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Schweiz Armeereform sorgt Armee-intern für Knatsch

Der Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), warnt vor dem Referendum gegen die Armeereform. Die jetzige Armee habe Mängel, deshalb wäre es fatal, die Reform jetzt zu stoppen, so der Präsident.

Soldaten der Schweizer Armee.
Legende: Mit einem Referendum werde die Weiterentwicklung der Armee um ein bis zwei Jahre verschoben, sagt Holenstein. Keystone

Im Moment treibt der Unfall der Patrouille Suisse die Armee um. Doch der Jet-Absturz ist nicht das einzige, was Stefan Holenstein, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), beschäftigt. Wichtiger ist für ihn die Zukunft der gesamten Schweizer Armee.

Unter dem Titel «Weiterentwicklung der Armee» will der Bundesrat die Armee verkleinern, auf 100'000 Mann. Dafür sollen ihre Ausbildung und Ausrüstung besser werden. Gegen dieses Projekt hat ein Komitee um die armeefreundliche Gruppe «Giardino» das Referendum ergriffen. Es befürchtet, dass die verkleinerte Armee ihren Verteidigungsauftrag nicht mehr wahrnehmen könnte.

Doch die Offiziersgesellschaft lehnt das Referendum ab, weil die Reform schon weit fortgeschritten sei. «Jetzt sind wir kurz vor dem Abschluss und da ist das einfach ein Störfaktor», sagt der 54-jährige Holenstein. Jetzt die Armeereform zu stoppen, wäre in seinen Augen fatal, weil die aktuelle Armee Mängel habe.

«Wenn man diese Mängel jetzt nicht behebt, dann laufen wir Gefahr, dass wir am Schluss wirklich etwas Halbbatziges, beziehungsweise, ich sage es jetzt deutsch und deutlich, eine «gegroundete» Armee haben», so der Präsidenten der Schweizerischen Offiziersgesellschaft.

Eine gute Reform

Mit einem Referendum werde der Umsetzungskalender der Weiterentwicklung der Armee (WEA) um ein bis zwei Jahre verschoben, sagt Holenstein weiter. Die Präsidentenkonferenz der Schweizerischen Offiziersgesellschaft hat sich hinter die vom Parlament beschlossene Reform gestellt und sich gegen ein Referendum ausgesprochen.

Laut Holenstein ist die WEA die erste der Reformen in den letzten 20 Jahren, die alle materiellen, finanziellen und personellen Voraussetzungen erfüllt. «Wir sind wirklich in einer relativ komfortablen Situation – das hatten wir vorher nicht.» Die Armee werde mit der Reform zwar schlanker, erhalte dafür aber mehr Muskeln.

