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Schweiz Dschihad retour – ein untypischer Fall

Das erste Urteil gegen einen Dschihad-Rückkehrer hat Wellen geworfen. Das Strafmass empfinden viele als zu mild. Die Details der Syrien-Reise des Romands eröffnen aber eine andere Perspektive.

600 Stunden gemeinnützige Arbeit bedingt auf eine Probezeit von zwei Jahren, eine psychiatrische Behandlung und eine fotografische Dokumentation zum Thema Friedenszeichen. So lautet der Strafbefehl der Bundesanwaltschaft gegen einen Waadtländer Dschihad-Rückkehrer. Im Klartext muss der Mann eine Psychotherapie absolvieren und eine Dokumentation erstellen. Ein zu mildes Urteil, sind sich die Kommentierenden zahlreicher Onlinemedien einig.

«Ein Fall mit Bagatell-Charakter»

«Ein einleuchtendes Urteil», sagt dagegen Strafrechtsprofessor Jonas Weber. Es sei kein typischer Fall eines Dschihad-Rückkehrers. «Die mir bekannten Eckpunkte lassen den Schluss zu, dass es sich um einen Fall mit Bagatell-Charakter handelt.»

Dies ergebe sich daraus, dass der Mann nur per Strafbefehl verurteilt worden ist, ohne Verfahren vor dem Bundesstrafgericht. Für die Beteiligung an einer kriminellen Organisation in Kombination mit Militärdienst in einer fremden Armee steht ein Strafrahmen von bis zu 7,5 Jahren Freiheitsstrafe zur Verfügung. Die nun ausgesprochene Sanktion entspricht einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten.

Ein Autocorso von IS-Milizen.
Legende: Der Romands liess sich vom Erfolg der Dschihadisten blenden. Keystone

«Ich war schockiert»

Ein Blick auf die Details des Falles: Gemäss des Strafbefehls konvertiert der junge Mann im Frühling 2013 zum Islam – offenbar nach einer angeregten Diskussion mit Gleichgesinnten im Internet. Obwohl er kein Wort Arabisch spricht, fasst er im letzten Herbst den Entschluss nach Syrien zu reisen und dort mit Islamisten in den «heiligen Krieg» zu ziehen. Am 18. Dezember ist es soweit, im französischen Lyon besteigt der Mann ein Flugzeug Richtung Istanbul. Die Grenze zu Syrien passiert er am 23. Dezember zu Fuss.

Bis Mitte Januar befindet sich der Verurteilte in verschiedenen Ausbildungslagern der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS). Er sei, so erzählt er bei den Vernehmungen, schockiert gewesen als er realisierte, dass er in einem Camp gelandet war, das Selbstmordattentäter vorbereitete. Er habe wieder gehen wollen. Daraufhin nehmen ihn die IS-Leute gefangen, machen ihm den Prozess und stecken ihn in Haft. Der Romand wird erst Mitte März wieder frei gelassen.

Am 17. März 2014 landet der Mann am Genfer Flughafen, wo er von den Behörden verhaftet wird. Erst am Tag zuvor hatte er seine Familie über seine bevorstehende Rückreise informiert.

Psychische Störung

Gemäss psychiatrischem Gutachten ist der Mann psychisch nicht ganz stabil, auch aufgrund zweier Unfälle in der Vergangenheit und einer schwierigen persönlichen Lebensgeschichte. Er habe mit der Reise nach Syrien auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe gesucht. Von ihm gehe jetzt keine Gefahr für die Öffentlichkeit aus.

Für den Bagatell-Charakter spreche auch, dass die Bundesanwaltschaft den Fall so schnell abgeschlossen hat, sagt Professor Weber. «Bei schweren Straftaten muss die Staatsanwaltschaft zuerst eine Anklageschrift für das Bundesstrafgericht verfassen – das dauert.»

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38 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Diese Jihadisten sind in Europa radikalisiert worden, sonst würden sie nicht in einen Krieg ziehen.Wenn sie zurückkommen, sind sie ernüchtert von den Brutalität des Kriegs oder sie haben erkannt,dass sie mit ihren minderen Fähigkeiten im IS zu nichts nütze sind und nur als lebende Bombe dienen könnten.Diese zutreffende Nichtachtung und Herabsetzung ihrer Person können sie in Europa zu besseren Randbedingungen (Sozialleistungen) auch haben.Und genau aus diesem Grund kommen sie nach Europa zurück.
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  • Kommentar von elize naude, zürich
    Es war früher im Mittelalter wie heute immer noch sehr einfach andere zu verurteilen ohne das wir die ganze Wahrheit und Fakten haben. Es ist für mich wichtiger das dieser junge Mann zur Einsicht kommt und sein Verhalten reflektieren. Einige Kommentaren klingen sehr Mittelalterlich... na dan sollte die jenige die noch keinen grosse Fehler gemacht haben, das erste Stein werfen...
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    1. Antwort von Bruno Janthiang, Banglamung
      @ Elize Naude in Zürich -- Fehler habe ich schon hunderte gemacht, nur ging es dabei nie um die Ermordung von Menschen, ja gar ganzen Völkern. Und ich denke hier ist der Unterschied zu unseren Fehlern. Aber anscheinend hegen sie immer mal wieder Mordgedanken, wenn sie mit so einem Einwurf kommen.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Der wird ja wohl jetzt psychologisch betreut, oder? Schliesslich ist ihm erst der Schreck in die Glieder gefahren als er inne wurde, dass er mit einem Sprengstoffgürtel herumspazieren müsste. Dabei hatte er sich doch das ganz anders vorgestellt....Weshalb unsere Strafbehörden nun zum Schluss kommen, dass es sich hier um eine Bagatelle handelt ist schon sehr bemerkenswert.
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