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Ständerat schwächt Werbeverbot für Tabak ab
Aus 10 vor 10 vom 14.06.2021.
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Ein Drittel der Jungen raucht Werbeverbote für Tabak: Jugendschutz bleibt Knackpunkt

Der Ständerat weicht die Regeln für Tabakwerbung auf. Wie weit der Jugendschutz gehen soll, bleibt umstritten.

In der Schweiz raucht gut ein Viertel der Bevölkerung ab 15 Jahren. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind es 32 Prozent. Die Mehrheit greift vor dem 18. Altersjahr zum ersten Glimmstängel. Gründe für den Einstieg in den Konsum von Tabakprodukten seien Neugier, das soziale Umfeld, aber auch die Werbung der Tabakbranche, welche bewusst die Jungen als Neukunden gewinnen wolle, sagt Stephanie Unternährer, Co-Leiterin des Tabakpräventionsprogramms des Kantons Zürich.

Der Schweizer Zigaretten-Verband «Swiss Cigarette» widerspricht. Die Kundinnen und Kunden seien klar die Erwachsenen, Jugendliche seien nicht die Zielgruppe. «Mit unserer zielgerichteten Werbung an Erwachsene möchten wir bestehende Raucher oder solche, die den Rauchentscheid bereits gefällt haben, über unsere Produkte informieren. Wir wollen keine Nichtraucher überzeugen, mit Rauchen zu beginnen.»

Liberale Gesetzgebung

Bezüglich Werbung für Tabakprodukte ist die Schweiz eine Ausnahme in Europa: Aussenwerbung für Tabakprodukte ist in fast allen europäischen Ländern verboten – die Schweiz kennt auf nationaler Ebene kein Verbot. In Printmedien ist Tabakwerbung gar in allen europäischen Ländern verboten. Ausser in der Schweiz.

Seit mehr als fünf Jahren diskutiert das Parlament ein neues Bundesgesetz über Tabakprodukte. Der Umgang mit Tabakprodukten soll darin strenger geregelt werden – aber weniger stark als ursprünglich vorgesehen.

Der Ständerat hat jetzt einige Restriktionen aufgeweicht. So soll etwa Werbung in Printmedien und im Internet nur dann verboten sein, wenn sich die Publikationen explizit an Jugendliche richten. Zudem soll Tabakwerbung im öffentlichen Raum verboten werden. Der Ständerat folgt damit dem Nationalrat und stellt sich gegen eine Volksinitiative, die ein umfassendes Verbot für Tabakwerbung fordert, wenn diese Kinder und Jugendliche erreicht.

Einfluss der Tabakwerbung

Die Tabakindustrie hält nichts von strengeren Werbeverboten. Sie brächten nichts: «Uns stört, dass keine Diskussion darüber geführt wird, ob ein zusätzliches Werbeverbot tatsächlich dazu führt, dass weniger Jugendliche rauchen. Aus dem Ausland weiss man, dass dies nicht der Fall ist», sagt Kevin Suter von «Swiss Cigarette».

Ganz anders sieht das Stephanie Unternährer vom Zürcher Tabakpräventionsprogramm: Mit diversen Studien sei belegt, dass Kinder und Jugendliche eher mit Rauchen begännen, je mehr Tabakwerbung sie sähen. «Darum ist es zentral, dass wir ein umfassendes Werbeverbot hinkriegen.»

Debatte geht weiter

Wegen geringfügiger Differenzen geht das Tabakproduktegesetz nochmals in den Nationalrat. Die Initianten der Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» bereiten sich auf den Abstimmungskampf vor, der voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 stattfinden werde.

Ein umfassendes oder ein teilweises Tabakwerbeverbot – die Debatte wird weiterhin für rauchende Köpfe sorgen.

10vor10, 14.06.2021, 21:50 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Tragisch wie offensichtlich hier FDP und SVP der Tabaklobby hörig sind. Dabei ist die Aussage der Tabaklobby an Zynismus nicht zu unterbieten. Nikotin mach stark abhängig, und er einmal anfängt zu rauchen, bleibt oft ein Lebenlang bei der gleichen Marke. Daher ist die Aussage, dass sich Werbung nur an erwachsene Raucher wendet schlicht eine Lüge. Bei dieser Werbung geht es einzig darum, junge Menschen in die Sucht zu bringen.
  • Kommentar von Gröflin Tobias  (Gröflin Tobias)
    Werbeverbot unbedingt nicht nur auf Plakaten, sondern vorallem im Internet. Wenn Jugendschutz, dann keine halben Sachen. Am besten Werbung für Glücksspiele und Onlinecasinos auch gleich einschränken. Sucht sollte nicht beworben werden.
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Mir tun die Jungen leid, die sich zum Rauchen verleiten lassen. Ich bin mit 17 such einmal so blöd gewesen und es hat mich ein paar Jahre später sehr viel Durchhaltewillen gekostet, wieder von dieser Sucht weg zu kommen. Das möchte ich allen ersoaren. Deshalb torales Verbot für jegliche Tabakreklame.