Waldbrände in der Südschweiz «Ein gefährlicher Einsatz für die Piloten»

Im Misox und in der Leventina ist die Waldbrandgefahr noch nicht eingedämmt. Und auch die Löscharbeiten bergen Gefahren.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Keine Entwarnung in der Südschweiz: Nach wie vor gibt es in den Waldbrandgebieten riesige Glutnester.
  • Die Wettersituation hat sich nicht entspannt: Der Nordwind bläst weiter, es gab keinen Niederschlag.
  • Der Einsatz der Super-Puma-Piloten birgt Gefahren: Die Löscharbeiten stellen höchste Anforderungen an die Luftwaffe.

Zum Jahresende loderten in der Südschweiz die Flammen. Letzte Woche schienen die Waldrände im Misox und der Leventina eingedämmt, doch wider Erwarten ist die Gefahr nicht eingedämmt: Bei Kontrollflügen mit einer Wärmebildkamera wurden «riesige Glutnester» festgestellt, wie die Armee gestern mitteilte.

Das sagt SRF-Korrespondent Fritz Bischoff vor Ort im Misox:

Der starke Wind ist ein grosses Problem: Er kann die noch immer im Boden vorhandenen Glutnester wieder anfachen, der Waldbrand könnte wieder ausbrechen. Deshalb haben die Feuerwehrleute nun Knochenarbeit zu leisten. Die einzelnen Glutnester müssen aufgegraben werden, damit sie mit Wasser-Hochdruck gelöscht werden können. Die Helikopter fliegen deshalb vor allem Hochdruck-Löschgeräte ins betroffene Gelände. Ein Problem bildet die Rekrutierung der eingesetzten Feuerwehrleute. Die örtlichen Feuerwehrmänner des Misox' müssen von Kollegen aus dem ganzen Kanton Graubünden unterstützt werden. Zusätzlich wurden nun auch Zivilschützer aufgeboten, um die Knochenarbeit am Berg zu leisten.

Jürg Nussbaum, Sprecher Luftwaffe, bestätigt gegenüber SRF News: «Wir machen uns grosse Sorgen. Solche Glutnester gibt es zwar bei jedem Waldbrand, aber sie sind sehr heimtückisch.» Denn von blossem Auge seien sie kaum zu erkennen, doch könnten sie das Feuer im trockenen Gelände jederzeit wieder entfachen.

«  Wir machen uns grosse Sorgen. Die Glutnester sind sehr heimtückisch.  »

Jürg Nussbaum
Sprecher der Schweizer Luftwaffe

Um der Gefahr Herr zu werden, sind weiter mehrere «Super Puma»-Helikopter in den Brandgebieten im Misox und der Leventina im Einsatz. Am Boden bekämpfen die Feuerwehren die Glutnester mit Schaufeln und Wasserhochdruckgeräten.

Bildlegende:Auf der rechten Talseite oberhalb von Mesocco befindet sich die Waldbrandstelle. SRF

Wie Luftwaffensprecher Nussbaum ausführt, fliegt die Luftwaffe jährlich durchschnittlich drei Löscheinsätze. Was nach Routine klingt, stellt höchste Anforderungen an die Piloten – besonders unter den erschwerten Bedingungen in den Waldbrandgebieten in der Südschweiz. Verteidigungsminister Guy Parmelin sprach denn auch von einem «ziemlich gefährlichen Einsatz der Luftwaffe».

Heikler Einsatz für die Heli-Piloten

0:52 min, aus Tagesschau vom 2.1.2017

Heikler Einsatz für die Piloten

Sprecher Nussbaum führt aus: «Die Helikopter fliegen in Rotation in einem ziemlich engen Tal – das allein birgt schon Gefahr.» Zudem ist die Sicht durch den dichten Rauch sehr schlecht, dazu kommt starker Wind. «Die Flüge sind sehr unruhig. Die Piloten müssen das Feuer, den Rauch und die anderen Helis ständig im Auge behalten. Sie müssen gut kommunizieren.»

Dass sich die Situation schnell entspannt, ist vorderhand nicht zu erwarten. Denn während es im Mittelland in der letzten Nacht eine kleine Schneedecke gab, blieb der Niederschlag in den Waldbrandgebieten aus: «Zudem hat der Nordwind bereits wieder kräftig eingesetzt. Die Löscharbeiten gehen weiter», so Luftwaffensprecher Nussbaum.