Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Couchepin: Zuerst Rentenalter erhöhen, dann Mehrwertsteuer

Die Reform der Altersvorsorge ist ein hartes Pflaster. Das weiss Pascal Couchepin aus seiner Zeit als Sozialminister. Die Strategie seines Nachfolgers beurteilt der alt Bundesrat im SRF-Interview vorsichtig optimistisch. Er begrüsst die Erhöhung des Rentenalters als ersten Schritt.

Altersvorsorge 2020 heisst heute, was als 11. AHV-Revision seit dem Jahr 2000 nicht vom Fleck kommt. Mit der letzten substantiellen AHV-Revision wurde das Frauenrentenalter von 62 auf 64 erhöht. Das war 1997. Seither scheiterten alle Anpassungsversuche. Fragen an den früheren Sozialminister Pascal Couchepin.

SRF: Wie ist die Reformblockade zur erklären, die sie während ihrer Amtstätigkeit und nun die letzten fünf Jahre als Pensionierter begleitet?

Immerhin gibt es einige Änderungen, die zwar nicht entscheidend sind, aber immer noch ein wenig wichtig sind. So habe ich zu meiner Zeit das Minimalalter für den Leistungsbezug aus der Zweiten Säule auf 68 Jahre erhöht. Hier kann man noch weitergehen, wenn man will. Zweitens gab es den flexiblen Zins für die Zweite Säule. Das ist nicht viel, aber es war ein kleiner Fortschritt. Es genügt allerdings nicht und Berset hat recht, wenn er nun eine Gesamtschau erstellt. Ob das Parlament mitmacht, ist nicht sicher.

Sie haben beides probiert, sowohl Reformhäppchen wie auch Reformbrocken. Ist der grosse Versuch Bersets jetzt besser als kleine Schritte?

Man muss es nüchtern sehen. Es ist nicht eine grosse Reform. Es ist eine notwendige Reform von zeitlich beschränkter Tragweite. Im Parlament wird es wahrscheinlich wieder verzettelt, aber das ist etwas Anderes.

Aber woran liegt es, dass es einen so unglaublich langen Atem braucht?

Alt Bundesrat Pascal Couchepin
Legende: Alt Bundesrat Pascal Couchepin: «Die Erkenntnis wächst, dass eine Reform der Altersvorsorge nötig ist.» Keystone/Archiv

Es liegt an der Sache selbst. Die Menschen brauchen Zeit, um zu merken, dass es eine Reform der Altersvorsorge braucht. Allmählich setzt sich diese Erkenntnis durch. Aber es braucht noch Zeit, und vielleicht wird auch ein Teil der Reform Bersets scheitern.

Ich mache die Prognose: Man kann zuerst eine Erhöhung des Ruhestandalters von Frauen und vielleicht auch der Männer versuchen. Dann wird wahrscheinlich das Volk bei einem zusätzlichen Mehrwertsteuerpunkt mitmachen. Wenn man aber zuerst bei der Mehrwertsteuer ansetzt, wird es nicht gelingen.

Es braucht also noch Zeit. Muss denn das Loch in der Kasse da sein, damit man den Bedarf anerkennt?

Ja. So ist es. Weil wir einige Male zwar nicht falsche, aber unrichtige Prognosen gemacht haben. So gab es die grosse Immigration und damit zusätzliche Personen, die die Sozialbeiträge bezahlt haben.

Zur Erhöhung des Rentenalters: Sie wurden 2009 mit 67 Jahren pensioniert. Sind solche Posten nicht rar, die bis in dieses Alter gesichert sind.

Es ist nicht so eng, wie Sie behaupten. Heute arbeiten 30 Prozent der Leute im Ruhestand und verdienen mehr als 12‘000 Franken pro Jahr. Es ist zudem eine Tatsache, dass die Menschen länger leben. Ehemals blieben ab Beginn des AHV-Alters noch etwa sieben Jahre, jetzt sind es mindestens 17 Jahre. Wie bezahlt man die zusätzlichen zehn Jahre? So lautet also die Frage.

Das Interview führte Simone Fatzer.

Legende:
Lebenserwartung in der Schweiz Die X-Achse liegt bei 65 – dem aktuellen Rentenalter der Männer Bundesamt für Statistik

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Wenn Herr Couchepin zu irgendwas eine "dezidierte" Meinung hat,so kann er diese,wie alle anderen"normalen Bürger" auch,hier in den Kommentarspalten kundtun.Immerhin bezieht er(neben anderen Entschädigungen)eine konfortable Rente auf Kosten der Steuerzahler.Somit muss ihm nicht auch noch eine Platform in einem öffentlichen Medium, für seine " persönlichen Meinungen und Ratschläge" gewährt(bezahlt) werden.Jene die zu ihrem"Glück" "Vorbeter" brauchen,können in die Kirchen.Die anderen denken selbst.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Der damalige "Chefhasser" seines Bundesratskollegen Christoph Blocher, kann es nicht lassen: Er muss auch im Rentner- und Pensionsalter immer noch seine "Belehrungen" und Hinweise medial verbreiten! Nun, das ist sein demokratisches Recht, auch als ehemaliger Bundesrat seine Meinungsäusserung frei zu benützen! Sollte die 5%-Partei-Bundesrätin (doch endlich) durch eine berechtigte Sitzverteilung ersetzt werden, wird auch die Bündnerin weiterhin bei den Medien "Liebkind" bleiben und verhätschelt!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Laura Salis, Kilchberg
    Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen hätten wir dieses "Gschtürm" nicht. Viele Beamtenstellen könnten damit gespart werden und entwürdigende Gänge zu den EL - Ämtern würden den betroffenen Bürgern erspart bleiben. Jeder könnte sich frei mit seinem Grundeinkommen arrangieren, egal ob Single od. Ehepaar. Das Grundeinkommen käme kaum teuerer als das jetzige System.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen