Dritter Erdrutsch bei Bondo «Es war der wohl grösste Murgang»

Eine weitere Schlammlawine hat sich durch Bondo gewälzt. Der Sprecher des Katastrophenstabs zur aktuellen Lage.

Verschüttete Strassen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Murgang am Fuss des Malojapasses verschüttete den Zugang aus dem Engadin ins Tal auf mehreren hundert Metern. SRF

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Zur Person

Christian Gartmann ist Kommunikationsberater und fungiert derzeit als Mediensprecher des Katastrophenstabs in Bondo.

SRF News: Wie sieht die Situation in Bondo aus?

Christian Gartmann: Inzwischen ist es hell und Helikopterflüge konnten stattfinden. Man versucht nun, sich möglichst schnell ein Bild von der Mure der letzten Nacht zu machen.

Weiss man schon mehr über das Ausmass des dritten Erdrutsches?

Nein, derzeit wird das Ausmass noch evaluiert. Wir gehen aber davon aus, dass es der grösste Murgang der letzten Tage war. Wir versuchen uns auch ein Bild davon zu machen, ob es unter den Brücken noch Raum für mehr Material oder allfällige weitere Wasserschwälle hat. Da es derzeit noch regnet, kann es immer auch wieder Wasserschwälle geben, die ohne Murgang kommen.

«  Mit Leuten in das Schadensgebiet zu gehen, wäre derzeit viel zu gefährlich. »

Wann kann man mit neuen Informationen rechnen?

Das ist sehr schwer abzuschätzen. Es hängt davon ab, ob wir in die einzelnen Gebiete vordringen können. Und das wiederum geht nur, wenn die Beobachter im Gebirgsraum gute Sicht haben – wenn der Fels und der Ort, wo die Muren entstehen könnten, sichtbar sind. Nur wenn diese Beobachter uns alarmieren könnten, dürfen wir es wagen, mit Leuten in die Schadenorte hineinzugehen, sonst wäre das viel zu gefährlich.

Wie geht es den Menschen im Bündner Dorf Bondo?

Die Bevölkerung ist in Sicherheit, da Bondo ja schon seit längerem evakuiert ist. Es haben sich in der Nacht keine Einwohner in der Ortschaft aufgehalten. Im Weiler Spino dagegen sind während des Murgangs einige Leute evakuiert worden. Zwei Personen waren in einem Haus eingeschlossen. In einer Winden-Aktion wurden sie von der Rega noch vor Mitternacht mit dem Helikopter geborgen. Aber für uns ist das Wichtigste: Es gibt keine Verletzte.

«  Für uns ist das Wichtigste: Es gibt keine Verletzte. »
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Spenden für Bondo

Logo und Schriftzug der Glückskette

Spenden können auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Bondo» überwiesen werden. Auf www.glueckskette.ch oder mittels Swiss-Solidarity-App sind ebenfalls Spenden möglich.

Nach der Kantonsstrasse ist nun auch die alte Kantonsstrasse gesperrt. Was heisst das für den Verkehr?

Wegen eines weiteren Murgangs weiter oben im Tal ist die Malojastrasse momentan an zwei Stellen unterbrochen. Sie ist bis auf weiteres in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Es gibt im Bergell keine Umfahrung. Es ist von der Umwelt abgeschnitten.

Wie sehen die Prognosen für heute aus?

Wir hoffen, dass die Regenfälle möglichst bald nachlassen. Die Prognosen sagen, es helle gegen Mittag auf. In den nächsten ein bis zwei Tagen werden etwas weniger oder keine Niederschläge mehr erwartet.

Das Gespräch führte Peter Schürmann.