Zum Inhalt springen

Header

Audio
Kampfjet-Technologie aus Europa oder den USA?
Aus Echo der Zeit vom 08.01.2020.
abspielen. Laufzeit 05:11 Minuten.
Inhalt

Europäische oder US-Flieger? Die Qual der Wahl beim Kampfjet-Kauf

Neue Kampfflugzeuge braucht das Land, sagen zumindest die Befürworter. Welche, ist eine delikate aussenpolitische Frage.

Vier Kampfflugzeuge werden derzeit von der Schweiz evaluiert. Zwei aus US-Waffenschmieden: der F/A-18 Super Hornet und der F-35. Und zwei aus Europa: der französische Rafale und der Eurofighter, an dem Deutschland, England, Italien und Spanien beteiligt sind.

Falls alle oder mehrere Modelle die Anforderungen erfüllen, wird die Schweiz vor der Wahl stehen, ob sie sich sicherheitstechnisch von Europa oder den USA abhängig machen will.

Im Szenario eines europäischen Konflikts hätte ich grosses Interesse daran, Kriegsgerät zu besitzen, das meine Nachbarn auch besitzen.
Autor: Marcel StutzEhemaliger Botschafter

Das sei eine entscheidende Frage, sagt der ehemalige Botschafter Marcel Stutz: «Aussenpolitisch binden wir uns damit während dreissig Jahren an ein Land oder einen Block. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bürger zulässt, dass diese Diskussion nicht stattfindet.»

Stutz mit dem ehem. australischen Finanzminister Joe Hockey, 2015 in Canberra.
Legende: Stutz (rechts, neben dem ehemaligen australischen Finanzminister Joe Hockey) war in Australien, Afrika und Kuba stationiert und zuletzt im Aussendepartement für Afrika und den Nahen Osten zuständig. Keystone

Die aussenpolitische Dimension komme bereits im Bericht des Verteidigungsdepartements VBS zum neuen Kampfflugzeug zu kurz, findet Stutz. «Nur auf zwei, drei Seiten gibt es strategische Überlegungen, mit wem man etwas machen will und wo in einem hoffentlich nie stattfindenden Konflikt die Partner sind.»

Der pensionierte Botschafter hat eine klare Meinung, wenn es um die Frage US- oder europäische Technologie geht. «Im Szenario eines europäischen Konflikts hätte ich grosses Interesse daran, Kriegsgerät zu besitzen, das meine Nachbarn auch besitzen.»

Video
Referendum gegen Kampfjets lanciert
Aus Tagesschau vom 08.01.2020.
abspielen

Ähnlicher Meinung ist SP-Sicherheitspolitikerin Priska Seiler-Graf. Sie weist auf einen weiteren Punkt hin, nämlich darauf, wer die Daten der Kriegsflugzeuge kontrolliert: «Bei den amerikanischen Typen – insbesondere beim F-35 – wären wir bei der Informatik völlig abhängig von den USA.» Das wolle sie nicht.

Während die USA die Daten ihrer Kampfjets weitgehend bei sich behielten, sei das bei europäischen Ländern weniger stark der Fall, sagt Seiler-Graf. Das sei ein wichtiger Punkt, wenn die Schweiz sicherheitspolitisch möglichst unabhängig bleiben wolle.

Bei den amerikanischen Typen – insbesondere beim F-35 – wären wir bei der Informatik völlig abhängig von den USA.
Autor: Priska Seiler-GrafSicherheitspolitikerin der SP

Zur Frage sagt das VBS, dass die Evaluation alleine technische Aspekte berücksichtige. Dazu gehörte auch die Frage technologischer Abhängigkeiten. Politische Fragen seien Sache des Bundesrates, der auch aussen-, wirtschafts- oder europapolitische Aspekte einbeziehen könne.

Neu dabei ist aber: Das VBS sowie der Bundesrat sollen diese politischen Überlegungen alleine anstellen und den Typen-Entscheid erst nach der Abstimmung treffen. Beim geplanten Gripenkauf vor sechs Jahren wurde der Beschaffungsprozess hingegen von einer Subkommission des Parlaments begleitet.

Beide Regionen erfüllen die entsprechenden Anforderungen.
Autor: Thomas HurterSicherheitspolitiker der SVP

Präsident dieser Kommission war SVP-Sicherheitspolitiker Thomas Hurter: «Die Idee dahinter war, dass die politischen Fragen bereits in einem frühen Stadium zur Diskussion kamen.» Man habe in der Subkommission erreichen können, dass die entsprechenden Verträge der Anbieter gut ausgearbeitet worden seien.

Spaltung verhindern

Auch wenn die Mitarbeit des Parlaments damals hilfreich gewesen sei: Heute sei sie nicht mehr nötig, beteuert Hurter. Es gelte, die Erneuerung der Luftabwehr zu sichern. Ob mit Technologie aus den USA oder Europa, da wolle er sich momentan nicht festlegen: «Beide Regionen erfüllen die Anforderungen.»

Verschiedene andere bürgerliche Mitglieder der Sicherheitskommission verzichten darauf, sich öffentlich zu dieser Frage zu äussern. Sie folgen allesamt der Strategie des VBS, bis zur Abstimmung keine Typendebatte zu führen. Damit wollen sie verhindern, dass das Lager der Kampfjet-Befürworter gespalten wird, wie es beim Nein zum Gripen geschah.

Diese Kampfjets stehen in der engeren Auswahl
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

47 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    Man darf doch annehmen, dass die Amgaben der technischen Daten der Flugzeugtypen korrekt sind. Damit würde der F-35 ausser Ramg und Traktanden fallen. Mit seiner bescheidenen Reichweite kommt er gerade noch mit dem letzten Tropfen Treibstoff zurück, wenn er von Payerne aus in das Unterengadin fliegen soll. Luftbetankung gibt es bei uns nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Adi Berger  (Adi B.)
    Wenn wir nicht auch über Typ und Anzahl Flugis abstimmen können ist duese Vorlage schon heute so gut wie gescheitert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Als Unterstufenschüler hatten wir ein Kartenspiel mit Kampfflugzeugtypen aus aller Welt. Wer hat den grössten, welcher hat die grösste Schubkraft (eine Angabe, die ich in den Steckbriefen hier schmerzlich vermisse, wie soll der Leser da seriös seine Wahl treffen können!) Im Ernst: Kein Wort gegen eine glückliche Kindheit, aber irgendwann sollte man in der Lage sein, reale Bedrohungen zu erkennen. Hier aber geht es nur darum, mögl. viele Milliarden Steuergeld in die Rüstungsindustrie zu lenken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Lieber Herr Diethelm. Vielen Dank,dass Sie diesen Kommentar geschrieben haben.Sie machen sich echt Gedanken,dies spürt man. Klar profitiert die Flugzeugindustrie vom Verkauf der Kampfjets. Jedoch möchte ich Sie darauf hinweisen,dass die "realen Bedrohungen", wie Sie es nennen, auch aus der Luft kommen. Neben Cyber (inkl Terrorbekämpfung)und Bodentruppen, gehört ein mit modernen Mitteln und Fähigkeiten ausgerüsteter Schutz des Luftraumes zum GESAMTSYSTEM ARMEE, wie Frau BR Amherd dies definiert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen