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Schweiz Eigenmietwert sorgt wieder für rote Köpfe

Kantone wie Aargau und Bern haben im letzten Jahr den Eigenmietwert erhöht – zum Ärger von Hauseigentümern. Anpassung an den gestiegenen Marktwert, heisst es bei den Verwaltungen lakonisch. Ein Rentner aus dem Aargau wehrt sich jetzt gegen die seit Jahren umstrittene Steuer.

Walter Richner sitzt auf einem Holzbänkchen hinter seinem Einfamilienhaus in Benzenschwil im Kanton Aargau. Im gepflegten Naturgarten zwitschern die Vögel, rund um den Wildbienenstock summt es rege, friedlich plätschert‘s im Teich. Für den Rentner und seine Frau ein kleines Paradies.

«Es gefällt mir, dass ich hier die Umgebung und das Haus nach meinem Willen gestalten kann. Das ist mir viel wert», sagt Richner. Entsprechend ist er auch bereit, für sein Eigenheim Steuern zu zahlen. Doch jetzt, wo sein Wohnkanton Aargau die Steuern bei Eigenheimbesitzern erhöht hat, sieht er die Schmerzgrenze überschritten. Es geht nach seinen Berechnungen um 700 Franken, die er nun jedes Jahr mehr bezahlen soll.

Einfamilienhäuser im Kanton Aargau.
Legende: Seit langem umstritten: Im Eigenheim wohnen und eine theoretische Marktmiete als Einkommen versteuern. Keystone/Archiv

Beim Eigenmietwert hört die Gartenromantik für manchen Hausbesitzer auf. Der Eigenmietwert – das ist der Betrag, den Walter Richner einnähme, wenn er sein Haus vermieten würde. Versteuern muss er diesen Betrag, weil dieser vom Gesetz her als Einkommen gilt.

Die Überlegung: Der Hausbesitzer spart sich schliesslich die Miete. Nun haben die Kantone Aargau, Basel-Stadt und Bern Erhöhungen beim Eigenmietwert beschlossen. Der Grund ist überall derselbe: Einfamilienhäuser und Wohnungen wurden in den letzten Jahren immer teurer. Berechnet wird der Eigenmietwert in Bern, Basel oder im Aargau aber auf Schätzungen, die 15 Jahre und älter sind.

«Gesetz verlangt die Nähe zum Marktpreis»

Bei einer Vermietung könnten Eigentümer heute also deutlich höhere Beträge einnehmen. «Das Gesetz verlangt eben diese Nähe zum Marktpreis, wenn diese nicht mehr gegeben ist, muss die Verwaltung die Mietwerte anpassen», erklärt der Leiter der Berner Steuerverwaltung, Bruno Knüsel.

Der Eigenmietwert ist ein politischer Dauerbrenner, der seit Jahren lodert und die Emotionen der Hauseigentümer entfacht. So auch Ansgar Gmür, dem Direktor des schweizerischen Hauseigentümerverbands: «Die Eigenmietwertbesteuerung ist ein Unding und muss weg. Dass nun einzelne Kantone diese noch erhöhen, ärgert.»

Bund: «politisch gewollt»

Genau das Gegenteil sei der Fall, argumentiert der Bundesrat: Der Eigenmietwert werde ohnehin tiefer angesetzt als der Marktwert. Hinzu komme, dass Eigenheimbesitzer die Schuldzinsen ihrer Hypothek oder Unterhaltsarbeiten von den Steuern abziehen können. Das zusammen führe gar zu einer systematischen Unterbesteuerung bei Eigenheimbesitzern, schreibt der Bundesrat.

Bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung erklärt Fabian Baumer: «Diese Unterbesteuerung, also diese eigentlich zu tiefe Besteuerung der Eigenmietwerte, ist politisch gewollt. Es ist eine Zielsetzung in der Bundesverfassung, Wohneigentum zu fördern.»

Gmür: Steuer endlich abschaffen

Gmür kontert: Gerade jetzt mache der Staat ein gutes Geschäft mit der Besteuerung des Eigenmietwerts: «Die Zinsen sind sehr tief. Der Staat profitiert im Moment stark, weil der Eigenmietwert in der Regel höher ist als die möglichen Abzüge. Man müsste jetzt also handeln.».

Das heisst: diese Steuer abschaffen. Eine Abschaffung des Eigenmietwerts für Rentner forderte vor vier Jahren eine Volksinitiative. Sie wurde relativ knapp abgelehnt. Ein Verzicht auf diese Steuer fordert auch ein Vorstoss, den der Nationalrat bereits überwiesen hat.

Petition vorbereitet

Richner im Aargau kämpft derweil mit seinen eigenen Mitteln weiter: Im Internet hat er bereits über 6050 Unterschriften gegen die Erhöhung des Eigenmietwerts gesammelt. Die Petition will er nächstens beim Aargauer Kantonsparlament einreichen.

Sein kleines Eigenheim-Paradies kann Richner weiter geniessen: Für ihn persönlich sei die Steuererhöhung tragbar, sagt der Rentner. Er setze sich gerade auch für jene ein, die weniger Glück hätten als er.

80 Kommentare

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  • Kommentar von Rene Aerne (Economist2016)
    Seit Jahren jammert der HEV mit Ansgar Gmür wegen dem Eigenmietwert. Fakt ist, dass mit dem Abzug von Schuldzinsen und Unterhaltskosten der Eigenmietwert über die Jahre steuerlich mehr als kompensiert wird, womit trotz Eigenmietwert steuerlich ein Vorteil für Eigenheimbesitzer entsteht. Der HEV verfolgt eine Fünfer+Weggli-Politik - Eigenmietwert weg aber alle Abzüge bleiben. Wenn schon eine Änderung, dann aber bitte eine systematisch korrekte!
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      Ihr Kommentar ist zu 100% korrekt!
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    2. Antwort von F. Rudin (F. Rudin)
      @R.A.: Wenn ihre Aussage stimmen würde, so müssten ja BR und alle Parteien für die Abschaffung des Eigenmietwerts (und Hypo-Abzüge) sein, da steuerlich ein Verlustgeschäft. Aber die Linken werden bei Abschaffung des Eigenmietwertes und Hypo-Abzüge alle von einem Fehlbetrag im Steuerhaushalt sprechen. Im Weiteren spielen sie mit Beibehaltung des Eigenmietwertes den Banken in die Hände, denn für sie ist jeder Schuldner willkommen, da erpressbar. Bis die Linken merken, dass sie den Banken helfen …
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    3. Antwort von K. Räschter (K. Räschter)
      @F. Rudin (F. Rudin), Schweiz: Die Linken - vorallem die Herren Rechsteiner (Gewerkschafter) und Levrat sowie Frau Oberholzer-Leutenegger - vernichten mit ihren abstrusen Ideen dauernd Arbeitsplätze in der Schweiz und jammern dann, wenn diese Arbeitsplätze ins Ausland abwandern, weil die Linken die Bedinungungen dazu schlechter gemacht haben.
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  • Kommentar von Roger Schönbächler (rs-j)
    Der Eigenietwert ist schon berechtigt, jedoch falsch berechnet und viel zu hoch! Als Mieter hätte ich, wenn ich mein Geld nicht ausgebe, ein Bankkonto. Das gibt Zins. Der Zinsfuss beträgt gegenwärtig etwa 0.01 bis 1%. Dieser muss versteuert werden. Als Eigent. habe ich Geld statt auf einem Konto in die Imobilie investiert. Der EMW darf nicht höher sein als der Zins, den ich auf einem Bankkonto erwirtschaften kann. So sind Wohnungsbesitzer gegenüber Mieter benachteiligt, und nicht umgekehrt!
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    1. Antwort von elize naude (elize)
      stimmt und ich will die hausbesitzer kennen lernen was so ein hoche miete zahle wie wir....
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  • Kommentar von Kurt Schrag (Hüo)
    Auch bei den heutigern niedrigen Hypozinsen machen viele Hausbesitzer mit dem EMW noch einen Gewinn. Bei Abschaffung EMW müssten auch die Hypozinsabzüge wegfallen. Die Kritiker des EMW können ja ihr Haus verkaufen und das Geld anderweitig anlegen und das Haus zu einem Marktzins zurückmieten. Das gäbe wohl eine mehr als harte Bruchlandung.
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    1. Antwort von Edi Steinlin (rosi)
      Herr Schrag, wenn die Hypozinsen so niedrig sind, gibt es auch nicht viel abzuziehen, der Eigenmietwert bleibt und erhöht das steuerbare Einkommen. Eigenmietwert ist im Prinzip eine Kapitalversteuerung und bei so niedrigen Zinsen wird er kaum abgeschafft. Der Eigentümer ist für den Staat der billigste Bürger, er wird kaum je Sozialgeld bekommen er hat ja Eigentum.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      Ist ja logisch, Herr Steinlin & allen klar. Bitte bleiben sie aber bei den Tatsachen. Die steuerliche Belastung der Eigenheimbesitzer ist über einen längeren Zeitraum zu betrachten. dann sieht die Sache anders aus. Derjenige, der sein kapital in cash hat, wird immer & jährlich zum steigenden Wert besteuert & fährt markant schlechter als der Eigenheimbesitzer. Jammern ist hier sicherlich nicht angebracht! Immer fair bleiben in der Argumentation!
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