Die Patrouille Suisse bleibt unangetastet

Stefan Holenstein warnt nach dem Patrouille-Suisse-Unglück in den Niederlanden, die Existenzberechtigung der Kunstflugstaffel in Frage zu stellen. Die Patrouille Suisse sei ein wichtiges Aushängeschild und damit nicht nur für die Armee sondern auch für die Schweiz beste Werbung. Der Gefahr, dass solche Unfälle den PR-Effekt ins Gegenteil verkehre, lässt sich laut Holenstein mit Ursachenforschung entgegenwirken. «Dann kann man das erklären und muss nicht gleich ein Drama draus machen.»
Solange die Tiger noch im Einsatz sind, bliebe die Patrouille Suisse unangetastet, sagt Holenstein weiter. Ihm zufolge wird das Thema der Ausserdienststellung damit erst in acht bis zehn Jahren aktuell. Über die Ausmusterung der Tiger muss das Parlament entscheiden. Das sieht die Armeereform vor. Damit könnten die Kampfjets frühestens 2018 aus dem Verkehr gezogen werden.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Wussten Sie, dass höchste Offiziere der Schweizer Armee zur Ausbildung in die USA geschickt werden ? (US Army Command and General Staff College) Da werden Sie mit Vorstellungen indoktriniert, die mit den Bedürfnissen der Schweizer Armee nichts mehr gemein haben. Falsch konditionierte Offizierskader schwächen die Abwehrbereitschaft der Schweiz massiv. Jetzt wissen Sie auch, woher das Chaos in der Schweizer Armee stammt. Darum Schluss mit der Indoktrination der Schweizer Armee durch die USA !
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Das gibt es schon lange, es sind Ausbildungslehrgaenge. Es sind keine Indoktrinationskurse.
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    2. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Hans Haller: Taktische Ausrichtung, Lehrsätze und Networking beinhalten immer Indoktrination, genauso wie Holywood Streifen das scheinbar Gute und Böse paraphieren ! Weitgehend gefehlt hat in der Schweiz die Erkenntnis der Vorsicht zum Besuch solcher Anlässe !
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Guggisberg, es ist immer auch von Vorteil zu wissen wie der eine da denkt und lenkt. Sowas kann man vor allem vor Ort am besten wahrnehmen und kennenlernen. Ob sich da ein Schweizer indoktrinieren lässt ist dann doch eine andere Sache. - Man lernt vor allem bei diesen Kursen. Es gibt diese übrigens weltweit in allen wesentlichen und bekannten westlich orientierten Laender. Selbst Thaioffiziere gehen nach Deutschland an die Militaerakademie.
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  • Kommentar von Roman Hablützel (Habluetzelroman)
    Es fehlt nicht nur an Geld sondern an Reformfähigkeit. Ich war vor zwei Jahren in der RS und habe mittlerweile zwei WK's gemacht. Mein Fazit: in meinem ganzen Leben wurde ich noch nie so wenig gefördert. Die Armee hätte in meinen Augen ein riesiges Potential für eine gute Lebensschule. Sie hat keine Ideen ist ein träges und veraltetes System, dass ohne Fortschritte und Innovation durch die Zeit getragen wurde. Es fehlt auch an Werten und Spirit.
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    1. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Roman Hablützel: Sie haben das gut gemacht. Nur eines müssen Sie wissen, die Armee ist und bleibt was sie ist. Ein Instrument für die letzte Hilfe vor dem Abgrund. Ich hab's auch erst in der 2. Lebenshälfte kapiert, was die Armee mir gegeben hat. Es ist gut zu wissen, dass da noch jemand ist, wenn gar nichts mehr geht. Das waren Sie. Ich danke Ihnen vielmals für Ihren Dienst !
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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Schlechte Führung (bis vor kurzem). Falsche Strategie und Reform. Schluss mit der Reduktion der Armee und dem Abbau von Standorten und Verteidigungsstellungen. Schluss mit dem Abbau der Reserven. Schluss mit dem Abbau von Zeughäusern und Munitionsdepots. Keine Zuständigkeit der Armee für Internationales, Geheimdienst, Auslandeinsätze und Informatik. Konzentration der Kräfte auf konventionelle Verteidigung unter Einbindung des gesamten Schweizer Volkes zur Unterstützung lang dauernder Krisen !
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Markus Guggisberg,ich danke ihnen,dass sie erkannt haben, dass die Armee schlecht geführt ist. BR Maurer hat die Armee noch ganz an die Wand gefahren.Ich war einmal stolz auf unsere Armee,doch das was heute noch da ist, kann gerade so gut ganz liquidiert werden. Konzeptlosigkeit, Skandale & eine verheerende politische Führung haben diese Armee zu einem Rohrkrepierer verkommen lassen. Hören wir endlich auf uns etwas vorzumachen.diese Armee ist mit dem Stempel «untauglich» zu entlassen!
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    2. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Niklaus Bächler: Freue mich sehr über unsere Übereinstimmung. Nur etwas: Kann sein, dass uns die Politik durch den Sumpf zieht. Wir zwei jedoch werden immer aufstehen und niemals aufgeben. Das ist der Geist unserer Vorfahren und der lässt sich nicht abschaffen ! Eidgenossen für immer !
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