Bei der Bundesratswahl bleibt alles beim Alten

Das Parlament und nicht das Volk wird den Bundesrat auch in Zukunft wählen. Die SVP-Initiative ist am Ständemehr gescheitert. Das Volk hat sie mit 76,3 Prozent der Stimmen abgelehnt.

Volkswahl des Bundesrates Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Initiative «Volkswahl des Bundesrates»

JA-Stimmen absolut: (480'477 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'549'716 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 23.7%
NEIN-Stimmen relativ: 76.3%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 0
NEIN-Stimmen: 23
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 26.3% 73.7% 39183 109963
Appenzell Ausserrhoden 24.5% 75.5% 3730 11479
Appenzell Innerrhoden 27% 73% 931 2515
Basel-Landschaft 21.9% 78.1% 15091 53853
Basel-Stadt 20.8% 79.2% 10670 40536
Bern 20.7% 79.3% 54519 208246
Freiburg 19.7% 80.3% 13888 56499
Genf 26.1% 73.9% 28354 80287
Glarus 26.6% 73.4% 1929 5325
Graubünden 21% 79% 10108 38110
Jura 18% 82% 2940 13399
Luzern 21.4% 78.6% 25338 93335
Neuenburg 19.2% 80.8% 7890 33243
Nidwalden 26.3% 73.7% 3404 9553
Obwalden 25.3% 74.7% 2752 8121
Schaffhausen 29.1% 70.9% 8205 19961
Schwyz 30.4% 69.6% 13311 30428
Solothurn 22.5% 77.5% 15751 54336
St. Gallen 25.8% 74.2% 29260 83967
Tessin 32.2% 67.8% 25410 53557
Thurgau 26% 74% 14118 40217
Uri 24.1% 75.9% 1928 6059
Waadt 20.5% 79.5% 33304 129434
Wallis 21.5% 78.5% 19475 71261
Zug 22.7% 77.3% 7432 25256
Zürich 25.3% 74.7% 91556 270776

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (480'477 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'549'716 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 23.666567661301%
NEIN-Stimmen relativ: 76.333432338699%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (480'477 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'549'716 Stimmen)
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Änderung Asylgesetz Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Dringliche Änderungen des Asylgesetzes

JA-Stimmen absolut: (1'572'590 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (432'068 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 78.4%
NEIN-Stimmen relativ: 21.6%
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 83.1% 16.9% 122437 24978
Appenzell Ausserrhoden 82.3% 17.7% 12344 2656
Appenzell Innerrhoden 86.8% 13.2% 2999 457
Basel-Landschaft 80.9% 19.1% 54890 12999
Basel-Stadt 71.4% 28.6% 36112 14478
Bern 80.5% 19.5% 208660 50664
Freiburg 75.2% 24.8% 52150 17162
Genf 61.3% 38.7% 66274 41776
Glarus 82.8% 17.2% 5961 1241
Graubünden 80.5% 19.5% 38130 9209
Jura 66.2% 33.8% 10684 5455
Luzern 83.3% 16.7% 97434 19597
Neuenburg 70.1% 29.9% 28440 12118
Nidwalden 86.7% 13.3% 11073 1703
Obwalden 85.6% 14.4% 9173 1537
Schaffhausen 80% 20% 21933 5480
Schwyz 86.4% 13.6% 37419 5880
Solothurn 83.3% 16.7% 57575 11552
St. Gallen 83.5% 16.5% 93645 18468
Tessin 74.9% 25.1% 58381 19551
Thurgau 84.3% 15.7% 45806 8551
Uri 82.6% 17.4% 6500 1367
Waadt 70.7% 29.3% 113576 47024
Wallis 76.8% 23.2% 68964 20879
Zug 85.4% 14.6% 27514 4693
Zürich 79.7% 20.3% 284616 72593

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (1'572'590 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (432'068 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 78.4%
NEIN-Stimmen relativ: 21.6%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (1'572'590 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (432'068 Stimmen)
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Das Verdikt zur Volkswahl des Bundesrates ist überdeutlich: 1'549'800 Stimmberechtigte lehnten die Initiative ab, 480'400 stimmten zu. Alle Kantone wiesen die Volksinitiative mit einem Nein-Anteil zwischen 67 und 82 Prozent vehement ab.

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Wahlbeteiligung

Die Stimmbeteiligung am Wochenende liegt leicht unter dem langjährigen Durchschnitt. Rund 39 Prozent der Berechtigten gaben zu den dringlichen Änderungen im Asylgesetz und zur Volkswahl des Bundesrates ihre Stimme ab. Den Spitzenwert in den letzten Jahrzehnten erreichte die EWR-Abstimmung 1992 (knapp 79 Prozent).

In den Westschweizer Kantonen Jura (82 Prozent), Neuenburg (80,8 Prozent), Freiburg (80,3 Prozent) und Waadt (79,5 Prozent) war der Nein-Anteil am höchsten. Etwas tiefer war der Nein-Anteil in Genf (73,9 Prozent).
 
Den grössten Zuspruch erhielt die SVP-Initiative im Kanton Tessin mit einem Nein-Anteil von 67,8 Prozent. Möglicherweise zeigte sich darin der Unmut, dass der Kanton seit 1999 nicht mehr im Bundesrat vertreten ist. Aus Sicht der Gegner hätte die Volkswahl dem Tessin aber wenig Vorteile gebracht, weil der Kanton aufgrund des Wahlmodus stark vom Willen der Romandie abhängig gewesen wäre.
 
Ansonsten standen kleinere Kantone mit relativ hohem SVP-Wähleranteil dem Ansinnen noch am gnädigsten gegenüber: Unter 75 Prozent lag das Nein zum Beispiel in Schwyz (69,6 Prozent), Schaffhausen (70,9 Prozent) und Glarus (73,4 Prozent). Aber auch in der SVP-Hochburg Aargau (73,7 Prozent) war der Nein-Anteil eher tief.

Angst vor Dauerwahlkampf

Die SVP wollte dem Volk mit der Volkswahl mehr Macht geben. Als Vertrauensbeweis ans Volk bezeichnete die Partei ihr Begehren. Die Volkspartei verwies unter anderem auf die Kantone, in denen die Regierung durchwegs vom Volk gewählt wird. Was dort seit jeher bestens funktioniere, werde auch auf Bundesebene gut gehen.

Doch alle Parteien mit Ausnahme der SVP empfahlen ein Nein. Sie befürchteten – wie der Bundesrat auch – dass die Regierungsarbeit gelähmt werden könnte, da die Bundesräte Dauerwahlkampf betreiben und bei Alltagsgeschäften stets ihre Popularität beim Volk im Auge behalten müssten. Befürchtet wurde auch, dass Kandidaten mit viel Geld im Wahlkampf einen Vorteil hätten.

Das Volksbegehren schien von Anfang an einen schweren Stand zu haben. Bei der SRG-Umfrage vom 29. Mai hatte eine deutliche Mehrheit von 66 Prozent Nein gesagt. Lediglich 25 Prozent der Befragten sprachen sich für die Initiative aus. 9 Prozent hatten sich noch keine Meinung gebildet.

Hintergrund der Volksinitiative war unter anderem die Abwahl des SVP-Bundesrates Christoph Blocher aus dem Bundesrat 2007. Das Nein zur Volkswahl ist das dritte in einer Volksabstimmung: 1900 und 1942 scheiterten Initiativen jeweils mit einer Zweidrittelmehrheit.

Video «Nein zu direkter Volkswahl» abspielen

Nein zu direkter Volkswahl

3:40 min, aus Tagesschau vom 9.6.2013