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Kesb-Bericht des Bundesrats Änderungswünsche bei der Kesb – leichter gesagt als getan

Der Bundesrat erteilt der Kesb gute Noten. Ein paar Punkte jedoch sollen geprüft werden. Etwa, wie Angehörige bei Fremdplatzierungen besser einbezogen werden könnten. Ein heikler Punkt, sagt Patrick Fassbind, Kesb-Leiter des Kantons Basel Stadt.

Die Kritik an der Kesb, die Kindes- und Erwachsenenschutz-Behörden, ist so alt wie die Behörde selbst. Der Bundesrat hat die Vorwürfe geprüft und kommt zum Schluss: Die Behörde arbeitet grundsätzlich gut.

SRF: Der Bundesrat erteilt der Kesb gute Noten – trotzdem soll es Nachbesserungen geben. Etwa, wie Angehörige bei Fremdplatzierungen besser einbezogen werden könnten.

Patrick Fassbind: Dass hier Verbesserungspotential besteht, ist auch von uns Kesb-Personen erkannt. Wir arbeiten täglich an Verbesserungen, um jeweils die beste Lösung für die Betroffenen zu finden und sie zu unterstützen. Das ist jedoch immer eine Frage der Ressourcen, der Zeit – und auch des Willens der betroffenen Personen. Nicht jede Person möchte, dass ihre Angehörigen einbezogen werden. Da braucht es sehr viel Fingerspitzen-Gefühl der Kesb-Mitarbeitenden, um eine Lösung zu finden und den Mittelweg zwischen Information, Einbezug und Schutz der Persönlichkeit zu finden.

Kürzlich gab es im Parlament die Idee – die allerdings abgelehnt wurde – dass die Angehörigen zwingend eingebunden werden müssen. Welche Probleme gäbe es hier in der Praxis?

Zwang ist immer schlecht. Wir müssen schauen, wer überhaupt einbezogen werden darf. Nicht jeder Angehörige darf einbezogen werden. Weil es auch um hochsensible Daten geht, Persönlichkeits-relevante Informationen. Gleichzeitig ist der Wille der betroffenen Person zu berücksichtigen.

Fragezeichen setzt der Bundesrat auch bei den sogenannten Gefährdungsmeldungen, die auch von den Kesb-Kritikern immer wieder moniert werden. Etwa, wenn jemand aus der Nachbarschaft etwas beobachtet und dies der Kesb meldet. Mangelt es tatsächlich an geregelten Abläufen?

Meines Erachtens nicht. Es ist ein höchst sensibler Bereich. Es geht in jedem Fall darum abzuwägen, wie mit solchen Meldungen umgegangen wird, wie kommuniziert wird, wie die Leute einbezogen und informiert werden, dass eine Meldung über sie eingegangen ist. Hier braucht es sehr viel Erfahrung, Praxiswissen und Fingerspitzengefühl. Wir müssen unsere Leute in die Weiterbildung schicken. Wir müssen sie befähigen, diese höchst sensiblen Prozesse zu steuern und dabei keine Fehler zu machen. Das braucht Zeit.

Die Kesb – kurz erklärt

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) stellen den Schutz von Personen sicher, die nicht in der Lage sind, die für sie notwendige Unterstützung einzuholen. So beispielsweise wenn sie geistig oder psychisch beeinträchtigt oder schwer suchtkrank sind. Die Kesb wird auch aktiv, wenn Betroffene noch minderjährig sind und die Eltern sich nicht um sie kümmern können. Erfährt die Kesb (...) von einer Gefährdungssituation, klärt sie ab, wie geholfen werden kann. Nötigenfalls setzt die Kesb einen Beistand oder eine Beiständin ein. (Quelle: Kesb Kt. Zürich)

Das Gespräch führte Curdin Vincenz.

Porträt Patrick Fassbind
Legende: srf

Patrick Fassbind leitet seit dem 1. Mai 2016 die Kesb des Kantons Basel-Stadt. Zuvor war er Präsident der Kesb der Stadt Bern. Von 2008 bis 2012 leitete er kantonale Vormundschaftliche Abteilung im Kindes-, Erwachsenenschutz und Erbschaftswesen im Kanton Glarus.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Nour Helena Hänggi (nourhelena)
    Eigentlich haben die Eltern und Angehörigen bis zum Heranwachsen der Kinder immer Vorrecht, was die KESP allzuoft wohl nicht in Betracht zieht, wie jetzt endlich festgestellt wurde. Es sollte nur eingegriffen werden wenn eines der Eltern oder beide kriminell sind oder irgend einer Sucht verfallen sind, sowie bei häuslicher Gewalt. Leider kommt es häufig vor, dass aus irgend welchen Unachtsamkeiten oder Unaufmerksamkeiten sowie Versehen oder Stress ein riesen Spektakel veranstaltet wird.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Überall wo Bürokraten anstatt Mitfühlende in einem so heiklen Umfeld arbeiten müssen , kann es selten gut für die Betroffenen sein, denn der Beamte arbeitet nach Vorschrift und nicht nach seelischem Befinden der Betroffenen -darin liegt der Systemfehler - die Amtsperson will auch seinen Feierabend und nicht die Sorgen mit nach Hause nehmen -was ja auch irgendwie zu verstehen ist . Für diese Fälle ist meistens die Gemeinde mit entspr. reifen Personen der bessere Weg für menschlich gute Lösungen.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Wie mitfühlend die "reifen Personen" in den Gemeinden "menschlich gute Lösungen" gefunden haben sieht man ja in den Schicksalen der Verdingkinder. Wollen Sie wirklich da hin zurück?
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    2. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Sie sagen es richtig -das mit den Verdingkindern war eine herzlose gemeine zu verachtende Sache - Heute leben wir mit wesentlich besserer Aufklärung und die Zeiten sind vorbei wo man beichten ging, weil man geflucht hat oder ein lediges Kind noch eine Schande war . Verdingzustände schaffen wir mit Beamten die zwar nach Gesetz handeln aber auch vereinzelt herzlose Zustände hinterlassen. Wollen sie das ? Es geht nur einvernehmlich mit allen Beteiligten und nicht auf Befehl !
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      "Verdingzustände schaffen wir mit Beamten die zwar nach Gesetz handeln aber auch vereinzelt herzlose Zustände hinterlassen" Falsch, die Verdingung war üblich, als die Gemeindeorgane, meist Laien noch zuständig waren und möglichst billige Lösungen schaffen wollten. Solche Entscheide wären heute gar nicht mehr möglich. Einvernehmlich ist wünschenswert, aber sagen Sie das mal einem Gewalttäter, der seine Familie terrorisiert. Manchmal braucht es auch Zwang, wenn Einvernehmen und Einsicht fehlt.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Man wird wohl schweizweit keinen KESB-Mitarbeiter finden, der die Arbeit der KESB grundsätzlich in Frage stellt, aus Sicht der KESB läuft es ja immer besser. Wie wäre es, wenn SRF mal mit jemandem der neu gegründeten KESCHA ein Interview machen würde? Die Guido-Fluri-Stiftung kümmert sich schon länger um unerfreuliche KESB-Fälle und war mir eine grosse Hilfe. Die Leute dort sind neutraler und wollen vermitteln. Der Bund hätte ab 2013 eine Vermittlungsstelle einrichten und finanzieren sollen!
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