Asylsuchende in der Schweiz: Wie Gemeinden helfen

Die Zahl der Flüchtlinge, die in Europa Schutz oder ein besseres Leben suchen, steigt. Nicht nur, aber auch in der Schweiz reagieren viele Gemeinden ablehnend auf die Forderung, mehr Menschen aufzunehmen. Aber: Auch das Gegenteil ist der Fall.

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Wie Gemeinden helfen

4:09 min, vom 6.8.2015

In Muri-Gümlingen, wohnen Menschen, die ein Zeichen setzen wollen. Die Gemeinde bei Bern hat 12'773 Einwohner und bisher leben hier 74 Asylsuchende. Nun nimmt die Gemeinde 100 weitere auf. Freiwillig.

«Dann muss man auch mal Verantwortung übernehmen»

Asylsuchende beträfen nicht allein den Kanton oder die Nachbargemeinde, sagt Thomas Hanke, der Gemeindepräsident von Muri-Gümligen. «Sie betreffen uns alle. Und dann muss man auch mal Verantwortung übernehmen.»

Verantwortung zeigen, Lösungen finden: Bisher scheint die Bevölkerung grundsätzlich mitzuziehen – das zeigt zumindest eine Strassenumfrage in Muri-Gümlingen. Es sei gut, dass jemand von der Gemeinde aktiv werde, meint ein Mann mittleren Alters. Sie hoffe, sagt eine Frau, dass der Schritt auch andere Gemeinden motiviere, die noch Raum zur Verfügung hätten.

Die unterirdische Zivilschutzanlage der Gemeinde wird nun eingerichtet. In ungefähr einer Woche gilt es ernst: Dann beziehen hier in Muri-Gümligen die ersten Asylsuchenden ihre Betten.

Suhr, Kanton Aargau

Eine andere Gemeinde – Suhr im Kanton Aargau – ist bereits einen Schritt weiter. 9724 Menschen leben hier. Aufnehmen müsste Suhr 30 Asylsuchende. Doch die Gemeinde bot vor zwei Jahren Hand für eine kantonale Unterkunft. Das heisst: 110 Plätze mehr. «Wir müssen hier ein Problem lösen», sagt Beat Rüetschi, der Gemeindepräsident von Suhr. Die Gemeinde habe ein Haus, das dem Kanton gehöre. Dieses habe man für ein grosses Zentrum angeboten, sagt Rüetschi – auch, weil die Gemeinde fand, das sei besser als viele Einzelunterkünfte.

Viele Anwohner aber waren anfangs skeptisch wegen des geplanten grossen Zentrums. Einer von ihnen: Rolf Müller. Die Gemeinde nahm die Sorgen ernst und handelte. Müller erzählt, wie die Gemeinde offensiv informierte. «Man hat uns skizziert, wie die Situation sein wird. Zudem bot man uns einen Sicherheitsdienst an», so der Anwohner. «Die Ängste haben sich so relativ rasch abgebaut.»

Arlesheim, Kanton Baselland

Wenig Ängste gegenüber Asylsuchenden gibt es offenbar auch in Arlesheim, Kanton Baselland, 9067 Einwohner. Aufnehmen müsste die Gemeinde 60 Menschen. Doch sie bietet seit kurzem Platz für ein Bundeszentrum – das heisst: Es gibt 40 Plätze mehr. Aus Überzeugung. «Es geht um ein Zeichen von Solidarität, die wir in dieser Gemeinde schon seit Jahrzehnten leben», sagt Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller. Es sei darum gegangen zu helfen. «Wir konnten Menschen helfen, die auf der Flucht sind – und wir konnten auch dem Bund helfen.»

Kein Widerstand, sondern Solidarität. Die Bevölkerung trägt bisher den Entscheid der Gemeinde mit. Mehr noch: Es habe konkrete Anfragen gegeben, ob den Menschen mit Sachspenden geholfen werden könnte, so Gemeindepräsident Zeller. Die Gemeinde habe daraufhin einen Aufruf gestartet. Seither können zwei Mal pro Woche Sachen abgegeben werden – gerade hat jemand Spielsachen gebracht.

Die Gemeinde zeigt viel Engagement. Freiwillig organisiert sie Arbeitseinsätze, um die Asylsuchenden tagsüber zu beschäftigen. Eine sinnvolle Hilfe sei das, so Karl-Heinz Zeller. «Es sind Arbeiten, die wir sowieso erledigen müssten. Und ich denke, es ist auch ein gutes Zeichen.»

Etwa dazuverdienen

Für die Einsätze melden sich viele der Asylsuchenden. Sie können sich so zu ihrem Tagesgeld von drei Franken etwas dazuverdienen. Pro Tag zahlt der Bund 30 Franken. Er helfe gern, sagt Mihletab Teklesenbet, ein Asylsuchender aus Eritrea.

Wenig Widerstand, viel Akzeptanz. Dennoch müssen die Asylsuchenden hier in Arlesheim abends ab 18 Uhr in der Zivilschutzanlage sein. Und: Der Betrieb des Zentrums ist vorerst nur befristet.