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Schweiz Es droht ein Wald der Fairtrade-Label

Erntearbeiter pflücken Erdbeeren oder ernten Salat. 55 Stunden oder mehr pro Woche für 3000 Franken monatlich. Die meisten von ihnen sind Ausländer. Uni-Forscher haben Vorschläge zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen untersucht.

Spargel-Arbeiter auf dem Feld.
Legende: Auf den Feldern werden sehr oft Ausländer beschäftigt. Keystone

Viel Arbeit für wenig Lohn. Arbeitnehmer in der Landwirtschaft arbeiten oft unter schlechten Bedingungen. In der Schweiz werden fast immer Ausländer beschäftigt.

Die Universitäten von Zürich und Mumbai haben für eine Studie die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft unter die Lupe genommen.

Oft treffe man in den Höfen auf Hilflosigkeit, sagt Silva Lieberherr, eine der Forscherinnen der Universität Zürich. «Die Erntearbeiter kennen sich untereinander nicht, arbeiten oft isoliert», so Lieberherr weiter. Oft seien sie auch nicht informiert über ihre Rechte. So sei es für sie schwierig, sich selber für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen.

Mehr Kontrolle vom Staat

Wie kann man die Arbeitsbedingungen verbessern? Die Idee eines neuen Fairtrade-Labels wird eher kritisch gesehen. Die von den Forschern befragten Personen sind sich einig. Es gebe schon mehr als genug Fairtrade-, Bio- und regionale Labels. Es drohe eine «Fairtrade-Label-Wald».

Begrüsst wird, dass die Prüfung der Arbeitsbedingungen in bereits bestehende Labels integriert wird. Eine weitere Möglichkeit sei mehr Kontrolle und Regulation vom Staat, so Lieberherr. Seitens der Gewerkschaften wird ein allgemein verbindlicher Gesamtarbeitsvertrag gefordert. Die Argumentation: Die bestehenden Labels basieren auf Freiwilligkeit und können nie alle landwirtschaftlichen Arbeiter erreichen.

Solche grundlegenden Arbeitsrechte dürften nicht von freiwilligen Labels abhängig gemacht werden, argumentieren die verantwortlichen befragten Gewerkschaften weiter. Eine weitere Idee der Gewerkschaften: Die Direktzahlungen des Bundes an die Bauern von der Einhaltung eines sozialen Standards abhängig zu machen.

Die Idee eines neuen Labels

Das untersuchte, geplante Label soll sich auf zwei Bereiche der einheimischen Landwirtschaft konzentrieren. Einerseits sollen Arbeitskräfte und die Arbeitsbedingungen unter die Lupe genommen werden. Der andere Teil prüft die ganze Kette der Versorgung: Vom Bauer über den Händler, zum Detailhändler bis hin zum Konsumenten.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    Ich weiss nicht wer diese dummen Studien eigentlich bezahlen muss. Wenn ich alle Schweizer Arbeitnehmer mit den Arbeitnehmern lohnmässig mit den umliegenden EU-Ländern vergleiche, stehen wir an der Spitze mit den Löhnen und auch mit den Arbeitsverhältnissen. Es ist wieder einmal eine unnötige schlechte Stimmungsmacherei. Ich würde allen Ausländern schlarraffenlandähnliche Zustände versprechen wobei wer soll das mit der Zeit noch bezahlen.
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  • Kommentar von John Doe, Basel
    Ich finde es irgendwie speziell, dass eine Studie über Billiglöhne in's Billiglohnland Indien ausgelagert wird. Aber das ist wohl genau der Unterschied: Erntehelfer kann man nicht in Indien arbeiten lassen (ernten von landwirtschaftlichen Produkten ist Ortsgebunden) - Statistiken auswerten kann man auch in Indien, dort wo unsere "flankierenden Massnahmen" nicht mal anwendbar sind...
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Bei uns arbeiten auch IV Rentner zu Sklavenlöhnen und miesen Arbeitsbedinungen (Sicherheit wie 1970). Doch davon will niemand was wissen. Und die bekommen keine 3000.-, die Arbeiten voll produktiv für 200.-/400.- pro Monat! DAS nenne ich Ausbeutung. Und DAS ist sogar vom BR abgesegnet. Wie damals die Verdingkinder. Aber mit den Behinderten kann man es ja machen, die wehren sich nicht! Ja, es gibt Ombudsstellen und die wissen Bescheid. Doch die sind machtlos und wissen auch nicht weiter.
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