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Schweiz Eigentlich wären die Hunde-Kurse ja obligatorisch ...

Über Sinn oder Sinnlosigkeit der obligatorischen Kurse für Hundehalter wurde diese Woche eifrig diskutiert. Doch fest steht: Jeder fünfte Hundebesitzer besucht die Kurse erst gar nicht – oftmals ohne Konsequenzen.

Hund liegt entspannt in der Wiese neben zwei anderen Hunden.
Legende: So macht das der wohlerzogene Vierbeiner: Entspannt liegen bleiben – egal, welche Ablenkungen auch locken (Symbolbild). Keystone

Seit 2008 müssen Hundehalter einen Praxiskurs absolvieren, wenn sie sich einen Vierbeiner zulegen. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist noch unklar. Erst am Donnerstag sprach sich der Ständerat dafür aus, das entsprechende landesweite Kursobligatorium wieder aufzuheben.

Bei der Debatte in der kleinen Kammer kam auch der nicht uninteressante Fakt zur Sprache, dass immerhin ein Fünftel der Hundebesitzer den eigentlich obligatorischen Kursen fernbleibt. Darauf lässt eine Evaluation des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vom vergangenen März schliessen. Diese Quote sei zu hoch, befand der Bundesrat zwar. Doch selbst wenn die Kurse weitergeführt werden – ob die Zahl der «Schwänzer» gesenkt werden kann, bleibt fraglich.

Kontrollen: Von «meist nicht systematisch» ...

Denn zu kontrollieren, ob Hundehalter ihrer Pflicht nachkommen, ist heute Sache der Kantone und Gemeinden – und diese handhaben die Überwachung «sehr unterschiedlich und meist nicht systematisch», wie aus dem BLV-Bericht hervorgeht. Eigentlich nicht weiter erstaunlich: Nebst der nationalen Tierschutzverordnung hat schliesslich jeder Kanton sein ganz eigenes Hundegesetz.

Tatsächlich führe man keine flächendeckenden Kontrollen oder planmässige Stichproben durch, sagt etwa der Luzerner Kantonstierarzt Otto Ineichen. «Dafür hätten wir gar keine Ressourcen, und es wäre auch unverhältnismässig.» Vielmehr gelte es, die bestehende Gesetzgebung mit Vernunft zu vollziehen. Dies bedeutet: Gehen Meldungen zur Hundehaltung ein, etwa über aggressive Hunde, überprüft das Veterinäramt umgehend, ob die Halter die erforderlichen Kurse vorweisen können. Die Gemeinden dazu verpflichten, die Hundebesitzer zu kontrollieren, könne man hingegen nicht. «Dazu fehlt uns die Rechtsgrundlage», sagt Ineichen.

... bis zu «lückenlos»

Anders sieht die Situation in Zürich aus: Dort muss mit grossen oder massigen Hunden eine anerkannte, über den Sachkundenachweis des Bundes hinausgehende praktische Hundeausbildung abgeschlossen werden. Ausserdem sind die Gemeinden gemäss kantonalem Hundegesetz verpflichtet, ihre Einwohner entsprechend zu überprüfen.

In der Stadt Zürich ist dafür die Stadtpolizei zuständig. Meldet jemand einen neuen Hund an und entrichtet die Hundesteuer, wird verifiziert, ob der Halter alle notwendigen Papiere hat. «Wir kontrollieren lückenlos, ob die Kurse absolviert sind», erklärt Sprecherin Marion Engeler. Säumige Hundebesitzer werden erst gemahnt und dann gebüsst. Ob alle Zürcher Gemeinden dermassen konsequent sind bei der Einforderung der Kurs-Nachweise, bleibt allerdings unklar: «Das wird nicht zentral erfasst», heisst es dazu beim Veterinäramt.

Die «falschen» Halter im Kurs

Keine Illusionen macht sich Heinrich Beck: Er ist Präsident des Verbandes Schweizer Hundeschulen und unterrichtet Vierbeiner sowie ihre Halter im sanktgallischen Trübbach. Seiner Meinung nach werden die Nachweise landesweit «grossmehrheitlich» nicht kontrolliert.

Ein Fehler, findet Beck. So kämen zwar die verantwortungsvollen Hundebesitzer. Fern blieben hingegen diejenigen, die es wohl am nötigsten hätten. «Solange die Gemeinden säumige Halter nicht konsequent büssen, kriegt man dieses Problem nicht in den Griff.» Und selbst wenn das Obligatorium dereinst tatsächlich fallen sollte: Experte Beck legt jedem Hundebesitzer ans Herz, dennoch einen entsprechenden Kurs zu besuchen – dem Vierbeiner und der Umgebung zuliebe.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Und mit solchem Stumpfsinn befasst sich das eidg. Parlament. Man hat ja keine andere Sorgen. Ich kriege vor lauter Köpfschütteln Kopfweh.
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    1. Antwort von Michael M. (Michael.M.)
      Tja, hier wird es Stumpfsinn genannt und sobald wieder ein Hund ein Kind angreift und halb tot beisst ist das Geschrei wieder gross, warum das niemand verhindert hat. Das Problem liegt halt in der Umsetzung. Und es scheint, dass uns unser Kantönligeist mal wieder einen Strich durch eine mass- und sinnvolle Umsetzung macht. Kann doch nicht so schwer sein, selbst in der Schweiz noch. Einfach gescheit umsetzen, dann muss sich das Parlament auch nicht x-mal mit dem gleichen befassen.
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  • Kommentar von Kurt E. Müller (KEM)
    Schon verrückt, unsere kleine Schweiz. Wer einen Hund will, braucht einen Kurs. Wer fischen will, braucht einen Kurs. Wer Kinder auf die Welt stellen will, braucht keinen Kurs.
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  • Kommentar von Th. Morino (Free)
    Diese Kurse treffen den Nagel nicht auf den Kopf. Wie wäre es, wenn Bauern die Kuhscheisse auf Wanderwegen einsammeln müssten und Reiter die Kot Äpfel ihres Tieres entfernen müssten? Gerechtigkeit? Selbstverantwortung lernt man nicht in solchen Kursen! Die Gesetzgebung ist einseitig gegen Hundehalter ausgelegt (ausser die, die mit solchen Kursen Geld verdienen wollen). Sucht Euch freiwillig Hundeschulen Eurer Wahl zum Wohle aller!
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    1. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      So viel ich weiss, sind die Wanderwege, auf denen die Bauern Kühe haben, Privatbesitz. Heisst, die WandererInnen sollen ihren Abfall mit nehmen! PferdehalterInnen zahlen seit Jahr und Tag Abgaben, die u.a. mit dem Pferdekot auf öffentlichem Grund begründet wird. Alles klar? ;-)
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