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Schweiz Atomendlager: Schweiz als Vorbild?

In Sachen Atomendlager ist Deutschland zurück auf Feld eins: Das Tiefenlager bei Gorleben ist so umstritten, dass jetzt nach Alternativen gesucht wird. Und die Schweiz wird plötzlich zum Vorbild, was den Einbezug der Bevölkerung im Mitwirkungsverfahren angeht.

Luftaufnahme des Paul Scherrer Instituts, rundum landwirtschaftliches Land und die Aare.
Legende: PSI in Villigen/AG: Links hinter dem Bauernhof ist der mögliche Eingang ins Tiefenlager geplant. Keystone

Ueli Müller steht am Hang vor einem guten Dutzend Leuten. Oberhalb von ihnen befindet sich eine Kuhweide, unterhalb die Strasse zwischen Brugg und Koblenz.

Die Leute sind Mitglieder der neu gegründeten deutschen Endlagerkommission. Müller erklärt, wie hier der radioaktive Abfall dereinst in den Untergrund des Bözbergs verschwinden könnte. Das Gebiet grenzt unmittelbar ans Paul Scherrer Institut PSI, wo fast 2000 Mitarbeiter in der Energieforschung arbeiten.

Bewunderung für die Schweiz

Müller erzählt, wie seine Mitsprachegruppe den genauen Standort vorgeschlagen hat. Das war die sogenannte Regionalkonferenz Jura Ost, zusammengesetzt aus einfachen Bürgern aus der Region. Ein Raunen geht durch die Runde. Ursula Heinen-Esser, die Vorsitzende der deutschen Endlagerkommission sagt: «Ich bin voller Bewunderung für die Schweiz.» Hier würden die Bürger sehr früh in einen Entscheidungsprozess eingebunden.

Es fasziniert die Besucher aus Deutschland, dass es im Aargau so wenig Protest gegen das Tiefenlager gibt. Aus Gorleben, dem bisher favorisierten Standort in Deutschland, sind sie sich Massendemonstrationen und riesige Polizeieinsätze mit Wasserwerfern gewohnt.

Probleme bei den technischen Details?

Endlager Schweiz

Endlager Schweiz

Die Nagra, Link öffnet in einem neuen Fenster hat sechs mögliche Standorte für atomare Tiefenlager identifiziert. Die meisten liegen in der Nordschweiz (siehe Grafik). Derzeit laufen Mitwirkungsverfahren mit der betroffenen Bevölkerung. Voraussichtlich 2027 entscheiden der Bundesrat und Parlament über den definitiven Standort. Der Entscheid unterliegt dem fakultativen Referendum.

Immerhin, auch in der Schweiz gibt es Opposition gegen das Tiefenlager. In der Mitsprachegruppe sind neben 90 Schweizern auch 10 Mitglieder aus dem grenznahen Deutschland dabei. Einer von ihnen ist Lüder Rosenhagen aus Bad Säckingen. Er war früher Kapitän auf einem nuklearbetriebenen Forschungsschiff, heute ist er Atomkritiker.

Nun steht er in Brugg vor dem Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi, wohin er eben für eine Sitzung angereist ist. «Wir äussern uns sehr oft und werden von den Schweizern sehr skeptisch angesehen», sagt er. Denn im ganzen Prozess seien die deutschen Mitglieder die einzigen Kritiker.

Rosenhagen bemängelt, dass die Teilnehmer der Mitsprachegruppe Jura Ost von ihren Gemeinden ausgewählt worden seien. Ausserdem handle es sich meist um Landwirte, die grosse Mühe hätten, die technischen Details der Endlagerung zu verstehen.

Der Deutsche will es genau wissen

Rosenhagen selber will es ganz genau wissen. So habe er etwa vor zehn Jahren die Frage gestellt, ob es im Opalinuston – der Erdschicht, in der das radioaktive Material gelagert werden soll – nicht Mikroben gebe. «Damals hat man mich belächelt», sagt er.

Doch unterdessen weiss man, dass es in der 180 Millionen Jahre alten Erdschicht tatsächlich Mikroben gibt. Nun werden ihre möglichen Auswirkungen auf das Endlager im Tongestein genauer erforscht. Für Rosenhagen ist deshalb klar: Es braucht das kritische Nachfragen.

Deutschland ist nicht die Schweiz

Unterdessen wissen die Mitglieder der deutschen Kommission alles zum Mitwirkungsverfahren. Die Kommissionsvorsitzende Heinen-Esser wünscht sich unbedingt mehr Bürgerbeteiligung in Deutschland. Sie ist sich aber nicht sicher, wie weit man dort gehen kann. In der Schweiz würden die Bürger den Behörden vertrauen, wenn es um Sicherheitskriterien oder Ähnliches gehe, stellt sie fest. Nicht so in ihrer Heimat: «In Deutschland ist jeder sein eigener Wissenschaftler.»

Sagts und spaziert über die Aare zum Zwischenlager; dorthin, wo in der Schweiz jeweils die Castor-Behälter mit den radioaktiven Abfällen aus den Kernkraftwerken angeliefert werden. In Deutschland ketten sich bei diesen Transporten regelmässig Aktivisten an Fahrzeuge und Schienen. In der Schweiz gab es noch keinen einzigen solchen Protest.

Bemerkungen zur Grafik: Das Gebiet nördliche Lägern soll als möglicher Standort eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle vorerst nicht weiter untersucht werden, schlägt die Nagra, Link öffnet in einem neuen Fenster vor. Für ein Tiefenlager für schwache- und mittelaktive Abfälle zurückgestellt werden sollen laut Nagra, Link öffnet in einem neuen Fenster die Gebiete Südranden, Nördlich Lägern, Jura Südfuss und Wellenberg. Über diese Anträge entscheidet der Bundesrat voraussichtlich 2017.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    Endlager zuoberst auf demHaufen wird nach nächsterEiszeit alle unterenAnrainer in allen4Himmelsrichtungen gefährden+alles Lebendige dieser wunderbaren+ vollkommenen Schöpfung MUTIEREN+Europa sogar fürFlora+Fauna unbewohnbar machen.Zu jener Zeit werden wir uns alle längst auf demFlug befinden+es die Menschheit nicht mehr geben. Misslungene+missrateneTechnologieMUSS Ursprung DIREKT IN DER HÖLLEhaben.SNB soll ½Schweiz im trockenenMali kaufen,dort Lager einrichten+durchWK Soldaten bewachen lassen.
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  • Kommentar von Marcus Kesper, Kleinandelfingen
    Das so gelobte Mitwirkungsverfahren wird oft missverstanden. Es geht ausschliesslich um die Oberflächenanlagen, aber wen ausser die Landbesitzer interessiert das schon? http://www.nuclearwaste.info/aufschlussreiche-pr/: "... dass das Schweizerische Partizipationsverfahren ein Anhörungsverfahren über die Anlagen an der Oberfläche ist, und dass die betroffene Bevölkerung nichts, aber auch gar nichts zu Fragen der Sicherheit zu sagen hat?"
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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Aus geologischen und physikalischen kann es für radioaktives Material, das noch nach 100‘000en Jahren tödlich strahlt, keine sichere Endlager geben. Unterirdische Lagerung führt wegen der ständigen Bewegung der afrikanischen Kontinentalplatte unter! die eurasische zu Erdbeben, Brüchen in alle Richtungen. „Weicher“ Opalinuston wird nach 1000en Jahren aufheizen des Atommülls brüchig. Warum keine Volksabstimmung (ev. durch SVP!?) nach dem Motto: „hiä niä“? Es gibt andere Lösungen für Endlager!
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    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Wach, Wollen Sie wirklich ein politisch fremdgesteuertes und dadurch falschinformiertes Volk über ein solches Thema abstimmen lassen? Wenn ich die kurzsichtigkeit unserer Wahlresultate der letzten Jahre anschaue habe ich grösste Zweifel zu unserer Demokratie. Demokratie verlangt eigenverantwortung, die ist heute auf breiter Front weg.
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    2. Antwort von Eduard Biner, Zermatt
      @ H. Wach, Welche anderen Lösungen für Endlager gibt es?
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