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Legende: Audio Mehr Schutz an Schweizer Schulen durch Alarmhandys? abspielen. Laufzeit 02:20 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 15.08.2019.
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Alarm via Handy-App Schweizer Schulen wappnen sich gegen Amokläufe

Mit Handys oder Alarmkästchen: In verschiedenen Kantonen werden Massnahmen für den Ernstfall getroffen. Ein Experte sieht das kritisch.

Amokläufe an Schulen im Ausland mit Dutzenden von Toten haben die Schulbehörden in der Schweiz über die Jahre sensibilisiert. Der Kanton St. Gallen hat in seinen Berufsschulen und Gymnasien gerade eben ein Notfall-System eingeführt. Via Handy-App können Lehrkräfte dort unter anderem auch im Bedrohungsfall Alarm schlagen.

In Basel-Stadt wurden Sicherheitskästchen mit Alarmknöpfen montiert. Der Kanton Zürich ist seit über zehn Jahren daran, eine interne Alarmierungs-Anlage aufzubauen. Auch in der bernischen Gemeinde Köniz, am Gymnasium Lerbermatt zum Beispiel, gibt es seit April ein spezielles Amok-Alarm-System.

1700 Alarmhandys in der Stadt Bern

Die Stadt Bern setzt schon länger auf Mobiltelefone, etwa 1700 Alarmhandys wurden in rund 50 Schulanlagen installiert. Jörg Moor vom Schulamt Bern erklärt das System: «Nach einer Alarmauslösung werden alle anderen Mobiltelefone mit einer Sprachnachricht und einem Piepston alarmiert und es wird den Leuten mitgeteilt, wie sie sich zu verhalten haben.»

Die Alarm-Handys seien anfangs nicht gut angekommen, sagt Moor weiter, erst im Laufe der Jahre habe sich die Akzeptanz verbessert.

Nahaufnahme von Mann.
Legende: Für Guggenbühl wiegen die Alarmsysteme die Menschen in eine falsche Sicherheit. Keystone

Psychologe Allan Guggenbühl ist Experte für Jugendgewalt. Als Leiter des Instituts für Konfliktmanagement unterstützt er unter anderem Schulen im Umgang mit Aggressionen und Gewalt. Für Guggenbühl sind diese Amok-Alarm-Massnahmen in den Schulen völlig übertrieben.

Die Sicherheitsfirmen würden die kollektive Angst der Menschen ausnützen. Mit Alarmsystemen könne man höchstens seine eigene Angst abwehren. «Der Amokknopf ist eine Möglichkeit, diese Angst zu kanalisieren, abzuwehren und sich der Illusion hinzugeben: Ich habe etwas getan und bin geschützt.» Das sei jedoch eine völlige Illusion.

Für den Ernstfall bereit sein

Zur Zeit gebe es keine reale Bedrohung durch Amokläufer in der Schweiz, sagt der Experte für Jugendgewalt. Und wenn es eine gäbe, müsste man die Notfallsyteme mindestens alle drei Monate testen.

In den angefragten Kantonen ist man sich bewusst, dass die Gefahr eines Amoklaufs wohl eher gering ist. Dennoch wolle man für den Ernstfall gewappnet sein, betonen die Vertreter der Schulbehörden.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Feierabend  (Quantenmechanik)
    Herr Guggenbühl - Sie gehen nur von der eigenen Sicherheit aus und haben vergessen das Warnpotenzial für andere zu erkennen. Niemand läuft einem anderen gerne nichtsahnend in die Schrotflinte.
    Wenn dem so wäre wie Sie sagen müssten ja alle Warnanlagen fehl am Platz sein.
    Wohl kaum oder?
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  • Kommentar von Rudolf Räber  (Eins)
    Ein Zeichen zunehmender Amerikanisierung. Der auf dieser Denkeweise aufbauende logische nächste Schritt ist, die Lehrer mit Pistolen auszurüsten. Mir graut vor dieser Entwicklung.
    Die Antwort auf diese Problemstellung ist die Förderung von Integration und Zwischenmenschlichkeit. Dies schafft Offenheit und Transparenz. Jede Schülerin und jeder Schüler sollen in ihrer Ausdrucksfähigkeit geschult werden, damit ihr Selbstvertrauen gestärkt wird und sie ihren Platz in der Gemeinschaft finden.
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    1. Antwort von Bendicht Mühlethaler  (Rhenus)
      Der nächste Schritt nach der Einrichtung eines Alarmsystems ist ganz sicher nicht die Bewaffnung der Lehrerinnen und Lehrer. Diese können die darauf trainierten Einsatzkräfte der Polizei niemals ersetzen!
      Wie Sie sagen sind Transparenz, Offenheit und die Förderung von Kommunikationsfähigkeit und Selbstvertrauen das Wichtigste. An den Schulen, die ich kenne, wird das auch so gemacht.
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  • Kommentar von Marcel Halbeisen  (BadTicket)
    "Der Kanton Zürich ist seit über zehn Jahren daran, eine interne Alarmierungs-Anlage aufzubauen. Auch in der bernischen Gemeinde Köniz, am Gymnasium Lerbermatt zum Beispiel, gibt es seit April ein spezielles Amok-Alarm-System."
    Und ich dachte immer die Berner seien langsam :-)
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