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Ein gesellschaftspolitischer Meilenstein
Aus Tagesschau vom 11.06.2020.
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«Ehe für alle» Samenspende für Frauen-Ehepaare: Gleichstellung mit einem Haken

Jubel heute Morgen im gesellschaftsliberalen Lager des Nationalrates: Endlich gleiche Rechte für alle Paare, egal ob sie aus Mann und Frau bestehen oder gleichgeschlechtlich sind.

Besonders freut die Befürworterinnen und Befürworter einer konsequenten «Ehe für alle», dass auch lesbischen Ehepaaren der Zugang zu Samenspenden erlaubt wird. Bekommt eine verheiratete lesbische Frau ein Kind, wird ihre Ehefrau automatisch als zweiter Elternteil anerkannt – so wie in der traditionellen Ehe der Ehemann automatisch als Vater gilt.

Die vorbereitende Kommission des Nationalrates hatte diesen Schritt noch knapp abgelehnt, teils aus abstimmungstaktischen Gründen, teils aus Überzeugung. Im Nationalrat hat sich nun aber gezeigt, dass mit den Wahlen im Herbst 2019 gesellschaftspolitisch offenere Frauen und Männer gewählt worden sind. Die grosse Kammer stimmte der ganzen Vorlage, insbesondere aber der Samenspende, überraschend deutlich zu.

Auf den ersten Blick stechen die Vorteile für Kinder lesbischer Ehepaare hervor: Sie würden ab der Geburt die Sicherheit zweier Elternteile bekommen. Eine Sicherheit für den Fall, dass die leibliche Mutter stirbt. Vor allem aber auch eine Sicherheit, sollte sich das Paar trennen. Beide Elternteile blieben dann in der Pflicht. Heute gibt es diese Sicherheit erst nach einem meist aufwändigen Stiefkind-Adoptionsverfahren.

Wer ist der Vater?

Die Nachteile sind weniger offensichtlich, aber sie existieren. So ist für ein solches Kind aus biologischen Gründen zwar klar, dass es noch einen Vater geben muss.

Aber es hat nur ein Recht darauf, seinen biologischen Vater mit 18 Jahren zu kennen, wenn es mithilfe einer offiziellen Samenspende gezeugt wurde. Dann kann es beim Bund Einsicht nehmen ins Samenspenderregister. Haben sich die Mütter jedoch für eine private Lösung entschieden, zum Beispiel aus Kostengründen, hat es keine Garantie zu erfahren, von welchem Mann es abstammt. Es gibt im Zivilstandsregister übrigens nicht einmal eine Möglichkeit, den biologischen Vater einzutragen. Ebenso unmöglich ist es, die Abstammung in Erfahrung zu bringen, wenn der Samen aus einem Land stammt, wo die Spender anonym bleiben.

Dieselben Probleme haben zwar auch Kinder aus traditionellen Ehen, wenn sie nicht vom Ehemann gezeugt wurden, sondern mithilfe einer privaten Samenspende - oder bei einem Seitensprung der Mutter. Der Wissensdurst dieser Kinder dürfte aber auch kleiner sein. Denn wenn die Eltern oder die Mutter nicht wollen, dass das Kind von seinem biologischen Vater erfährt, stellt es sich möglicherweise auch gar keine Fragen. Bei einem lesbischen Ehepaar hingegen ist offensichtlich, dass es noch einen biologischen Vater des Kindes geben muss.

Wie diese Problematik gelöst werden könnte, untersucht zurzeit eine Expertengruppe fürs Bundesamt für Justiz. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, das Stiefkind-Adoptionsverfahren zu beschleunigen. Es gibt aber auch Länder, welche die Ehepartnerin einer Mutter nur dann automatisch als zweites Elternteil eintragen, wenn die Identität des Samenspenders dank einer offiziellen Samenbank bekannt ist.

Vielen Befürworterinnen und Befürwortern einer konsequenten Ehe für alle ist dies zwar durchaus bewusst. Für sie sind das aber eher untergeordnete Fragen - die mit einer späteren Gesetzesrevision noch gelöst werden könnten. Sie setzen auch darauf, dass lesbische Paare nur noch selten auf private Lösungen zurückgreifen, wenn sie Zugang haben zu offiziellen Samenbanken. Für die grosse Mehrheit des Nationalrates war heute viel wichtiger, die Ehe für alle nicht weiter hinauszuzögern. Und den Kindern von lesbischen Ehepaaren schon ab Geburt Sicherheit zu geben.

Nathalie Christen

Nathalie Christen

Bundeshaus-Korrespondentin, SRF

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Christen ist Korrespondentin im Bundeshaus für Fernsehen SRF. Sie arbeitet seit 2002 für SRF. Unter anderem leitete sie die Bundeshausredaktion von Radio SRF und war Produzentin bei der «Arena». Zuvor war sie Bundeshausredaktorin beim «SonntagsBlick».

SRF 4 News, 11.06.2020, 10:00 Uhr

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Ja was fuer eine Ungerechtigkeit.. was ist wenn ein Maenner-Ehepaar ein Baby wollen, da hilft wohl eine Samenbank nicht viel.. wo bleibt da die Gleichberechtigung... nun , das toent wie ein Witz, aber ich kann mir vorstellen, dass auch Diese event ein Familienglueck erleben wollen.. wobei wie steht es DA mit Adoption???? sf???
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    1. Antwort von Simon Schmid  (Don Simon)
      Ich verstehen Ihren Unmut. Die Risiken einer Leihmutterschaft sind allerdings mit viel höheren Risiken als einer Samenspende verbunden. In der Schweiz sind zurzeit auch für heterosexuelle Paare keine Leihmutterschaften möglich. Es handelt sich also um keine Diskriminierung von homosexuellen Paaren.
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  • Kommentar von Heiner Graf  (Denkeinfach!)
    Einem Kind muss sichergestellt werden, dass es die biologischen Elternteile kennenlernen kann, sobald es dieses Bedürfnis entwickelt - in der Regel in der Pubertätsphase oder im jungen Erwachsenenalter. Dieses Recht muss sichergestellt werden, wie liberal auch immer das Aufwachsen ermöglicht wurde. Jeder Mensch muss seine Identität bestmöglich verstehen können.
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  • Kommentar von Matthias Mauerhofer  (Matthias Mauerhofer)
    Wir wollen sein wie Gott!
    Schon jedes aufgeklärtes Kind weiss, dass es einen Vater und eine Mutter braucht, damit ein Kind entstehen kann. Leider entfernen wir uns immer mehr von dieser von Gott gegebenen Ordnung, ohne dass es uns gelingen wird diese in Zukunft zu leugnen!

    Was mich dabei besonders erstaunt, ist, dass wir nach der Coronakrise nichts besseres zu tun wissen, als einen weiteren Schritt von den Anordnungen Gottes weg zu machen!
    So entfernen wir uns noch weiter vom Segen Gottes!
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    1. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      "...von Gott gegebener Ordnung." Lieber Herr Maierhofer, zum Glück gab es Darwin und gibt es die modernen Wissenschaften, die die ganze 'von Gott gegeben'-Theorie richtiggestellt haben. Es ist nicht Aufgabe irgendeines Gottes, sollte dieser existieren, darüber zu entscheiden, wer wie welche Kinder bekommen und grossziehen darf. Das erledigt inzwischen eine moderne Gesellschaft und durch von sie vertretene Staat, die allesamt fest daran glauben, dass auch die Erde keine Scheibe ist.
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