Zum Inhalt springen

Cassis nach knapp 100 Tagen Didaktischer Auftritt mit farbigen Figuren und altem Inhalt

Aussenminister Ignazio Cassis nimmt grosse rote Würfel in die Hand. Erklärt, dass sie fünf Abkommen mit der EU symbolisieren und warum sie für die Schweiz nützlich seien. Dann legt er eine blaue Kugel auf die aufgereihten Würfel: Die Kugel steht für ein Rahmenabkommen mit der EU, das «kein Ziel, sondern ein Mittel» sei, um die anderen Abkommen funktionieren zu lassen. Später nimmt der Bundesrat weitere farbige Formen dazu, einen violetten Stern, eine grüne Pyramide, Symbole für weitere Themen, welche die Schweiz mit der EU regeln könnte. Wenn sie denn will.

Cassis' neues Mantra

So sieht es also aus, wenn der neue Aussenminister sein neues Mantra vorlebt: Aussenpolitik ist Innenpolitik. Denn in diesem Land entscheidet am Schluss das Volk. Will man es überzeugen, muss man den Kontakt suchen und erklären. Aussenpolitik ist kein Selbstzweck, sondern dient den Interessen des Landes.

Das hat Cassis während seinen ersten knapp 100 Tagen bereits den vielen kleinen und grossen Königen in seinem Departement eingetrichtert, wie man hinter den Kulissen hört. Und das wiederholte er heute öffentlich. Bewusst nicht in Bern, sondern im Tessin. In seiner Heimat, die sich so skeptisch zeigt gegenüber all den Grenzgängern aus dem grossen Italien. Nicht im Medienzentrum, sondern an einem öffentlichen Ort. An der Universität in Lugano, wo neben den Medien auch Studierende aus 100 Ländern zuhören können.

Auftritt tat niemandem weh

Cassis als Lehrer: Lektion 1 ist auf den ersten Blick aussergewöhnlich farbig-frisch ausgefallen. Der neue Aussenminister war sich nicht zu schade, Würfel und Sterne auch mal auf den Boden fallen zu lassen oder die sorgsam aufgeschichteten Formen ganz wegzuwischen, um chaotische Phasen zu illustrieren.

Und auf den zweiten Blick? Da kam nichts Neues. Alter Wein in neuen Schläuchen – beziehungsweise Würfeln. Ein harmloser Auftritt, der niemandem weh tut. Sicher kein schlechter Anfang, wenn stimmt, was Cassis im Sommer auffiel: Alle hätten über Aussenpolitik geredet, aber kaum jemand gewusst, worüber man eigentlich spreche.

Ausgerechnet die blaue Kugel fiel zu Boden

Nur: Die schwierigen Lektionen, die kommen erst. Wie als Symbol für die kommenden Auseinandersetzungen fiel bei der Vorführung ausgerechnet die blaue Kugel zu Boden - das Symbol für das Rahmenabkommen. Diskutiert werden wird: Was genau soll denn drin stecken? Wie viel wirtschaftlicher Nutzen, wie viel Demokratieabbau?

Den Inhalt der nächsten Lektionen kennt noch nicht mal Cassis. Denn das Gremium Bundesrat muss sich zuerst über den Lehrplan einigen. Wie schwierig das ist, zeigte die Kakophonie der einzelnen Bundesräte letzte Woche. Allen voran fuhr Cassis selber einen Slalomkurs zwischen «vorwärts» machen und «keine Eile». Das passte schlecht zu seinem Mantra «Aussenpolitik ist Innenpolitik.» Vielleicht hatte er da ja auch einfach den Reset-Knopf für die Kommunikation noch nicht gefunden.

Nathalie Christen

Nathalie Christen

Nathalie Christen ist Korrespondentin im Bundeshaus für Fernsehen SRF. Sie arbeitet seit 2002 für SRF. Unter anderem leitete sie die Bundeshausredaktion von Radio SRF und war Produzentin bei der "Arena". Zuvor war sie Bundeshausredaktorin bei "SonntagsBlick".

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Die Gesichter wechseln, das System bleibt.. oder Neuer Wein in alten Flaschen.... Zu erwarten dass ein Mann das ganze EU Schlamasel aendern kann ist ein Wunschdenken... Da braucht es die ganze Mannschaft und den kollektiven Willen dazu.. bis es soweit ist bleibt Schoenfaerberei..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Dabei wäre es ein ganz kleines Ding, der EU verständlich zu machen, wie es bei uns läuft:" Bei uns hat das Volk das letzte Wort zum Rahmenabkommen & wie es ausschaut, will das Volk das Rahmenabkommen nicht. Punkt." Wenn unsere Räte schon Zugeständnisse an die EU gemacht haben, ist das am Volk vorbei bestimmt, den Volkswillen einfach ausgehebelt & ignoriert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    NEIN, die Antwort ist NEIN. Wie brauchen EU Krämerseele nicht. Rahmenvertrag = NoGo !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Erinnert mich irgendwie an den rührigen Auftritt von Herrn Altbundesrat Ogi mit seinem Eierkocher. Jedenfalls denke ich, ist es gefährlich, das Volk zu unterschätzen. Viele begreifen vielleicht die Zusammenhänge besser als diejenigen, die mit farbigen Objekten und Eierkochern versuchen, etwas zu simpel darzustellen. Immerhin besser, als die Grossspekulanten, die versuchten mit Hilfe einer guten aber komplexen Technolgie (Blockchain, Kryptografie), heisse Luft in Form des Bitcoins zu verkaufen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Und als BR U. Maurer betr. Abstimmung für den Gripen mit einem Schweizer-Chalet, die Schweiz mit fehlender Luftwaffe, welche das Dach dieses Chalet darstellte, wurde er von den Gegnern dafür ausgelacht. Vermisse jetzt hier diese "Auslacher" von damals. Oder goutieren diese jetzt, dass man den dummen Stimmvolk anhand von Bauklötzen dieses Rahmenabkommen erklären muss, weil es dieses sonst nicht kapiert?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen