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Schweiz Fall Marie: Gutachter will lebenslange Verwahrung

Im Fall Marie hat der Neuenburger Psychiater Philippe Vuille für die lebenslange Verwahrung des Angeklagten plädiert. Der Grund: Psychopathen wie der Angeklagte änderten sich nie und könnten auch nicht therapiert werden.

Legende: Video Prozess Marie: Gutachter sind sich nicht einig abspielen. Laufzeit 04:16 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 09.03.2016.
Das Gerichtsgebäude in Renens, davor zwei Polizisten in blauer Uniform
Legende: Die Experten am Strafgericht in Renens sind sich nicht einig, ob der Angeklagte lebenslang verwahrt werden soll. Keystone

Der Neuenburger Gutachter und Psychiater Vuille bekräftigte vor dem Strafgericht in Renens (VD) sein hartes Urteil gegenüber dem mutmasslichen Mörder von Marie. Der bereits vorbestrafte Wiederholungstäter sei ein Psychopath mit sadomasochistischen, dominanten und exhibitionistischen Zügen.

Marie bemerkte den «bösen Blick»

Ausserdem habe er beim 39-jährigen Angeklagten multiple Störungen der sexuellen Vorlieben erkannt. Viele Menschen integrierten solche Vorlieben in sexuellen Spielen. Beim Angeklagten sei das anders.

Die im Jahr 2013 in Payerne (VD) entführte und später mit ihrem Gürtel erdrosselte Marie habe von den «bösen Augen, dem bösen Blick» des Angeklagten gesprochen. Ab einem bestimmten Moment habe sie begriffen, «dass es sich nicht um ein Spiel handelte».

Legende: Video Deshalb wollen Maries Eltern am Prozess teilnehmen abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.03.2016.

Psychiater getäuscht

Laut Vuille hat der mutmassliche Mörder der 19-jährigen Frau ein Bedürfnis zu dominieren. Zudem empfinde er Freude daran, andere Menschen zu quälen und zu zerstören. Der Mann spiele mit Gefühlen, lüge schnell und könne selbst Psychiater täuschen.

Gutachter Vuille sagte vor Gericht weiter, er habe in seiner Praxis genügend Erfahrung mit solchen Menschen gesammelt. Er habe mindestens drei oder vier Menschen mit den gleichen psychopathischen Störungen gesehen, die gemordet hätten.

Lebenslange Verwahrung aus Respekt vor Abstimmungsresultat

Aus seiner Praxis könne er sagen, dass sich «solche Menschen nicht änderten und nicht therapiert werden könnten». Der Angeklagte werde bis zu seinem Tod an seiner Störung leiden, für ihn gebe es keine Therapie. Er sei «unheilbar».

Eine lebenslange Verwahrung des Angeklagten sei aufgrund dieser Diagnose angezeigt. Persönlich habe er zwar gegen die Verwahrungsinitiative gestimmt und finde diese lebenslange Verwahrung einen Blödsinn. Trotz allem sei die Schweiz aber ein Rechtsstaat und es gelte, Abstimmungsresultate zu respektieren.

Kontroverse unter Experten

Noch nicht befragt hat das Gericht den zweiten Gutachter, den Solothurner Lutz-Peter Hiersemenzel. Er kam in seinem Gutachten zum Schluss, dass der Angeklagte zwar an schweren Persönlichkeitsstörungen leidet und ein hohes Rückfallrisiko besteht. Im Unterschied zu Vuille ist Hiersemenzel aber der Ansicht, dass aus Sicht der Wissenschaft eine Prognose bis ans Lebensende nicht möglich ist. Er ist deshalb gegen eine lebenslange Verwahrung.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pur l'art)
    Man muss sich das mal vor Augen halten: Für eine lebenslange Verwahrung, also lebenslange Haft, ohne je auf Aussicht, wieder in Freiheit zu sein, soll die Stimme eines einzigen Menschen, genannt Gutachter, ausreichen?
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Lucas Kunz, die Tat eines Mannes reichte aus, dass wir alle die Stimme von Marie nie mehr hören können. - Vielleicht sollte man das auch mal so sehen, oder ???
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Zum. Glück gibt es da bei der Verwahrung von Straftätern nicht auch noch eine Härtefallbeurteilung, die geltend gemacht werden kann. - Etwas zynisch, aber dennoch aktuell....!
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Das Gesetz zur Umsetzung der Verwahrungsinitiative ist eindeutig unbrauchbar, weil in keiner Weise geeignet, den Willen des Volkes umzusetzen. Wenn 2 Psychiater einstimmig sagen müssen, dass jemand unheilbar sei, wird sich immer einer finden, der sich von den Verteidigern anheuern lässt, um "aus wissenschaftlichen Gründen" gegen eine lebenslange Verwahrung zu urteilen. Erstens ist das lukrativ und zweitens steht man im Rampenlicht. Wie oft soll einer eigentlich morden dürfen?
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Das ist eben die besondere Verwerflichkeit, dass gewisse "Gutmenschen" sich sogar bei solch unheilbaren, brutalen Psychopathen noch ins "Rampenlicht" stellen wollen und dabei noch viel Geld verdienen! Sie haben völlig Recht, Herr Frei, bis jetzt ist die an der Urne angenommene Verwahrungs-Initiative erst bei 1 (!) Fall angewendet worden! Am liebsten hätten oder würden gewisse Narzissten in der "Gutmensch-Szene" lieber die damaligen Initianten verwahrt!!!
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