150 Namen auf der Liste Bundesratskandidat Maudet erhält Rückendeckung aus Genf

In seinem Heimatkanton hat sich ein überparteiliches Unterstützungskomitee gebildet. Ist das der Schlüssel zum Wahlsieg?

Das Rennen um den frei werdenden Bundesratssitz geht nächste Woche mit der Anhörung der drei Kandidaten Ignazio Cassis, Isabelle Moret und Pierre Maudet weiter. In der Waadt unterstützt die FDP offiziell ihre Kandidatin Isabelle Moret.

Die FDP Genf steht geschlossen hinter ihrem Kandidaten Pierre Maudet, und auch Politiker anderer Parteien ziehen Maudet öffentlich den anderen Kandidaten vor. 150 Namen umfasst das Unterstützungskomitee für ihn. Es sind mehrheitlich Genfer Gemeindepolitikerinnen und Politiker aller Parteien und FDP-Mitglieder.

Die gewichtigsten Namen aus anderer Parteien sind die beiden SP-Nationalräte Carlo Sommaruga und Manuel Tornare. Tornare betont, dass nicht die Tatsache, dass Maudet Genfer sei ausschlaggebend gewesen sei, ihn öffentlich zu unterstützen: «Aber dass er ein Staatsmann ist, der den Service Public verteidigt, ein soziales Gewissen hat und vor allem, dass er nicht von Lobbys bezahlt ist.»

Haltung gegenüber der EU gefällt der SP

Auch in der Europafrage stehe Maudet mit seinem Profil der SP von allen Kandidaten am nächsten. Tornare stellt sich vor, wie Maudet mit Brüssel verhandeln würde: «Jemand wie er, der nicht unbedingt für einen EU-Beitritt ist, aber trotzdem europafreundlich, bietet vielleicht Hand dazu, Lösungen zu finden, die andere im Bundesrat nicht finden können oder nicht finden wollen.»

Diese Haltung Maudets gegenüber der EU stösst bei der SVP auf Kritik. Die SVP Schweiz hat sich offiziell für Ignazio Cassis ausgesprochen und die beiden Genfer SVP-Nationalräte Céline Amaudruz und Yves Nidegger haben Maudet kritisiert.

Präsident des Unterstützungskomitees ist aber ausgerechnet ein SVP-Mann, der Genfer Grossratspräsident Eric Leyvrat. Er sieht es als seine Pflicht, den Genfer Kandidaten zu unterstützen und betont, dass der Anspruch Genfs auf einen Bundesratssitz berechtigt sei, da Genf noch nicht viele Bundesräte stellte und nach Zürich im Finanzausgleich immerhin der zweitgrösste Geberkanton sei.

«Genf hatte in der Geschichte nicht viele Bundesräte», sagt Leyvrat. «Genf ist ein wichtiger Kanton, einer von wenigen Geberkantonen im Finanzausgleich, der zweitgrösste Geberkanton. Wir haben auch unser Wörtchen mitzureden.» Fünf Bundesräte stammten bisher aus Genf. Die Genfer FDP war zuletzt vor 100 Jahren im Bundesrat vertreten, der Kanton zuletzt mit Micheline Calmy-Rey.

Wenige aus Bundesversammlung im Komitee

Ähnlich wie Maudet war auch Calmy-Rey in der Deutschschweiz noch wenig bekannt, als sie vor 15 Jahren als Genfer Finanzministerin Bundesratskandidatin wurde. Auch sie hatte damals ein Unterstützungskomitee hinter sich. Davon wurde Maudets Entourage offenbar inspiriert. Zwar war das Komitee von Calmy-Rey nur etwa halb so gross wie dasjenige von Pierre Maudet, dafür waren mehr National- und Ständeräte dabei, die sie dann auch tatsächlich wählen konnten.

Das ist Maudets Unterstützungskomitee nicht gelungen. Ein weiterer gewichtiger Name fehlt auf der Liste der offiziellen Unterstützer Maudets: Alt Bundesrat Pascal Couchepin. Er gilt seit Jahren als dessen Förderer. Angesprochen auf die verschiedenen Ansprüche – Tessin, Frau, jung – gibt er sich diplomatisch: «Das Tessin ist ein sympathischer Kanton und wichtiger Bestandteil der Schweiz.»

Begeisterung für Maudet beim Alt Bundesrat

Die Schweiz wäre ohne die Italienischsprachigen ebenso wenig die Schweiz wie ohne die Französischsprachigen, so Couchepin. «Die Deutschsprachigen sind sich dieses Aspektes bewusst, aber sie sind auch sensibel bezüglich der Geschlechterfrage und empfänglich für Maudets Dynamik und Intelligenz.»

Die Begeisterung für Maudet ist unüberhörbar. Und Couchepin fügt an, dass es nicht das erste Mal wäre, dass Maudet nicht als Favorit in ein Rennen geht und dennoch gewählt wird. Maudet ist auf jeden Fall der umtriebigste Kandidat, der nun auch ein offizielles Komitee in seinem Rücken hat. Die Entscheidung, wer in den Bundesrat einzieht, fällt das Bundesparlament am 20. September.

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