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Ewiger Praktikant Immer mehr Junge in prekärer Anstellung

Der Start ins Job-Leben war schon einmal leichter. Oft ist die Arbeit befristet oder ein schlechtbezahltes Praktikum.

Wenn die letzten grossen Examen bestanden sind, können die Jugendlichen endlich in die unbeschränkte Arbeitswelt eintauchen. Für Einige mutiert der grosse Sprung ins Berufsleben jedoch zum grossen Sprung in die erschreckende Ungewissheit, denn befristete Verträge kommen immer mehr in Mode.

Legende: Video Schwerer Start in den Beruf abspielen. Laufzeit 03:42 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.08.2018.

Gemäss einer jährlichen Umfrage des Kaufmännischen Verbands Schweiz, finden ungefähr 40 Prozent unmittelbar nach dem Abschluss nur eine befristete Stelle. Laura Perret vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund ist alarmiert. «Diese Entwicklung macht uns Sorgen. Das ist einfach nicht akzeptabel, dass immer mehr junge Leute eine prekäre Anstellung haben.»

Der Arbeitgeberverband verteidigt hingegen die Temporär-Verträge. «Zum einen suchen die Jungen natürlich auch bewusst befristete Anstellungen, weil sie Auslandspläne und andere Weiterbildungen haben. Zum anderen bilden Arbeitgeber oft mehr Leute aus, als sie selber beschäftigen können», sagt Roland Müller vom Schweizerischen Arbeitgeberverband.

Legende:
Arbeitnehmende mit befristetem Arbeitsvertrag 2017 BFS

Unter dem Stichwort «Erfahrungen sammeln» laufen auch die Praktika nach der Lehre. Auch hier sind die Jungen nur temporär angestellt und verdienen meist wenig. 2017 war davon fast jeder Zehnte betroffen.

Die Praktika sollen eigentlich, wie es der Name selber schon sagt, zusätzliche Praxis-Erfahrungen in der Berufswelt liefern. Doch der Gewerkschaftsbund kritisiert: Oft würden die Jugendlichen als billige Arbeitskräfte missbraucht.

Er fordert deshalb klare Richtlinien. «Zuerst muss man unbedingt eine Bildungskomponente festlegen, dann die Begleitung in der Firma sicherstellen und die Arbeitsbedingungen wie Lohn, Dauer und Arbeitszeit definieren», so Laura Perret.

Ausbilder und Lehrling.
Legende: 2017 arbeitete fast jeder Zehnte ausgebildete Jugendliche als Praktikant – Tendenz steigend. Getty Images

Praktikanten seien keine billigen Arbeitskräfte für die Arbeitgeber, sagt hingegen der Schweizerische Arbeitgeberverband. «Sie wollen natürlich den jungen Leuten, die Praktika absolvieren, Möglichkeiten bieten – eine Ausbildungskomponente unterstreichen.» Da dürfe man jetzt nicht einseitig davon ausgehen, es sei einfach eine Beschäftigung zu tiefem Lohn. Das wäre völlig verfehlt, so Roland Müller.

Ob die Praktikumsbedingungen arbeitsrechtlich geregelt werden sollen, wird bald auch im Nationalrat diskutiert. Eine entsprechende Motion wurde eingereicht. Eine politische Debatte, die von den Jugendlichen bestimmt mit grossem Interesse verfolgt werden wird.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Der Lohn sollte mindestens so hoch sein, dass ein Praktikant seinen minimalen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann. Ein Praktikant der aus einfachen finanziellen Verhältnissen stammt und über kein Hotel "Mama" verfügt, kann mit 2000 CHF / Mt. in der CH seinen Lebensunterhalt nicht selbständig bestreiten! Ich erlebte einen solchen Fall einer jungen Praktikantin mit bestem Fachhochschulabschluss. Was sich hier gewisse Arbeitgeber erlauben ist skrupellose Ausbeutung dieser junger Menschen.
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  • Kommentar von Konrad Schläpfer (Koni)
    Nach der Lehre eine Anstellung für ein Praktikum im selben Betrieb, zu einem Lohn wenig über dem Lehrlingslohn, ist eine Schande und ein Missbrauch. Für was macht man denn eine Lehre? Einem solchen Betrieb sollte man die Berechtigung Lehrlinge Ausbilden absprechen.
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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Was sich gewisse Arbetgeber mit den Anstellungsbedingungen und Löhnen gegenüber Praktikanten mit besten Studiumabschlüssen erlauben ist eine absolute Frechheit und zeugt von einem unfairen sozialen Verhalten. Das passt ja bestens zum allgemeinen Gejammer über den Fackräftemangel. Warum interveniert hier nicht der Arbetgeberverband und/od. bürgerliche Politiker? Auch die linken Parteien u. Gewerkschaften scheinen sich um diese Missstände nicht zu kümmern.
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