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Schweiz AHV schreibt über eine halbe Milliarde Franken Verlust

Die AHV ist 2015 in die roten Zahlen gerutscht. Die Sozialversicherung hat 579 Millionen Franken mehr ausgegeben, als sie an Beiträgen eingenommen hat. Weil auch das Anlageergebnis schlecht war, resultierte ein Verlust von 559 Millionen Franken.

Ein altes Paar steht auf dem Sechseläutenplatz in Zürich.
Legende: 2015 gab die AHV 41 Milliarden Franken aus – fast ausschliesslich für Renten. Das wird künftig noch mehr sein. Keystone

Bereits 2014 waren die Erträge der AHV tiefer als der Aufwand ausgefallen. Das gute Anlageergebnis verhinderte damals aber einen Verlust. Das änderte sich im vergangenen Jahr: Auch die vom Bund bezahlten Zinsen auf die Schulden der IV in Höhe von 257 Millionen Franken konnten das Betriebsergebnis nicht ins Positive rücken.

Nach Angaben des Ausgleichsfonds AHV/IV/EO (compenswiss) belief sich der Vermögensverlust 2015 auf 237 Millionen Franken – ein Jahr zuvor hatte die AHV mit Ausgleichsfonds-Anlagen noch 1,752 Milliarden Franken verdient.

Die Verantwortlichen bezeichneten das Jahr 2015 bereits im Februar als schlecht. Die Marktverhältnisse seien widrig gewesen. Zu den rückläufigen Aktienmärkten sei die Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze gekommen, die sich ebenfalls negativ ausgewirkt habe. Viel Geld musste compenswiss deshalb für Währungsabsicherungen ausgeben. Geld kosteten auch die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

41 Milliarden genügten nicht

Zu rund drei Vierteln stammen die AHV-Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, ein Viertel steuert die öffentliche Hand bei. Darin enthalten sind die Beiträge von Bund und Kantonen, das Mehrwertsteuerprozent und die Spielbankenabgabe.

2015 kamen so insgesamt 41,156 Milliarden Franken zusammen. Das genügte aber nicht ganz, um die Ausgaben von 41,735 Milliarden Franken – fast ausschliesslich für Renten – zu decken. So kam beim Umlageergebnis vergangenes Jahr ein Minus von 579 Millionen Franken zustande. Zum Vergleich: 2013 verzeichnete die AHV hier noch einen Gewinn von 14 Millionen Franken.

Es ist nicht das erste Mal, dass die AHV in die roten Zahlen rutscht. Schon in den 1970er und 1980er Jahren sind die Beiträge konjunkturell bedingt zurückgegangen. Ab Mitte der 1990er Jahre machte sich der demografische Effekt bemerkbar.

Gemäss Sozialversicherungsstatistik wies die AHV 1998 beim Umlageergebnis einen Verlust von 2,357 Milliarden Franken aus. Nur mit dem ab 1999 erhobenen «Demografieprozent» der Mehrwertsteuer konnte die Rechnung stabilisiert werden. In der Folge wies die AHV 14 Jahre lang ein positives Umlageergebnis aus – bis vorletztes Jahr.

Geplante Reform wird nicht reichen

Nun machen Demografie und die höhere Lebenserwartung eine umfassende Reform der Altersvorsorge nötig. Sonst droht der AHV bis 2030 eine Finanzierungslücke von über acht Milliarden Franken. Die aufgegleiste Reform verspricht allerdings nur vorübergehend Linderung.

Nach 2030 dürfte die AHV wieder Verluste schreiben. Das ist der zeitliche Horizont der Reform «Altersvorsorge 2020», die derzeit beim Nationalrat liegt. Darüber hinaus könnten ohnehin keine vernünftigen Voraussagen gemacht werden, hatte Bundesrat Alain Berset im Ständerat erklärt.

Die kleine Kammer übernahm die zeitliche Perspektive des Innenministers. Mit ihren Beschlüssen verschlechterte sie aber die finanziellen Aussichten der AHV. Werden die Beschlüsse umgesetzt, dürfte das Umlageergebnis der AHV im Jahr 2030 fast zwei Milliarden Franken im Minus liegen.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
    Ich frage mich, ob irgendwann, die Aufhebung des Eurokurses auch für den Klimawandel und Haarausfall verantwortlich gemacht wird.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Bei Versicherungen steigen die Prämien, wenn die Schadens-(Eintretens-)Ereignisse steigen. Ist ja eigentlich logisch oder.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ich begreife nicht, warum sich die im Arbeitsmarkt stehenden Leute gegen höhere Lohnbeiträge weigern. Schliesslich werden sie dafür im AHV Alter auf das Mehrfache entschädigt. Die Lohnbeiträge wurden schon lange nicht mehr erhöht. Nur schon ein halbes Prozent würde die AHV Kasse um ein Vielfaches bereichern. Beispiel: Fr. 30.-- bei einem Monatslohn wäre wohl zu verkraften. Wie leicht gibt man Fr. 30.-- für etwas anderes aus.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Frau Marlene Zelger, die Politik macht Mist in dieser Sache. Die Wirtschaft verhält sich arglistig um Kosten einzusparen. Die demographische Entwicklung wird gar nicht systemischer erfasst bei der Prämiengestaltung. Es findet eigentlich eine systemische Plünderung der Altersvorsorge statt. - Das kann nie so weitergehen ohne dass es zum Kolaps kommen muss.
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