Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Bund weist massiv mehr Eritreer weg

Kein Asyl und zurück nach Eritrea: Der Bund hat im letzten Jahr 230 eritreische Asylbewerber aus der Schweiz weggewiesen. Massiv mehr als in den Vorjahren. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe kritisiert, das sei eine Verschärfung.

Legende: Video Nicht alle Eritreer dürfen in der Schweiz bleiben abspielen. Laufzeit 06:46 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.01.2016.

«Ich bin total am Boden zerstört», erzählt die eritreische Asylbewerberin Merhauit der «Rundschau». Sie habe grosse Angst vor einer Rückkehr nach Eritrea. «Ich befürchte, dass ich im Gefängnis lande oder sonst irgendwo weggesperrt werde», sagt die junge Frau. Sie hat einen negativen Asylentscheid erhalten. Der Bund will ihr auch keine vorläufige Aufnahme gewähren, wie sie die meisten Eritreer erhalten. Für Merhauit sei eine Rückkehr nach Eritrea «nicht unzumutbar», so der Asylentscheid, der der «Rundschau» vorliegt.

Sommaruga sprach sich gegen Rückführungen aus

Laut Stefan Frey von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Solche Fälle würden zunehmen, weil der Bund strenger geworden sei: «Wir gehen davon aus, dass das Staatsekretariat für Migration (SEM) den Ermessenspielraum bei solchen Fällen eher zu Ungunsten der eritreischen Asylbewerber auslegt», sagt Frey.

Eine Frau mit Kapuze sitzend an einem Fluss.
Legende: Der 30 jährige Merhauit aus Eritrea droht die Wegweisung. SRF

Das erstaunt: Noch im Sommer hatte Bundesrätin Simonetta Sommaruga gegenüber den Medien erklärt: «Klar ist, dass man Menschen nicht nach Eritrea zurückschicken kann.» Es handle sich dort um eine Diktatur.

Doch jetzt erhalten immer mehr Eritreer einen Wegweisungsentscheid und müssen zurück in ihre alte Heimat.

230 Fälle: ein neuer Höchststand

2015 hat das SEM bei 230 Asylbewerbern aus Eritrea eine Wegweisung verfügt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das eine deutliche Zunahme: 2014 haben 149 Asylbewerber einen solchen Bescheid erhalten. 2013 waren es 68 und 2012 sogar nur 24 Fälle.

Legende:
Wegweisung von Eritreern SEM

«Dass diese Zahlen angestiegen sind, hat schlicht damit zu tun, dass wir mehr Gesuche erhalten und mehr bearbeitet haben», erklärt SEM-Sprecherin Lea Wertheimer. «Wir haben unsere Praxis gegenüber Eritreern nicht verändert», widerspricht Wertheimer der Flüchtlingshilfe. Aber wenn jemand keiner Gefährdung ausgesetzt sei, dann müsse er die Schweiz verlassen. Auch nach Eritrea.

Keine Zwangsausschaffungen

Weil Eritrea nicht kooperiert sind keine Zwangsausschaffungen in das ostafrikanische Land möglich. Die abgewiesenen Asylbewerber können also nicht mit Zwang zurückgeführt werden. Sie haben aber auch kein Bleiberecht in der Schweiz: «Das Gesetz ist ganz klar, sie müssen die Schweiz verlassen», betont SEM-Sprecherin Lea Wertheier. Würden sie in der Schweiz bleiben, hätten sie nur Anrecht auf Nothilfe.

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe kritisiert diese Praxis. Diese Politik führe dazu, dass vielen nur noch ein Leben in der Illegalität bleibe oder die Flucht ins Ausland. «Dann exportiert die Schweiz das Problem einfach», so Stefan Frey.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

92 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News(SRF)
    Liebe Leserinnen und Leser, leider sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion zu diesem Artikel zu schliessen. Dies aufgrund der hohen Anzahl der Kommentare, der gegenseitigen persönlichen Anfeindungen, der Nichtbeachtung der Netiquette sowie der sich wiederholenden Argumente. Selbstverständlich halten wir Sie auf srf.ch/news weiterhin über die Geschehnisse auf dem Laufenden. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Die Redaktion.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Die Dänen waren dort und haben u.a. die fünf in Asmara/Eritrea lebenden westlichen Botschafter (D, GB, F, I, EU) interviewt. Der Bericht ist öffentlich zu lesen unter: „Eritrea – Drivers and Root Causes of Emigration", besonders interessant über die "Fluchtgründe" sind die Seiten 39 bis 54. Auch NGO's vor Ort wie Suke, Medcare Eritrea, Archemed, Aktionregen beschreiben auf ihren Homepages die Situation ganz anders wie die "Verfolgten". Warum eröffnet die Schweiz keine Botschaft in Eritrea?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Johannes Schwärzel (Joe Black)
    Personen die etwas Geld haben (meistens durch Verwandtschaft) können in Länder fliehen wo ein neues Leben möglich ist und so auch die geliehenen Gelder zurückbezahlt werden können. Das ist nur vernünftig und fair. Das hat nichts mit "Asylmissbrauch" zu tun.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Dann lesen Sie mal das Asylgesetz, Art. 3: Flüchtlingsbegriff. Dieser Artikel schliesst wirtschaftliche Gründe eindeutig aus. Demnach sind solche Fälle ganz klar als Asylmissbrauch zu qualifizieren. Ausserdem stellen Sie sich vor, was die Summe von mehreren Tausend Dollars, was die Familie einer Person gibt, für das Überleben der Familie bedeuten würde. Warum bietet die Verwandtschaft keinen Schutz dem "Flüchtling"? Wenn alle in Gefahr sind, warum flüchtet nur einer? Lauter Widersprüche also...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Johannes Schwärzel (Joe Black)
      Dem ist nicht so. Die Eritreer sind kaum Wirtschaftsflüchtlinge. Die Versorgungslage ist ausserhalb der politischen Gegebenheiten gar nicht so schlecht. Das Geld reicht meistens nur für einen aus der Verwandtschaft.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen