public-Initiative Laufen Swisscom und SBB bald die Chefs davon?

Die Managerlöhne bei bundesnahen Betrieben einschränken: So lautet ein Ziel der «Pro-Service-Public»-Initiative, über die wir am 5. Juni abstimmen. Die Chefs von Post, Swisscom und SBB sollen nicht mehr verdienen als ein Bundesrat. Personalvermittler äussern sich kritisch.

Für Personalberater Guido Schilling ist klar: Tiefere Löhne bei den bundesnahen Betrieben wären «eine Katastrophe». Er hätte grosse Zweifel über die Zukunftsfähigkeit von SBB, Post und Swisscom, wenn die Löhne nicht mehr marktgerecht wären, wie er sagt.

Heute verdient der Chef der Swisscom 1,8 Millionen Franken im Jahr, der CEO der SBB eine Million und die Chefin der Post gut 800'000 Franken. Bei einem Ja zur Initiative würden sie künftig massiv weniger verdienen: höchstens 450'000 Franken, wie ein Bundesrat.

Wie viele Personalvermittler befürchtet Schilling, dass Spitzenleute einfach zu anderen Betrieben gehen würden. Denn die bundesnahen Betriebe stehen in einem harten Wettbewerb mit anderen Firmen.

Wer weniger bezahlt, hat weniger Auswahl. Das würde heissen, «dass man nicht mehr auf Augenhöhe mit dem Markt rekrutieren kann. Man müsste etwas tiefer, vielleicht sogar viel tiefer greifen», sagt Schilling. «Die Frage ist, ob dieses Angebot die gleiche Qualität hat, wie das auf Augenhöhe.»

Es braucht einen gewissen Grundlohn, damit Führungskräfte überhaupt für solche Positionen verfügbar sind.
Autor: Philippe HertigPartner bei Personalberatungsfirma Egon-Zehnder

Experten sind sich uneinig

Natürlich sei der Lohn nicht der einzige Faktor, der die Attraktivität einer Stelle ausmache, sagt Philippe Hertig, Partner bei der Personalberatungsfirma Egon-Zehnder. Aber er sei ein zentraler Faktor. «Es braucht einfach einen gewissen Grundlohn, der marktgerecht sein muss, damit solche Führungskräfte überhaupt für solche Führungspositionen bei bundesnahen Betrieben verfügbar sind.»

Es gibt fähige Leute, die bei der totalen Optimierung des Lohnes gewisse Abstriche machen.
Autor: Doris AebiMitinhaberin von Aebi und Kühni, Zürich

Doch es gibt sie, die andere Meinung in der Branche der Personalvermittler: Doris Aebi ist Mitinhaberin von Aebi und Kühni in Zürich. Sie sagt, der Faktor Lohn werde häufig überschätzt. An der Spitze von SBB, Post oder Swisscom zu stehen, bedeute öffentliche Anerkennung und man könne etwas gestalten. Es sei ein Dienst an der Öffentlichkeit. «Es gibt fähige Leute, die durch diese Kriterien motiviert sind und bei der totalen Optimierung des Lohnes gewisse Abstriche machen», sagt sie. Doch wie viele das sind, ist unklar.

52 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Die These besagt ja, dass Lohn kein Motivator ist. D.h. entweder stimmt die Lohnhöhe oder geht der Arbeitnehmer erst gar nicht arbeiten. In diesem Sinne könnte man bereits bei der Rekrutierung reines Wasser einschenken: das Amt kann den Salärrahmen publizieren, bzw. der Executive Search Specialist weiss es ja eh und kann dies mit dem Kandidaten besprechen. Hat der Kandidat einmal die Konditionen akzeptiert, kann das Rekrutierungsverfahren fortgeführt werden.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Wie sagte es doch bereits der knorrlige, mit Zipfelkappe auf seinem sturen Haupt, Emmentaler Bauer "Joggi", im Ueli de Pächter: "Was heit ehr gseit, ihr welled gah? So geit, alle mitenang...! Die andere Seite ist aber auch Fakt: Heute werden CEO's nicht lange arbeitslos! Ueberall warten lukrative Angebote aus der Wirtschafts- und Finanzwelt auf sie!
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  • Kommentar von Benedikt Rosenberg (Amadeus)
    Dann müssen demnach all unsere BundesratInnen Flaschen sein? Ein Land führen für läppische sfr 450,000.--, haben wohl in der Privatwirtschaft kein gutbezahltes Plätzchen gefunden? Es gäbe wohl viele gute Leute, die den Anforderungen eines CEO's gewachsen wären, aber es sein lassen, weil sie sonst ein schlechtes Gewissen haben. Heute sind die Menschen mit dem kleinsten Gewissen an der Spitze der Konzerne. Oder wie kann man Milliarden verlochen, ohne im geringsten Verantwortung zu übernehmen!?
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