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Schweiz Armeestandorte: Mässige Kritik im Flachland – Wallis untröstlich

Für die Armeespitze war es eine knifflige Aufgabe, beim neuen Stationierungskonzept in allen Regionen möglichst gleichmässig zu sparen. Das ist offenbar recht gut gelungen, auch wenn mehrere Kantone Korrekturen fordern. Unverändert gross ist der Ärger im Wallis, das überdurchschnittlich bluten muss.

Waffenplätze, Flugplätze, unterirdische Lagerhallen – die Armee spart einen Drittel ihrer Anlagen weg. Im letzten November wurde bekannt, was wo geschlossen werden soll. Nun haben die betroffenen Kantone reagiert. Und viele machen in der Vernehmlassung deutlich, dass für sie das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Ein Schlag ans Schienbein
Autor: Oskar FreysingerSicherheitsdirektor, Kanton Wallis

Dies gilt allen voran für das Wallis, das mit den Standorten St-Maurice, Goms und dem Flugplatz Sitten mehr als andere Kantone verliert. Dies sei inakzeptabel und ein harter Schlag für den Kanton, schreibt die Regierung. «Das Konzept wird als Schlag ans Schienbein empfunden», umschreibt Sicherheitsdirektor Oskar Freysinger gegenüber SRF die Stimmung.

Das Wallis werde als sehr armeefreundlicher Kanton viel zu hart behandelt. Die Regierung sei in Kontakt mit der Armee, sagt Freysinger. Unter anderem werde geprüft, ob und wie die 43 hochwertigen Arbeitsplätze und Lehrstellen in Sitten behalten werden könnten.

ZH/GR: Kampf um mechanisierte Brigade 11?

Aber auch Kantone, die ein gewisses Verständnis für den Abbau zeigen, sind mit dem Konzept nicht restlos zufrieden, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur SDA zeigt. So begrüsst der Kanton Zürich zwar, dass nur 80 von 1000 Stellen wegfallen. Bedauert wird aber der Abzug von drei Brigadekommandos. Der Bund wird deshalb ersucht, die mechanisierte Brigade 11 in Winterthur zu behalten, damit diese weiterhin Garnisonsstadt bleibt, was sie seit 1849 ist.

Im Kanton Graubünden freut man sich hingegen bereits auf den Umzug der mechanisierten Brigade 11 nach Chur – als Kompensation für die aufgelöste Bündner Gebirgsinfanteriebrigade 12. Das Kommando der Brigade 11 bringe auch wesentliche Vorteile im Zusammenhang mit dem Word Economic Forum (WEF).

Die Schaffhauser Regierung will nicht hinnehmen, dass eine von drei Zivilschutzanlagen geschlossen werden soll. Es dürfe nicht sein, dass sich die Armee zunehmend aus dem Grenzkanton zurückziehe.

Angst vor mehr Fluglärm

Der Kanton Zug fordert weitere Angaben zu den künftigen Flugbewegungen auf dem Militärflugplatz Emmen (LU). Mit der Schliessung der Schiessplätze Oberägerei, Baar und Steinhausen ist man einverstanden, fordert aber eine umweltschutzbedingte Altlastenbereinigung.

Die Luzerner Regierung ihrerseits fordert verbindliche Angaben zu den Flügen sämtlicher Flugzeugtypen. Die Lärmbelastung in Emmen dürfe nicht weiter ansteigen.

Glückliche Regionen

Der Nidwaldner Regierungsrat freut sich, dass der Waffenplatz Stans/Oberdorf im bisherigen Umfang durch die Swissint genutzt wird. Der Militärflugplatz Buochs wird mittelfristig als «Sleeping Base» aufgegeben, doch beabsichtigt die Regierung, die Hauptpiste zugunsten des Wirtschaftsstandorts langfristig zu sichern.

Der Berner Regierungsrat vermisst Aussagen zur Sanierung von nicht mehr benutzten Schiessplätzen und sieht diese Aufgabe beim Bund. Begrüsst wird, dass im Kanton Bern einzig in Lyss ein Waffenplatz geschlossen wird.

AG: Wohin mit dem Rekrutierungszentrum?

