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Schweiz Erleichtert die Reform der Altersvorsoge den Rentnern das Leben?

Der Bundesrat hat seine Vorschläge zu der Reform der Altersvorsorge vorgelegt. Sowohl die Gesetzgebung der AHV als auch die der 2. Säule werden angepasst. Nun ist das Parlament an der Reihe. Wird es der Erhöhung des Frauenrentenalters zustimmen?

Es soll eine Reform sein, die Wenigverdienenden das Leben im Alter erleichtern soll. Häufig sind dies Frauen. Ob gerade diese jedoch den Vorschlag des Bundesrates gutheissen werden, wird sich weisen: Denn ihr Rentenalter wird in einem Zeitraum von sechs Jahren schrittweise um je zwei Monate erhöht und liegt nachher bei 65 Jahren. Bundesrat Alain Berset sagt dazu an der Pressekonferenz: «Ich habe bis jetzt keinen anderen Vorschlag gehört, der mehrheitsfähig sein könnte.» Die vorgeschlagenen Massnahmen seien, wenn man alle zusammen anschaue, eine ausgeglichene Lösung, sagt der Bundesrat.

Eine frauenfreundliche Reform?

Jürg Brechbühl, der Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherungen, illustriert die Frauen- und Familienfreundlichkeit der Vorlage mit einem Beispiel: Wenn die Eintrittsschwelle in die 2. Säule von 21‘000 Franken auf 14‘000 Franken gesenkt werde, könnten auch Frauen, die nach der Geburt von Kindern Teilzeit weiterarbeiten wollten, versichert bleiben. Das sei bis anhin unter Umständen nicht der Fall gewesen.

Auch in einem anderen Punkt könnte sich die Reform auf die Arbeitstätigkeit der Frauen auswirken: Witwenrenten der AHV werden – wenn die Vorlage so umgesetzt wird – nur noch für Frauen mit waisenrenten-berechtigten oder pflegebedürftigen Kindern ausgerichtet. Das heisst, dass Vollzeithausfrauen ohne junge Kinder nach dem Tod ihres Gatten keine Rente mehr erhalten werden.

Die Flexiblität beim Bezug der Rente wird erhöht. Es wird möglich sein, im Alter zwischen 62 und 70 Jahren eine Teilzeitrente zu beziehen.

Zusatzfinanzierung der AHV

Trotz diesen Leistungskürzungen braucht die AHV, um stabil finanziert werden zu können, eine Zusatzfinanzierung. Anders als vorgesehen will der Bundesrat die Mehrwertsteuer nicht um 2 Prozent erhöhen, sondern um 1,5 Prozent. Bei Inkrafttreten der Reform beträgt die Erhöhung nur 1 Prozent. Erfordert es die finanzielle Situation, kann die Mehrwertsteuer nochmals um 0.5 Prozent erhöht werden. Der Bund verzichtet zudem auf seinen Anteil von 17Prozent am Mehrwertsteuer-Demografieprozent. Gleichzeitig wird der Bundesbeitrag an die AHV von 19,55 Prozent auf 18 Prozent gesenkt.

Weiter wird ein Liquiditätsschutz-Mechanismus für die AHV eingebaut: Wenn sich abzeichnet, dass der Stand des AHV-Ausgleichsfonds unter 70 Prozent einer Jahresausgabe sinkt, werden vordefinierte Massnahmen ausgelöst. Der Bund wird

Senkung des Mindestumwandlungssatzes

In der 2. Säule der Altersvorsorge dient der Mindestumwandlungssatz dazu, das Guthaben in eine jährliche Rente umzuwandeln. Die vorgeschlagene Reform will den Umwandlungssatz während einer Frist von vier Jahren auf 6 Prozent senken. Dies sei nötig, weil die Erträge auf dem Finanzmarkt in letzter Zeit stark zurückgegangen sind. Um die Leistung der beruflichen Vorsorge dennoch zu erhalten, hilft ein Sicherheitsfonds bei der Kapitalbildung. Weiter werden die Altersgutschriften für Menschen ab 45 nicht mehr erhöht. Damit wird ihre Stellung auf dem Arbeitsmarkt gestärkt und das Argument, ältere Arbeitnehmer seien einer Firma zu teuer, entkräftet.

Das war die Medienkonferenz

Die Bundeshauskuppel
Legende: Keystone/Archiv

Der Bundesrat hat über die Rentenreform informiert: Das Protokoll

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22 Kommentare

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  • Kommentar von F Liechti, AG
    Da in letzter Zeit viel über Renten abgestimmt wurde, zeigt, dasss es ein wichtiges Anliegen ist. Da vieles abgelehnt wurde zeigt, dass keine überzeugenden Lösungen angeboten wurden. 1. Dass Gelder der MwSt für die Renten angezapft werden müssen, darf nicht sein. Wer das unterstützt,leugnet die Fehler im Rentensystem 2. Es braucht mehr Flexibilität. - Wer länger arbeitet, kriegt mehr Rente. - Wer nicht so lang arbeiten will, soll mehr einzahlen können. 3. Das Umlagesystem ist nicht Trugschluss
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      F Liechti, grundsätzlich stimme ich ihnen zu. Nur 2. ist in einer Gewinnmaximierenden Wirtschaft eine hohe Arbeitslosigkeit fast vorprogrammiert und nicht jeder kann daher auch länger arbeiten um später mehr zu erhalten. 3. auch das Umlagesystem kann man an die Wand fahren, wenn eigennützige Menschen unberechtigte Leistungen beziehen, bei den Leistungserbringern (z.B. PK,KK) Geld heraus gezogen wird, oder die Einzahler schlicht nicht genügen einzahlen wollen oder können. Ein kulturelles Problem.
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  • Kommentar von Rutli Wiese, Aellgi
    Ich freue mich, wenn die Rentnerinnen und Rentner ein in allen Bereichen LEBENSWERTES DASEIN noch erleben dürfen. Leider fehlen mir jedoch noch einige Eckpfeiler der PK. Wo sind die sog. verzockten Mia. (laut damaligen Pressemitteilungen wurden diese Gelder auf ungefähr 80 bis 100 Milliarden Franken beziffert) ? Unglaublich, dass sich hier kein Arbeitnehmer oder keine Arbeitnehmerin dieses Geld zurückforderte. Rutli ist der Ansicht, dass es noch weitere "dunkle Gänge" für GIER vorh. sind.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Lieber Herr Innenminister, Sie beklagen sich über mangelnde Vorschläge betreffend die AHV Reform. Zur Sanierung der AHV wollen Sie die Mehrwertsteuer erhöhen, noch mehr erhöhen. Das hiesse, dass auch Pensionierte wieder indirekt Beiträge an die AHV entrichten müssten. ich habe Ihnen einen Super Vorschlag: ERHÖHUNG DER LOHNPROZENTE. Denn diejenigen, die arbeiten, sollen auch zur Finanzierung der AHV beitragen, wovon sie einmal profitieren werden. Merci!
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    1. Antwort von Hans Glauser, Herlisberg
      Wenn die Beitragszahler mehr in die Altersvorsorge bezahlen müssen bleibt weniger Geld zum konsumieren. Das wäre nicht im Sinn der Wirtschaft, und, sind wir ehrlich, auch nicht im Sinn vieler Beitragszahler.
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