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Schweiz «Einen Dienstleistungsabbau will wohl niemand»

Die SBB macht sich mit einem Schlankheitsprogramm fit und streicht 1400 Stellen. Will die Bahn die Kosten senken, bleibt ihr nicht viel anderes übrig, als bei der Lohnsumme zu sparen. Denn bei der Infrastruktur sind Kostensenkungen kaum möglich, wie EPFL-Professor Matthias Finger ausführt.

Symbolbild: Ein Zug fährt entlang eines Sees.
Legende: Bei der Infrastruktur ist sparen fast nicht möglich, wie ETH-Professor Finger sagt. sbb

Die SBB baut insgesamt 1400 Stellen ab, 1,2 Milliarden Franken sollen eingespart werden. Damit macht sich die Bahn laut CEO Andreas Meyer fit für die Zukunft. Im Gegenzug sollen die Billettpreise für die Fahrgäste nicht weiter steigen.

Es stellt sich die Frage, ob anstatt Stellen abzubauen, nicht auch bei der Infrastruktur Sparmöglichkeiten vorhanden wären. Auskunft dazu gibt Matthias Finger, er ist Professor für Netzwerk-Industrien an der ETH Lausanne (EPFL).

SRF News: Die SBB streicht 1400 Stellen. Wäre es nicht sinnvoller, bei der sehr teuren Infrastruktur zu sparen?

Matthias Finger: Die Anforderungen an die Infrastruktur nehmen eher zu, es wird in diesem Bereich eher mehr als weniger investiert werden müssen. Entsprechend nimmt auch der Unterhalt zu, deshalb sehe ich dort kein Sparpotenzial. Ausserdem wird ein grosser Teil der Infrastruktur direkt vom Bund finanziert oder subventioniert. Dahinter stehen Leistungsvereinbarungen mit der SBB, entsprechend klein ist das Sparpotenzial für die Bahn. Würde man bei der Infrastruktur sparen, müssten auch Dienstleistungen abgebaut werden – das will wohl niemand.

Warum ist das Schweizer Bahnnetz überhaupt so kostenintensiv?

Alle Bahnen auf der Welt sind kostenintensiv – wegen der teuren Infrastruktur. Nun gehört das Schweizer Bahnnetz tatsächlich zu den teureren, ist aber auch das am dichtesten befahrene Bahnnetz der Welt. Mit der Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene wird die Dichte weiter zunehmen. Entsprechend kann man die Kosten der Infrastruktur nicht wirklich infrage stellen.

Zurück zum Stellenabbau: Was kann die Streichung von 1400 Stellen der SBB unter dem Strich bringen?

Rund 500 Stellen sollen in der Verwaltung gestrichen werden. Offenbar gibt es dort Ineffizienzen, deshalb ist sparen dort möglich. Der grösste Teil des restlichen Stellenabbaus betrifft Bereiche, die von den Auswirkungen der neuen Technologien betroffen sind. Das ist etwa der Verkauf – die Reisenden kaufen ihre Tickets vermehrt im Internet oder per App. Es ist logisch, dass die technologische Entwicklung zu einem Stellenabbau oder einer -verlagerung führt.

SBB-Chef Andreas Meyer sagte, die Stellen würden auch deshalb gestrichen, damit die Billettpreise nicht weiter steigen. Wird er dieses Versprechen halten können?

Das kann niemand garantieren. Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen 1400 abgebauten Stellen und den Billettpreisen, höchstens einen indirekten. Es geht bei dem Programm um eine generelle Effizienzsteigerung, wobei der Verkehr auf der Schiene weiter zunimmt. Es geht also darum, mit gleich viel oder weniger mehr zu machen.

Welches Fazit ziehen Sie: Ergreift die SBB mit «Railfit 2030» die richtigen Massnahmen, um die Bahn für die Zukunft fit zu machen?

Es sind richtige, aber wohl bloss ein Teil der nötigen Massnahmen. Die SBB muss sich sicher auf die neuen Technologien der digitalen Welt einstellen und ständig überprüfen, ob das Unternehmen effizient arbeitet. Aber das kann nicht alles sein. Die SBB ist ein Technologie-Unternehmen, und entsprechend braucht es parallel dazu auch Massnahmen in diesem Bereich. Das aber ist ein anderes Programm.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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