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Abzocker-Initiative Beträchtlicher Vorsprung für Minders Abzocker-Initiative

Würde heute über die «Initiative gegen die Abzockerei» abgestimmt, käme ein deutliches Ja heraus. Zu diesem Schluss kommt die erste SRG-Umfrage zur Abstimmung vom 3. März. Das Ja ist aber keineswegs sicher, die Mehrheiten können sich auch noch ändern.

Fast zwei Drittel der Schweizer Stimmbürger stehen zurzeit hinter der Abzocker-Initiative des Industriellen Thomas Minder. 65 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, die sicher an die Urne gehen wollen, sind bestimmt oder eher für die Vorlage. Dies ergab die erste Umfrage von gfs.bern im Auftrag der SRG SSR zur Abstimmung vom 3. März.

Das Umfrage-Resultat bedeute allerdings nicht, dass der Abstimmungskampf schon gelaufen ist, betont Claude Longchamp von gfs.bern. Wichtig sei nun, wie sich die Kampagnen von Befürwortern und Gegnern entwickeln. Werden populistische Töne laut, könnte sich dies stärker als gewohnt auf die Mobilisierung der Stimmberechtigten auswirken.

Ein entscheidender Einfluss werde zudem das Stimmverhalten der SVP-Anhänger haben, so Longchamp. Hier sind derzeit 46 Prozent bestimmt und 21 Prozent eher für die Abzocker-Initiative. Ändern von letzteren bis zur Abstimmung im März viele ihre Meinung, könnte sich dies aufs Resultat auswirken.

Linke stehen klar hinter der Initiative

Klar sind die Verhältnisse bei den linken Parteien: Die Anhänger von SP wollen zu 80 Prozent bestimmt oder eher für die Abzocker-Initiative stimmen, bei den Grünen sind es deren 75 Prozent. Von den CVP-Anhängern stehen 57 Prozent der Initiative positiv gegenüber.

Nur gerade bei der FDP will mit 47 Prozent weniger als die Hälfte der Anhänger zustimmen. Bei den Leuten, die sich keiner Partei zugehörig fühlen, beträgt die Zustimmung 66 Prozent.

Doch nicht nur die Parteizugehörigkeit hat einen Einfluss darauf, wie die Initiative beim Stimmvolk ankommt. Ein deutlicher Zusammenhang zeigt sich auch bei Einkommen und Bildung.

Am grössten ist die Sympathie für die Abzocker-Initiative derzeit bei Leuten mit mittlerer Bildung. Wer eine Berufslehre abgeschlossen hat, ist laut der Umfrage in beinahe 3 von 4 Fällen für die Vorlage. Longchamp ortet bei dieser Gruppe denn auch einen sehr grossen Unmut gegen das, was allgemein mit «Abzockerei» umschrieben wird.

Höchste Zustimmung bei Senioren

Grosse Unterschiede zeigen sich auch, wenn man die Werte nach Alter aufschlüsselt: Besonders gross ist die Zustimmung bei den Senioren. Wer 65 Jahre und älter ist, will in 46 Prozent aller Fälle bestimmt ein Ja einlegen für die Abzocker-Initiative. Weitere 21 Prozent sind eher dafür. Deutlich geringer ist dagegen die Zustimmung bei den Jungen: Von den 18-39jährigen sind lediglich 21 Prozent bestimmt und weitere 35 Prozent eher für die Vorlage.

Für die Umfrage hat gfs.bern auch untersucht, wie die Argumente von Befürwortern und Gegnern bei der Bevölkerung ankommen. Auffallend: Dass die Abzocker-Initiative Arbeitsplätze gefährde, glaubt nur rund ein Drittel der Befragten. Vom grossen Rest werde dies aber als plumpe Drohung aufgefasst, sagt Longchamp.

Besser kommen zwei andere Argumente der Gegner an: Fast zwei Drittel der Befragten finden, man dürfe Schweizer Firmen nicht zu viele Regeln auferlegen. Gut die Hälfte der Leute glaubt dem gegnerischen Komitee, dass der Gegenvorschlag schneller wirke als die Initiative selber.

Die Befürworter punkten vor allem damit, dass die Aktionäre dank der Initiative künftig über Spitzengehälter abstimmen dürften. Fast vier Fünftel der Befragten sind mit diesem Argument voll oder eher einverstanden. Je rund 70 Prozent finden, dass die Abzocker-Initiative einerseits der Raffgier einen Riegel vorschiebe und anderseits helfe, Lohnexzesse zu verhindern.

Laut Longchamp entscheiden die Stimmbürger allerdings eher aus dem Bauch heraus. Eine fundierte Auseinandersetzung mit den Inhalten der Abzocker-Initiative und des indirekten Gegenvorschlags liege dem Abstimmungsentscheid eher weniger zu Grunde.

Legende: Video Abzocker-Initiative: Vorsprung für Ja-Seite abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.01.2013.

Die Eckwerte der SRG-Umfrage

Durchgeführt wurde die Umfrage im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 14. Und 19. Januar. Befragt wurden 1217 Personen. Weitere Einzelheiten zur Methodik der Umfrage finden Sie hier.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Katharina Müller, 8400 Winterthur
    Eine ganz brandaktuelle Meldung, darum ist die Kommentarmöglichkeit auch noch gar nicht deaktiviert.
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  • Kommentar von Kurt Stierli, Hedingen
    Herr Helfer die Formulierungen im Gegenvorschlag sind so vage und schwammig dass sich an der heutigen Situation fast nichts ändert. Einem Hr. Vasella wäre es nach Annahme der Abzockerinitiative verboten eine Abgangsentschädigung in Millionenhöhe abzukassieren. Der Zeitpunkt des Abgangs deshalb nicht zufällig. Beschämend für einen Mann der Novartis als sein Kind bezeichnet und in den letzten Jahren 500 Millionen garniert hat, auch nach dem Abgang noch Geld zu kassieren, notabene fürs Nich...
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Viele scheinen offenbar zu glauben, dass NUR die Minder-Initiative der Abzockerei einen Riegel schieben will, weil es oft so dargestellt wird. Das stimmt aber nicht. Der Gegenvorschlag will dieses ja auch. Leider gehen sachliche Argumente über Vor- und Nachteile der beiden Vorlagen auf Kosten der Emotionen völlig unter. Bei der Minder-Initiative MUSS der Aktionär (Eigentümer) so entscheiden wie der Staat es vorgibt. Beim Gegenv. kann er so wählen, wie ER es will. Er BEKOMMT ja das Recht.
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    1. Antwort von M. Roe, Gwatt
      Beim Gegenvorschlag wird ja gerade wieder "einer aus der Führung" die Möglichkeit erhalten, den Aktionär der dies will, so hinzustellen als ob er Unnötiges verlangt und dass er doch besser schweigen möge. So wie es heute schon ist. Nein, nein, auf diese Freiwilligkeit kann sich keiner verlassen, besonders nicht bei grossen Unternehmen, wo es eben notwendig ist. Das Volk kann auch nichts dafür, dass KMU ganz kleinen bis zu riesigen Unternehmen beinhaltet, was ich sowieso nicht verstehe.
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    2. Antwort von Alfred Gfeller, 8048 Zürich
      Der Gegenvorschlag ist nur ein schlauer Trick, gegen ihn wird von der economiesuisse das Referendum ergriffen, falls er angenommen wird, das ist jetzt schon sicher. Damit wäre dann alles vom Tisch wenn der Plan klappt.
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