«Die Schweiz will wieder Vollmitglied bei Erasmus+ werden»

Die europäischen Unis bleiben für Schweizer Studierende in Reichweite: Die Übergangslösung für das Mobilitätsprogramm Erasmus+ wird um ein Jahr verlängert. Ab 2018 will der Bundesrat allerdings wieder assoziiertes Vollmitglied werden, wie der Projektverantwortliche sagt.

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Erasmus: Im Ausland studieren

Das Erasmus-Austauschprogramm gibt es seit 1987. An dem Programm nehmen alle 28 Mitgliedstaaten der EU und fünf weitere europäische Länder teil. Dies sind Norwegen, Island, Liechtenstein, die Türkei und die Schweiz.

Für Schweizer Studierende ist es auch nächstes Jahr möglich, am Studentenaustauschprogramm Erasmus+ teilzunehmen. Der Bundesrat hat heute bekannt gegeben, dass er die Übergangslösung noch ein Jahr weiterführt.

Die Übergangslösung bedeutet, dass der Bund die Auslagen für die studentische internationale Mobilität in der Bildung selbst übernimmt. Das seien Kosten im Rahmen von 30 bis 35 Millionen Franken, sagt Jérôme Hügli, der Projektverantwortliche für Internationale Bildungszusammenarbeit und Berufsqualifikationen beim Bund. Das Geld stammt aus dem Kredit für Bildungskosten, den das Parlament ursprünglich für eine Vollbeteiligung der Schweiz an Erasmus+ gesprochen hatte.

Vollmitgliedschaft ist das Ziel

Für die Ausgestaltung der Mobilität der Studierenden ab 2018 will der Bundesrat dann die Entwicklungen im Verhältnis Schweiz-EU bis 2017 berücksichtigen. «Anders als bei den Verhandlungen zum Forschungsprogramm Horizon 2020, bei denen die Schweiz nur das Personenfreizügigkeitsabkommen mit Kroatien ratifizieren müsste, um voll assoziiert mitmachen zu können, wurden die Verhandlungen zum Erasmus+-Programm 2014 mittendrin abgebrochen», sagt Hügli.

Die Beratungen müssten wieder aufgenommen werden. Unter welchen Bedingungen die Schweiz wieder assoziiertes Vollmitglied bei Erasmus werden könne, sei noch nicht bekannt. Die Möglichkeit, weiterzuverhandeln, hänge mit dem Stand der Verhandlungen über die Personenfreizügigkeit, der generellen Entwicklung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU zusammen, insbesondere im Bereich der Personenfreizügigkeit, so Hügli.

Aufschrei in der akademischen Schweiz

Nötig wurde eine Übergangslösung 2014, weil das Schweizer Stimmvolk der sogenannten Masseinwanderungsinitaitve zugestimmt hat. Aufgrund der angenommenen Vorlage konnte die Schweiz das Protokoll zur Erweiterung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien nicht unterzeichnen. Als Reaktion wurden die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über das Forschungsprogramm Horizon 2020 und Erasmus+ sistiert.

Ein Aufschrei ging durch die akademische Welt der Schweiz, denn Auslandsemester werden in vielen Studiengängen erwartet. Ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren gehöre mittlerweile zu vielen Ausbildungen, so Hügli. «Doch die beteiligten Partner haben es geschafft, dass das Mobilitätsprogramm seinen Platz in der Bildungslandschaft Schweiz behalten konnte». Nach der Abstimmung gab es bei der Nachfrage in gewissen Bildungsbereichen einen kleinen Einbruch.

Seither haben sich ständig mehr Personen angemeldet und im Studienjahr 2016 haben sogar so Viele Interesse gezeigt wie noch nie. Das zeige, dass die Zielgruppe immer noch vorhanden sei, sagt Hügli.

Erasmus plus ist der Name des erweiterten Programmes, das nicht nur Studierenden, sondern auch Lernenden auf verschiedenen Bildungsstufen ermöglicht, einen Auslandaufenthalt zu absolvieren.

SRF 4 News, 12:00 Uhr; lin; muei