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Bundesratswahlen 2015 Prüfer halten ihre Favoriten geheim

Die SVP-Bundesratskandidaten Norman Gobbi, Thomas Aeschi und Guy-Parmelin haben sich heute den Fraktionen gestellt. Die Prüfer klatschten höflich, hielten sich aber nach den Hearings erwartungsgemäss bedeckt, ob sie bereits einen Favoriten haben. Ein Stimmungsbericht nach dem Blitzlichtgewitter.

Legende: Video «Leuenberger und Steinegger zur Bedeutung der Hearings» abspielen. Laufzeit 2:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.12.2015.

Guy Parmelin, Norman Gobbi und Thomas Aeschi – alle kamen im typischen Business-Anzug und, unsichtbar, mit einem für Politiker etwas untypisch dünneren Nervenkostüm als sonst. Denn auch wer sich gut vorbereitet, hat keine Garantie für ein gutes Gelingen, weiss Thomas Aeschi: «Selbstverständlich hat man sich gewisse Fragen gestellt und überlegt, was kommen könnte. Aber am Schluss ist natürlich alles offen.»

Der Zuger Thomas Aeschi.
Legende: Der Zuger Thomas Aeschi – zu wenig unabhängig und zu wenig Erfahrung? Keystone

Alle mussten sie in die Fraktionszimmer der andern Parteien, der BDP, der GLP, der FDP, der CVP. Sie beantworteten viele Fragen, darunter viele absehbare. Etwa jene nach dem Verhältnis zu den Menschenrechten, zum Völkerrecht und zum Grundrecht auf Asyl. Entsprechend war der Eindruck bei allen: Es ist gut gegangen.

Wer sind die Favoriten?

Dass ein Kandidat in den Hearings viel schlechter abgeschnitten haben könnte als die anderen, davon ist heute nichts zu hören. Einzig, dass Guy Parmelin von der FDP mit weniger kritischen Fragen konfrontiert wurde. Aber daraus lässt sich noch nicht schliessen, dass er bei den Freisinnigen zu den Favoriten gehört.

Der Waadtländer Guy Parmelin.
Legende: Der Waadtländer Guy Parmelin – verträgt es einen dritten Romand in der Landesregierung? Keystone

Denn einen Favoriten wollte oder konnte FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis heute nicht vermelden: «Wir möchten uns heute nicht auf einen Namen festlegen. Im Wissen darüber, dass in den nächsten acht Tagen noch Dinge passieren und noch neue Informationen kommen können.»

SP zieht nächste Woche nach

Am nächsten Dienstag will auch die SP die offiziellen SVP-Kandidaten anhören. Die Radikalisierung der SVP mache diese Prüfung unumgänglich, schreibt sie. Die SP werde alle drei anhören, einen Favoriten gebe es nicht, unterstreicht auch Fraktionschef Roger Nordmann: «Es ist noch völlig offen.»

Und auch die CVP will sich noch nicht äussern. Nur so viel verrät sie: Unter den SVP-Kandidaten gebe es «wählbare» Kandidaten. Und die Partei ärgert sich darüber, dass die SVP einen gewählten, aber nicht offiziellen SVP-Bundesrat aus der Partei ausschliessen würde.

Ob die CVP aufgrund dieser Kritik einen anderen als einen offiziellen SVP-Kandidaten wählen wird, lässt Fraktionschef Filippo Lombardi offen: «Diese Frage wurde nicht diskutiert. Wir werden unseren Entscheid in einer Woche treffen.»

Der Tessiner Norman Gobbi.
Legende: Der Tessiner Norman Gobbi – polarisiert der Lega-Mann zu stark? Keystone

Alles bleibt also offen bis zur entscheidenden Bundesratswhal in einer Woche. Einen Trost hat Kandidat Aeschi in der Wartezeit. Am Schluss sei applaudiert worden, berichtet er. Von dem her habe er ein gutes Gefühl. Der Applaus darf aber nicht überbewertet werden, denn geklatscht wurde – ob aus Überzeugung oder Höflichkeit – bei jedem.

«Ich verstehe Englisch, aber...»

Und hinter verschlossenen Türen wurde auch gelacht. Dann etwa, wenn die drei Englisch sprechen mussten. Mit dem Verstehen sei das kein Problem, nur mit dem Argumentieren, schmunzelte Parmelin: «Ich verstehe Englisch, aber ich ziehe es vor, auf Französisch zu antworten, weil es präziser und auch einfacher für mich ist.

Von wegen Frühfranzösisch – auf alles kann man sich auch bei Hearings nicht vorbereiten.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Luc Rioult (JLR)
    Das Vorschlagsrecht der Partei kann die Wahlfreiheit der Bundesversammlung nicht schmälern. Statt der wenig überzeugenden Dreierkandidaten könnte die Bundesversammlung einen der Hauptexponenten der SVP wählen (Toni Brunner, Amstutz). Dann wird's spannend... Bei Nichtannahme der Wahl gefährdet der Gewählte den 3. SVP-Sitz im Bundesrat, denn die Bundesversammlung wird kaum auf die Dreierkandidaten zurück kommen. Und wenn die Partei einen ihrer Haupexponenten ausschließt, schießt sie ein Eigengoal.
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  • Kommentar von Tobias Hofer (Tobias Hofer)
    Die SP hat den ernst der Lage in Sachen SVP richtig erkannt. Das klare Bekenntnis zur Regierungsverantwortung ohne erneute Opositions-Androhung, das Aufstellen von drei gemässigten Kandidaten statt "Blocher oder Keinen", das Ausbleiben von provokativen Forderungen nach dem fulminanten Wahlerfolg. Alles überdeutliche Anzeichen für eine gefährliche Radikalisierung der SVP! - Also ernshaft mal, können die Sozialdemokraten sich sellbst überhaupt noch ernst nehmen?
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    1. Antwort von Henri Jendly (Henri Jendly)
      jedenfalls eher als derartige Kommentare!
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Prüfer halten ihre Favoriten geheim". Medien müssen ja auch nicht immer und überall dabei sein. Der Titel suggeriert quasi, dass da was Geheimes abgeht. Gopferdeckel, Leute in irgendwelchen Gremien sollen doch auch mal ohne Medien was sagen können. Sonst soll man doch gleich überall eine Webcam einbauen.... Die Berichterstattung nach der Titelzeile ist besser. Aber ich habe eh schon längere Zeit eher Mühe mit eher boulevard-mässigen Titeln auf dem SRF-Newsportal.
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    1. Antwort von Henri Jendly (Henri Jendly)
      Sie verwechseln da etwas: Blut, Tränen und Sperma - das ist Boulevard. Alles andere nicht. Sie sollten Sie mal mit den Medien und deren Politik auseinandersetzen. Da würden Sie den Unterschied merken.
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