Zum Inhalt springen
Inhalt

Asylzahlen 2018 Eritreer sind immer noch die grösste Asylgruppe

  • Letztes Jahr haben 15'255 Menschen ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt. Das sind knapp 16 Prozent weniger als 2017.
  • Das Staatssekretariat für Migration (SEM) begründet den Rückgang mit geänderten Migrationswegen und der strikten Schweizer Asylpolitik.
  • Für 2019 rechnet das SEM mit gleich vielen oder etwas mehr Gesuchen.
Legende: Video Aus dem Archiv: Sinkende Asylzahlen waren abzusehen abspielen. Laufzeit 02:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.07.2018.

Wichtigstes Herkunftsland von Asylsuchenden war Eritrea (2825 Asylgesuche), wie der Asylstatistik 2018 des SEM zu entnehmen ist. 2017 waren es noch 3375 gewesen. Davon entfielen 797 auf Familienzusammenführungen, 29 auf das europäische Relocation-Programm, 1444 auf Geburten und 63 auf Mehrfachgesuche. Spontan gelangten lediglich 492 eritreische Asylsuchende in die Schweiz.

Weniger als zehn Prozent Eritreer müssen zurück

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Weniger als zehn Prozent Eritreer müssen zurück

Zur umstrittenen Überprüfung von 3400 vorläufig aufgenommenen Eritreern und deren mögliche Rückkehr in ihr Heimatland sagte SEM-Direktor Mario Gattiker in einer Zwischenbilanz, dass die vorläufige Aufnahme wohl bei weniger als zehn Prozent der Fälle aufgehoben werden könne. Der Bund müsse sich hier an die Rechtsprechung halten.

An zweiter Stelle der Herkunftsländer lag letztes Jahr Syrien (1393 Gesuche). Das sind 29 Prozent weniger als 2017. Es folgten Afghanistan (1186 Gesuche, minus drei Prozent), die Türkei (1005 Gesuche, plus 18 Prozent), Georgien (873 Gesuche, plus 30 Prozent), Algerien (747 Gesuche, plus 35 Prozent) und Sri Lanka (652 Gesuche, minus 22 Prozent).

Gattiker: Rasche Behandlung von Gesuchen

Gattiker: Rasche Behandlung von Gesuchen

In einem Interview mit dem «Blick» sagte SEM-Direktor Mario Gattiker, die Schweiz sei immer weniger Zielland für Asylsuchende, die kein Anrecht auf den Schutz durch die Schweiz hätten. Verantwortlich dafür sei, dass die Schweiz sehr schnell über die Asylgesuche entscheide und die Leute die Schweiz rasch wieder verlassen müssten. Zudem würden viel weniger Flüchtlinge übers Mittelmeer nach Italien kommen. Es gebe eine Ausweichbewegung über Marokko und Spanien, so Gattiker. Und diese Asylsuchenden würden nicht in die Schweiz reisen.

1,9 Asylbewerber pro 1000 Einwohner

Der Anteil der Schweiz an allen in Europa gestellten Asylgesuchen lag wie im Vorjahr bei rund 2,5 Prozent. Es handelt sich dabei um den zweittiefsten Anteil der Schweiz seit dem Fall der Berliner Mauer 1989.

Mit 1,9 Asylsuchenden auf 1000 Einwohner (Vorjahr 2,2) liegt die Schweiz jedoch weiterhin deutlich über dem europäischen Mittel von 1,2 Asylsuchenden pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. Höhere Quoten haben in Europa Griechenland (6,3), Zypern (5,7) oder Schweden (2,2). In Deutschland waren es wie in der Schweiz 1,9 Asylsuchende pro 1000 Einwohner.

Für 2019 rechnet das SEM laut Gattiker mit gleichbleibenden Asylzahlen wie 2018. Man gehe von rund 15'500 neuen Asylgesuchen aus. Die Situation sei aber nach wie vor volatil, der internationale Migrationsdruck bleibe hoch Gattiker verwies auf die über drei Millionen in der Türkei lebenden Syrer: Die Asylgesuchszahlen könnten rasch wieder ansteigen.

