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Halbjahresbilanz des SEM Deshalb sind die Asylzahlen rückläufig

Die Asylzahlen gehen zurück. Die Gründe dafür liegen vor allem in Italien.

Legende: Audio Asylbewerber bleiben in Italien abspielen. Laufzeit 1:53 Minuten.
1:53 min, aus HeuteMorgen vom 20.07.2017.

Nicht nur die Asylzahlen sind so tief wie seit sieben Jahren nicht mehr. Es wollen neuerdings auch weniger Migranten in die Schweiz einreisen oder durch das Land reisen. Im Juni 2017 haben die Grenzwächter im Tessin noch halb so viele Migranten gestoppt wie im Juni vor einem Jahr.

Die Behörden führen diese Entwicklung gerne auf eigene Massnahmen zurück. Beispielsweise auf abschreckend schnelle Verfahren für Menschen mit wenig Chance auf Asyl.

Neue Asylgesuche

Diaspora hat grossen Einfluss

Migrationsexperte Christopher Hein aber sieht andere gewichtige Gründe für den Rückgang. Hein ist Dozent für Migrationspolitik in Rom. Er leitete lange Jahre den italienischen Flüchtlingsrat. Er sagt, die Migration übers Mittelmeer habe sich verändert.

Die überwiegende Zahl kommt aus westafrikanischen Ländern oder aus Bangladesch. Sie haben wenige Beziehungen in anderen europäischen Ländern und stellen deshalb hier in Italien einen Asylantrag.
Autor: Christopher HeinAsylexperte

Bis vor kurzem seien zum Beispiel viele Eritreer gekommen – Menschen also, die Beziehungen in die Schweiz oder nach Deutschland hätten. Heute sei das anders: «Die überwiegende Zahl kommt aus westafrikanischen Ländern oder aus Bangladesch. Sie haben wenige Beziehungen in anderen europäischen Ländern und stellen deshalb hier in Italien einen Asylantrag», sagt Hein.

Viele Gastarbeiter aus Drittstaaten

Viele Gastarbeiter aus Drittstaaten
Die Zunahme der Asylanträge von Bangladeschern in Italien geht zum grossen Teil auf Menschen zurück, die bereits ausserhalb ihres Heimatlandes arbeiteten. Und zwar als Gastarbeiter in Libyen oder in den Golfstaaten. Dies sagt Sarat Dash von der Internationalen Organisation für Migration. Viele Gastarbeiter zögen weiter, weil der Bausektor im Golf unter dem tiefen Ölpreis leide oder die Sicherheitslage in Libyen immer prekärer werde: «Die Menschen ziehen dorthin, wo es bereits Bangladescher gibt, nach Italien zum Beispiel.»

Entlastung für die Schweiz, Belastung für Italien

Zudem registriere Italien inzwischen fast alle Migranten, die übers Mittelmeer kämen. Das mache eine Weiterreise in die Schweiz, nach Deutschland oder Schweden unattraktiver, weil dort die Rückschaffung nach Italien drohe.

Mittlerweile stellen etwa Dreiviertel von allen, die übers Meer ankommen, in Italien einen Asylantrag.
Autor: Christopher HeinMigrationsexperte

Immer mehr Migranten würden deshalb bleiben statt weiterreisen. «Mittlerweile stellen etwa Dreiviertel von allen, die übers Meer ankommen, in Italien einen Asylantrag», so Hein. Vor drei Jahren sei es erst etwa ein Drittel gewesen.

Die neue Entwicklung entlastet die Schweizer Behörden. Die rekordhohe und dramatisch gefährliche Migration übers Mittelmeer führt hierzulande nicht zu höheren Migrationszahlen. Die Belastung für Italien hingegen steigt weiter.

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Asyl auf einen Blick

Die Übersicht zeigt die wichtigsten Fakten und Entwicklungen des Asylwesens in Grafiken. Ohne Verzerrung und monatlich aktualisiert kann man sehen, wie sich die Asylgesuche entwickelt haben, woher die Geflüchteten stammen und wer welche Chancen hat, in der Schweiz als Flüchtling anerkannt zu werden.

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124 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Bach (TBach)
    Ich frage mich wo sind Linke Parteien bereit einen Beitrag zu leisten. Sind Linke bereit die uferlose Subventionen für erneuerbare Energien etwas zu verkleinern für die Flüchtlinge oder ihren Spesen- Oder Bürokratieapparat zu mässigen um mehr Geld für die Flüchtlinge zu haben. Linke Demagogen kommen dann zwar wieder mit wirren Anschuldigungen weil die linke Partei ein Denkverbot erlassen hat. Sonst wüssten Sie auch die Flüchtlingshilfe kostet einiges Geld. Da müssten alle entgegenkommen.
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  • Kommentar von P. Schmid (Balance)
    N. Bächler. Hat SRF nicht lobenswerterweise mehr Sachlichkeit gewünscht?Was ihre Kommentare darstellen,ist ein reiner,wilder Rundumschlag ohne erwähnenswerten Inhalt. Einfach mal etwas raushauen,ja nicht sachlich bleiben.Bächler,wenn sie hier schon mitreden wollen,dann aber bitte etwas substanzieller.Ihre Ausführungen sind wirr & haben nicht im Ansatz etwas mit dem Artikel zu tun,sondern sehr wohl mit ihrer persönlichen Befindlichkeit.Diese will ich aber nicht diskutieren. Schade ist es schon.
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  • Kommentar von P. Schmid (Balance)
    Ich bleibe dabei. Hilfe vor Ort, an sämtlichen Konsolaten ermöglichen einen Asylantrag zu stellen. Denn wer nach Europa gelangt kann kaum ein echter Flüchtling sein, warum wandern sie denn sonst durch verschiedene sichere Drittstaaten. Und natürlich ist es eine Kostenfrage. Da können schwerst agerichtete Linke Wutubürger noch so wirre Beiträge verfassen wenn man fragt wo die Linken bereit wären Kosten für die Flüchtlinge einzusparen, selber auf Annehmlichkeiten zu verzichten.
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