Ein Asylzentrum – und niemand protestiert

In der Berggemeinde Realp, ganz hinten im Urserental im Kanton Uri, will der Bund ab Mitte Woche ein Asylzentrum betreiben. 100 Asylbewerber aus Nordafrika werden in einer ehemaligen Militäranlage des 140-Seelen-Ortes einquartiert. Dennoch gibt es keinen Widerstand und keine Proteste – im Gegenteil.

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Weltoffenes Bergdorf

3:45 min, aus Schweiz aktuell vom 17.6.2013

Realp unterscheidet sich stark von den meisten anderen Schweizer Gemeinden, in denen Asylunterkünfte geplant waren oder noch eröffnet werden sollen. Vielerorts leisten Anwohner erbitterten Widerstand – teils mit Unterstützung der Gemeindebehörden. Nicht so im Kanton Uri.

Zwei Tage bevor das Asylzentrum den Betrieb aufnehmen wird, sagt der Gemeindepräsident von Realp gegenüber «Schweiz aktuell»: «Wir sind vorsichtig optimistisch.» Das Dorf sei guter Hoffnung, dass der Betrieb des Bundeszentrums gut funktioniere, so Armand Simmen weiter. Das Zentrum liegt vier Kilometer ausserhalb von Realp im Wytenwasserental. 

«  Diese Flüchtlinge muss man ja wo unterbringen. Ich bin zuversichtlich, dass das gut kommt. »

Max Simmen
Einwohner von Realp

Warum die Berggemeinde Realp so offen auf das Asylzentrum reagiert, kann sich der Gemeindepräsident nicht genau erklären: «Wir Realper ärgern uns erst dann, wenn es Probleme gibt. Und wenn es funktioniert, freuen wir uns umso mehr.»

Eine klare Meinung zur Asylunterkunft vier Kilometer ausserhalb des Dorfes hat Max Simmen. «Diese Flüchtlinge muss man ja wo unterbringen. Ich bin zuversichtlich, dass das gut kommt», findet der alteingesessene Realper.

Realp bewies schon öfters Offenheit

Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Urner Berggemeinde durch ihre Offenheit Aufsehen erregt. Immer wieder haben die 129 Stimmberechtigten offener gestimmt, als der Rest der Zentralschweiz: Bereits 1959 sagte Realp Ja zum Frauenstimmrecht. 1992 begrüsste die Urner Berggemeinde den EWR-Beitritt und lehnte 2009 die Minarettinitiative ab.