Drohnen über Balkonien

Kleine Drohnen mit Kameras kann sich heute jeder leisten, doch die gesetzlichen Regeln sind nicht allen Piloten bekannt. So kann es zu Konflikten mit Unbeteiligten kommen. Bei den passionierten Drohnen-Piloten ist das nicht gern gesehen. Und in einem Jahr soll ein neues Gesetz zu Drohnen vorliegen.

Neben einem Maisfeld und einer Landwirtschaftsstrasse irgendwo in der Innerschweiz liegt eine Modellflugzeug-Piste. Eine kleine Fluggruppe hat ihre Modellflieger und Drohnen mitgebracht.

Zwei Knaben halten eine Drohnen-Fernsteuerung in der Hand und schauen in die Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Silas und Florian steuern seit vielen Jahren ihre eigenen Drohnen auf dem Flugfeld. SRF / Christine Wanner

Einer der Piloten ist der zehnjährige Silas, ein Routinier, der schon seit sieben Jahren Drohnen fliegt. Die Leidenschaft hat inzwischen auch seinen jüngerer Bruder Florian und Vater Roland Linder gepackt. «Ich bin auch nicht dafür, dass man mit Drohnen in den Wohnquartieren herumsurrt. Lärm hat es schon genug und das Gefahrenpotenzial ist riesig», sagt Linder.

Flug-Kollege Rex Christian ergänzt: «Wenn so ein Propeller wegfliegt, fällt so eine Drohne runter wie ein Stein. Nicht wie ein Modellflugzeug, das noch einigermassen weiterfliegt.»

Faszination Fliegen und Luftbilder

Die Sicherheit ist das eine, die gesetzliche Lage eine andere: Wer nicht auf Sicht fliegt und wer dicht bei Menschengruppen eine Drohne steigen lässt, braucht seit einem Jahr eine Bewilligung. Das andere ist der Schutz der Privatsphäre: Filmen ohne Zustimmung der Gefilmten ist nämlich verboten.

Maschinenbau-Ingenieur Rex Christian hat seine Drohnen selbst gebaut. Ihn fasziniert vor allem das Technische am Drohnenfliegen. Erst danach kommt die Faszination, sich mit Film und Fotos von oben ein Bild von der Welt zu machen.

Drohnen über Balkonien

4:58 min, aus Echo der Zeit vom 02.08.2015

Mit seiner Drohne, ein Quadrokopter mit vier Propellern, macht er Fotos und Filme: «Zum Fliegen ist sie zu langweilig, da nehme ich lieber den Trikopter mit drei Propellern, der ist interessanter zum Fliegen», sagt Christian.

«Als ich meine erste Drohne gebaut habe, war das Leuten vorbehalten, die auch eine Ahnung davon haben. Dass man sich heute eine Drohne mit Kamera einfach kaufen kann, ist für mich eher negativ.»

Anwenderhandbuch für Hobby-Piloten

In der Schweiz gibt es nach Schätzungen über 20‘000 Drohnen. Auch der Schweizer Modellflug-Verband macht sich dazu Gedanken – sie fliessen in einer Arbeitsgruppe zusammen, die der Jurist Markus Dormann leitet. «Wie überall gibt es schwarze Schafe, die sich nicht entsprechend dem Gros verhalten. Das wirft einen Schatten und damit muss man umgehen können.»

Dann etwa, wenn mit privaten Drohnen die Nachbarschaft ausspioniert wird, oder wenn nach Unfällen Rettungs-Helikopter auf der Jagd nach guten Bildern gefährdet werden. Der 37-jährige Jurist will auch jene ansprechen, die nicht in einem Verband sind, sondern die Drohne ohne Vorwissen kaufen und steigen lassen:

Ein pinkfarbener Trikopter mit drei Rotoren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der pinkfarbene Trikopter ist selber gebaut. SRF / Christine Wanner

«Es wird ein an Anwenderhandbuch erarbeitet, in dem alle gesetzlichen Regelungen drin stehen. So soll eine Anlaufstelle geschaffen werden für Drohnenpiloten, vor allem im Hobby-Bereich.» Darin gehe es um die aktuellen Sicherheits- und Datenschutz-Grundlagen, erklärt Dormann.

Drohnen-Gesetz in einem Jahr

Parallel dazu arbeitet der Bund an einem neuen Gesetz für die Drohnen-Fliegerei. Heute haben die Drohnen ihre gesetzliche Heimat bei den Modellflugzeugen. In rund einem Jahr soll ein neues Drohnen-Gesetz vorliegen, sagt Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt.

«Wir vertreten einen risikobasierten Ansatz. Je höher das Risiko wird für andere Luftfahrteilnehmer oder auch Menschen am Boden, desto strenger sind die Anforderungen an den Betrieb oder die Technik einer Drohne», erklärt Holderegger So sollen etwa die grossen, professionellen Drohnensysteme zertifiziert werden und die Piloten brauchen eine Zulassung.

Beim Drohnenpiloten Dormann kommen diese Vorstösse gut an. «Das Problem wurde erkannt, Gefahren können mit dieser Regelung begegnet werden.» Für Silas und Florian hätten diese Gesetzesänderungen aber keinen Einfluss – sie könnten weiter auch ohne Bewilligung mit ihren Kleinstdrohnen fliegen. «Ich habe schon gröbere Abstürze erlebt, aber das ist nicht so schlimm, weil die nicht so schnell kaputt gehen», meint Silas, weil ihnen das auf dem Flugfeld passierte und nicht vor Nachbars Haustüre.