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«Das private Umfeld ist eine wichtige Übertragungsquelle»
Aus Rendez-vous vom 12.10.2020.
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Coronazahlen in der Schweiz Epidemiologe Tanner: «Waldweihnacht vielleicht als Alternative»

Für das Wochenende meldet das BAG 4068 neu gemeldete Infektionen, auch die Spitaleinweisungen steigen wieder – allerdings auf tiefem Niveau. Epidemiologe Marcel Tanner sagt, was es nun aus seiner Sicht braucht, damit die Entwicklung nicht ausser Kontrolle gerät.

Marcel Tanner

Marcel Tanner

Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce

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Marcel Tanner ist emeritierter Epidemiologie-Professor und Mitglied der vom Bundesrat eingesetzten Covid-19-Taskforce.

SRF News: Wie schätzen Sie die Lage ein?

Marcel Tanner: Ja, wir sind alle besorgt ob der steigenden Fallzahlen und auch der Tendenz, dass wir jetzt wieder mehr Hospitalisierungen sehen. Diese Situation zeigt uns, dass wir jetzt noch grössere Anstrengungen machen müssen, um unsere Strategie zu verfolgen. Unsere Strategie ist, dass wir identifizieren, wo Infektionsketten stattfinden. Diese schnell erkennen und dort gezielt handeln.

Diese Grossveranstaltungen haben Schutzkonzepte und wenn diese überprüft und nachgebessert werden, dann ist das sicher der bessere Weg als sie ganz zu verbieten.

Viele fragen sich: Wo stecken sich die Leute eigentlich an?

Das ist sehr schwierig, allgemein so festzuhalten. Aber es ist sicher so, dass das private Umfeld, das grössere Umfeld eine wichtige Übertragungsquelle ist. Das hängt damit zusammen, dass wir alle auch in anderen Bereichen – ob es bei der Arbeit oder in der Freizeit ist –, ein bisschen lockerer damit umgehen, etwas ermüdet sind. Die Grundmassnahmen sind Hygiene und Distanz. Das ist das Entscheidende, das uns ja auch nach dem Lockdown geholfen hat, über lange Zeit die Infektionszahlen tief zu halten.

Viele Leute fragen sich im Moment: Braucht es diese Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen?

Es ist sicher richtig, dass man diese Öffnung gemacht hat, obwohl es in der gegenwärtigen Situation sportlich ist. Aber, und das konnte man sehen, diese Veranstaltungen haben Schutzkonzepte und wenn diese überprüft und nachgebessert werden, dann ist das sicher der bessere Weg als sie ganz zu verbieten. Denn so können wir auch Zuversicht geben, dass wir es können. Wir können es, wenn wir uns konsequent und rigoros an diese Massnahmen halten.

Es ist es durchaus möglich mit Distanz und Hygiene und ohne dass wir uns stundenlang umarmen, Weihnachten zu feiern.

Spielen wir ein Beispiel ganz konkret durch: Weihnachten naht und viele überlegen sich, ob sie ein Weihnachtsfest wie sonst machen sollen.

Sicher ist es möglich, ein Fest zu veranstalten, wenn man überlegt, in welchem Raum und in welchem Rahmen. Es ist es durchaus möglich mit Distanz und Hygiene und ohne dass wir uns stundenlang umarmen, Weihnachten zu feiern. Wenn wir drin sind, sollte regelmässig gelüftet werden. Vielleicht wäre auch eine Waldweihnacht, wie man das bei den Pfadfindern macht, eine Alternative.

Jeder Kanton macht zurzeit ein bisschen etwas anderes. Ist das so für Sie okay?

Unsere Strategie ist, dass man die Aktionen auf die Risikolage in den verschiedenen Gebieten unseres Landes zuschneiden kann. Wenn die Kantone sich nicht nur gegenseitig abschauen, sondern ihre Massnahmen der Risikosituation anpassen, ist das sicher der bessere Weg, als die gleichen Massnahmen, die dann zum Teil unverhältnismässig erscheinen, durchzuziehen. Wenn man gezielt eingreifen und nicht flächendeckend etwas verordnen will, dann ist das sicher eine gute Massnahme, die zum Erfolg beitragen kann.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

Wie feiern Sie dieses Jahr Weihnachten? Sagen Sie es uns in den Kommentaren.

Video
Contact-Tracing am Anschlag
Aus Tagesschau vom 11.10.2020.
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Rendez-vous vom 12.10.2020;

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66 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    u dae das Gschtungg im Wald......
  • Kommentar von Marco Venegoni  (Marco Venegoni)
    Von den Besorgten hört man die ganze Zeit: Die Fallzahlen schnellen hoch, jetzt kommt's dann, morgen geht die Welt unter. Worte wie Vertrauen, Mut oder Zuversicht könnte man doch auch gelegentlich verwenden. Und jetzt mal ehrlich: Wenn ich vielleicht meine Stelle verliere, der Staat ungeniert in meine Stube hereinschneuggen und mich tracen tut, ich meine Lieben nicht mehr umarmen kann, nirgendswo mehr in die Ferien kann und sowieso nichts mehr wird wie früher: Wozu soll ich dann gesund bleiben?
  • Kommentar von Michael Mauerhofer  (mmhofer)
    Das passt zum Slogan des BAG "Das Coronavirus ist noch da".

    Richtiger wäre wohl:
    1) DIE Covid19-Viren (da etliche Mutationen weltweit, nebst allen anderen Coronaviren).
    2) DAS Coronavirus (das es einzeln eh nicht gibt) ist noch da .. und wird auch nie verschwinden.

    Ich stelle vermehrt fest, dass Zuflucht zu einfachen, griffigen Lösungen, Formulierungen gesucht wird, wohl in der Hoffnung, komplexe Sachverhalte liessen sich davon ebenso wie wir beeindrucken //-: