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Schweiz Begleiteter Suizid ist in der Schweiz eher Frauensache

In der Schweiz wählen mehr Frauen als Männer den begleiteten Suizid, wie eine Studie ergeben hat. Offen bleibt, warum das so ist.

Frauen nehmen häufiger als Männer den Dienst von Sterbehilfe-Organisationen wie Exit oder Dignitas in Anspruch. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Bern. Das Resultat hat die Forscher überrascht. Der Zusammenhang mit dem Geschlecht zeigt sich in der Statistik nämlich unabhängig von anderen Faktoren.

Kurz gesagt: Es liegt nicht daran, dass Frauen älter werden und deshalb häufiger an Krebs oder anderen tödlichen Alterskrankheiten erkranken. Und es hat auch nichts damit zu tun, dass Frauen im Alter häufiger alleinstehend sind, weil sie ihre Ehemänner überlebt haben. Denn das zeigt die Studie weiter: Wer alleine lebt, der entscheidet sich eher für einen begleiteten Suizid. Doch alleinstehende Frauen tun dies eher als alleinstehende Männer.

Gründe für den Unterschied?

Tödliches Mittel für Sterbewillige
Legende: Von einer Organisation in den Tod begleiten lassen sich in der Schweiz mehr Frauen als Männer. Keystone/Archiv

Die Gründe für den Geschlechterunterschied sind nicht bekannt. Frühere Studien aus dem Ausland zeigen gar das Gegenteil. Warum die Schweizer Studie zu anderen Schlüssen kommt und welche Gründe möglicherweise Frauen dazu bringen, sich eher als Männer ein Rezept für ein tödliches Gift ausstellen zu lassen, ist unklar. Man könne im Moment nur spekulieren, sagt der Studienleiter Matthias Egger von der Universität Bern. Möglicherweise sei bei Frauen die Angst stärker ausgeprägt, anderen zur Last zu fallen.

Über die Interpretation der Resultate kann nun gestritten werden. Die Sterbehilfeorganisation Exit lässt jedenfalls verlauten: Es decke sich nicht mit ihren Erfahrungen, dass die Sorge, anderen zur Last zu fallen, bei Frauen grösser sei.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Jakob Denzler, Frauenfeld
    "Möglicherweise sei bei Frauen die Angst stärker ausgeprägt, anderen zur Last zu fallen." 1. Es ist ein Menschenrecht, niemandem zur Last fallen zu wollen. Warum Menschen selbstbestimmt sterben wollen, geht keinen Pfarrer, Ethiker, Arzt etwas an. Niemand muss sich rechtfertigen. 2. Diese Aussage kann auch projektiv sein: man will selbst die Last nicht tragen, sich bis ans Lebensende durchquälen zu müssen, mit Schmerzen usw., sagt dann aber dass man andern nicht zur Last fallen will.
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  • Kommentar von Peter Frei, Zürich
    Möglicherweise sind Frauen vernünftiger, oder es fällt Ihnen schwerer, sich in den Kopf zu schiessen, aufzuhängen, vor einen Zug zu werfen oder andere grausame gewaltsame Methoden anwenden zu müssen, um selbstbestimmt aus dem Leben scheiden zu können. Für Frauen ist es vielleicht natürlicher, in Würde und sanft aus dem Leben zu gehen und die Angehörigen nach dem Suizid nicht mit einer blutigen zerstörten Körper zu traumatisieren
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    M.E. sollte Jeder in einer freiheitlichen Gesellschaft frei von Behördenschikanen über sein Leben oder seinen eigenen Tod entscheiden können, bar und selbstbestimmt das Ende selber bei Krankheit herbeiführen können. Das ist immer noch humaner,als bei einem Todgeweihten auf Intensivstation liegend, monatelang den Ärzten Profite liefernd, im Dämmerungsschlaf dahinvegetierend, die Angehörigen in unerträglicher Weise an einem künstlich lang hinaus gezogenen Ende leiden zu lassen!
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