Bis Ende Februar Zeit lassen will sich der Kanton Aargau. Denn in Aarau wehren sich Stadtrat und Parlament, dass das Rekrutierungszentrum Windisch in die Kaserne Aarau verlegt wird. Sie wollen die zentral gelegene Kaserne ab 2030 zivil nutzen. Zugleich will die Gemeinde Windisch das Rekrutierungszentrum behalten.

Blick auf den Militärflugplatz Sion
Legende: Stationierungskonzept der Armee: Das Wallis verliert den Militärflugplatz Sitten. Keystone

Der Kanton Freiburg bedauert die Aufgabe der Kaserne La Poya und des Truppenlagers in Schwarzsee. Im Gegenzug erwartet die Regierung deshalb, dass das Ausbildungszentrum für Zivildienst, das Ende 2015 Schwarzenburg verlassen wird, in den Kanton kommt. Die Regierung befürchtet zudem, dass mit der Schliessung der Militärbasen Sitten, Buochs und Dübendorf die Lärmbelastung durch den Flugplatz Payerne (VD) ansteigen wird.

Was passiert mit der Kaserne Moudon?

Noch ausstehend ist die Stellungnahme aus der Waadt. Dort sorgten im November unbestätigte Gerüchte für Aufregung, wonach die Kaserne Moudon in ein Asylbewerberzentrum umgewandelt werden soll. Die Haltung der betroffenen Gemeinden soll in die Vernehmlassung einbezogen werden.

Diese wichtigen Armee-Standorte werden geschlossen

KantonOrtArt des Betriebs
BELyssWaffenplatz
FRFreiburgWaffenplatz
GEGenfWaffenplatz
VDMoudonWaffenplatz
VSSt. MauriceWaffenplatz
NWBuochsMilitärflugplatz
VSSionMilitärflugplatz
ZHDübendorfMilitärflugplatz (Helikopterbasis bleibt)
GRBrigelsSchiessplatz
OWGlaubenbergSchiessplatz
VSGluringenSchiessplatz

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15 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, H
    Hier ist es falsch, den zuständigen BR zu tadeln. Man tadle die Armeegegner, oder alle diejenigen, die sagen:" Wir sind nicht gegen die Armee, wollen einfach weniger davon haben". Wenn deshalb über Jahre Geld dafür gestrichen wird, darf man sich jetzt nicht wundern, wenn reduziert werden muss. Leider wird aber am falschen Ort gespart. Betreffend Sicherheit für unser Land sollte man es nicht tun.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Mir scheint so aus der Ferne betrachtet, was die GSoA im Schnellverfahren durchpeitschen wollte, schaffen andere auch ohne diese Gruppierung, nur etwas langsamer. Einem europäischen Frieden auf Ewigkeit traue ich nicht. Auch wenn die aktuelle Bedrohungslage mittels unserer Armee schwer einzudämmen ist, wie schaut sie vielleicht schon in 20 Jahren aus und von einem Weltfrieden sind wir weiter weg denn je.
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Es fehlt die Weitsicht im engstirnigen Bundesbern.
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  • Kommentar von Nemo Tenetur, Bern
    Oskar Freysinger? Ist das nicht der mit der Neonazi-Flagge im Keller?
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    1. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Oskar Freysinger ist der Walliser Regierungsrat, der vor einem Jahr das beste Wahlresultat im Kanton erreicht hat. Heute leitet er u.a. das Sicherheits-Departement im Wallis, ist daneben noch Nationalrat und spricht 4 (!) Sprachen mündlich und schriftlich perfekt! Wenn Sie, Nemo Tenetur (welch fremdländischer Name!) nur das wissen, was uns die Medien als "Akt des Hasses" gegen den SVP-Politiker zum Frasse vorlegten, nehme ich an, dass Sie dem Freysinger intelligenzmässig haushoch überlegen sind!
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Bei der besagten Flagge handelt es sich um die Deutsche Reichskriegsflagge. Im Zusammenhang mit dem Militär ist zu sagen, dass es einmal in der Schweiz einen deutschfreundlichen General gab. Wetten der hatte auch eine solche Flagge bei sich zuhause?
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