Kritik von der Flüchtlingshilfe

Für die Schweizerische Flüchtlingshilfe ist der tiefste Wert der Asylgesuche seit 2007 eine direkte Folge der EU-Abschottungs- und Abschreckungspolitik, die auch die Schweiz mittrage. Flüchtende würden dadurch auf immer gefährlichere Routen gezwungen. Die Flüchtlingshilfe fordert den Bund dazu auf, angesichts der weltweiten Fluchtbewegungen seine Verantwortung wahrzunehmen und vermehrt legale Zugangswege zu schaffen.

Die lange humanitäre Tradition verpflichte die Schweiz auch zur Verantwortung, bei der aktuellen Bewältigung des weltweiten Flüchtlingselends eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Die Schweiz könne und müsse mehr tun, gerade auch bei der Seenotrettung.

Mehr als 60 Prozent dürfen (vorläufig) bleiben

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Das SEM hat im vergangenen Jahr 26'103 Asylgesuche erstinstanzlich erledigt. Das sind 1118 weniger als 2017. 6358 Menschen erhielten Asyl. Die Anerkennungsquote belief sich somit auf 25,9 Prozent. Die Schutzquote – also der Anteil Asylgewährungen plus vorläufige Aufnahmen aufgrund erstinstanzlicher Entscheide – betrug letztes Jahr 60,8 Prozent. Die Zahl der erstinstanzlich hängigen Fälle betrug Ende Jahr 11'594 Gesuche. Das sind 8909 weniger als Ende 2017. 1613 Asylbewerber verliessen 2018 die Schweiz freiwillig (mins 5,6 Porzent gegenüber 2017). Weitere 3266 Menschen wurden entweder in ihren Heimatstaat oder einen Drittstaat zurückgeführt. 1560 Personen wurden in einen Dublin-Staat überstellt (minus 23,6 Prozent).

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

74 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Janusz Kaltenbacher (anti_sozialist)
    Und Sie halten sich immer an die Regeln Herr Müller und waren noch nie am übertreiben?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    HPMüller "erklären Sie, wie jemand, der nicht angemeldet ist, keine AHV Nummer hat, und der Gemeinde nicht bekannt ist, AHV/IV und Soz'hilfegelder bekommen sollte od.eine KK abschliessen kann?" Zum wiederholten Mal: es steht ausführlich auf Sans Papiers.ch: 1.Gesundheit: Recht auf KK-+UV. 2.Arbeit: Recht auf Arbeitsvertrag u.min übliche -bedingungen inkl AHV/IV+Leistungen. 3.Schulpflicht. Schulen, Soz'versicherungs-, KK+Gesundheitspersonal dürfen SPs weder der Polizei noch dem Migrat'amt melden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Auf derselben Seite steht auch, dass das Wunschvorstellungen sind und in der Deutschschweiz nicht einmal jeder 5. eine KK oder AHV/IV Anmeldung hat. Es steht auch, dass diese Stellen keine Meldung machen dürften, es aber trotzdem immer wieder machen und dass ein Spitalaufenthalt je nach Kanton gemeldet wird. ZB hier: "Nach Aussagen einzelner Behördenvertreter geben in bestimmten Kantonen oder Kleinstädten die AHV-Ausgleichskassen unaufgefordert Informationen an die Migrationsbehörden weiter"
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von SRF News(SRF)
    Liebe Kommentarschreiberinnen und Kommentarschreiber, wir müssen derzeit viele Kommentare zurückweisen, weil andere Kommentierende darin persönlich angegriffen werden. Wir bitten Sie, auf Angriffe jeder Art zu verzichten und Ihre Argumente zum Thema sachlich vorzubringen. Alles andere wird hier nicht publiziert – wir verweisen gerne auf unsere Netiquette. Vielen Dank.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Wenn ich die beiden veröffentlichten Kommentare unmittelbar nach Ihrem Kommentar anschaue scheint die Anwendung der Netiquette nicht für alle gleich zu gelten. "Ausdrücklich nicht toleriert sind: ... Verallgemeinerungen, Unterstellungen oder Behauptungen, die sich nicht überprüfen lassen; Persönliche Angriffe jeglicher Art, Beleidigungen oder gezielte Provokationen... "
      Ablehnen den Kommentar ablehnen