Zum Inhalt springen

Terrorgruppe Boko Haram Floss Schweizer Geld zur Freilassung der Mädchen?

Die Terrorgruppe Boko Haram hat in Nigeria 82 entführte Mädchen freigelassen. Die Schweiz hatte vermittelt. Laut dem Präsidenten der Aussenpolitischen Kommission, SVP-Nationalrat Roland Büchel, verträgt sich dies gut mit der Schweizer Neutralität.

Legende: Audio Roland Büchel geht davon aus, dass kein Geld geflossen ist abspielen. Laufzeit 2:33 Minuten.
2:33 min, aus HeuteMorgen vom 08.05.2017.

SRF News: Sind Sie mit dem Resultat des Gefangenenaustauschs zufrieden?

Roland Büchel: Es ist sehr erfreulich, dass wieder 82 Mädchen freikamen. Wahrscheinlich sind immer noch rund 100 in den Händen dieser Terroristenbande. Es ist höchst erfreulich, dass die Schweiz eine Rolle in solch schwierigen Fällen spielen kann. Wichtig ist aber auch, dass die Schweiz kein Geld fliessen lässt, ob direkt oder über Entwicklungshilfe.

Die entführten Mädchen von Boko Haram.
Legende: 82 entführten Mädchen von Boko Haram sind in Freiheit. Keystone

Haben Sie Gewissheit, dass auch in diesem Fall kein Schweizer Geld floss?

Ich habe keine Gewissheit. Aber es wurde uns – auch in Fällen mit entführten Schweizerinnen oder Schweizern – immer versichert, dass nie Geld floss, weder direkt noch indirekt. Das ist sehr wichtig, denn wenn einmal Geld fliesst, haben die Leute eine Art Preisschild um den Hals: Terroristen wissen, dass sie noch mehr verlangen und noch brutaler vorgehen können, wenn Schweizer involviert sind. Das darf nicht passieren. Ich gehe davon aus, dass auch in diesem Fall in diese Richtung nichts geschehen ist.

In diesem Fall lief die Freilassung über einen Gefangenenaustausch, das heisst, frei sind nun auch Mitglieder von Boko Haram. Es soll sich dabei um Kommandanten handeln, heisst es in Agenturberichten. Hat die Schweiz da wirklich zu einer guten Lösung beigetragen?

Es stellt sich die Frage, was «Kommandant» heisst. In Militärkreisen gibt man sich grossartige Titel, das ist auch bei diesen Leuten nicht anders. Wenn es wirkliche Chefs sind, die etwas zu sagen haben, dann ist es problematisch. Wenn es aber irgendwelche Leute sind, die Titel haben, aber keine Terroristen sind, die etwas zu berichten haben, dann ist es weniger problematisch.

Dass die Schweiz in solch schwierigen Fällen eine Rolle spielen kann, ist höchst erfreulich.
Autor: Roland BüchelPräsident Aussenpolitische Kommission

Verträgt sich die Rolle der Schweiz bei den Verhandlungen mit dem Neutralitätsprinzip?

Die Rolle als Mittler verträgt sich ganz klar mit der Neutralitätspolitik, wenn sie intelligent und geschickt gespielt wird. Wenn man aber versucht, zu politisieren, dann ist es ebenso klar, dass es sich nicht verträgt.

Das Gespräch führte Gaudenz Wacker.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von rosi gantenbein (lara croft)
    Es würde mich nicht wundern, wenn Geld geflossen wäre. Zu glauben, freiwillig und selbstlos würde dies so eine Terrororganisation tun, wäre blauäugig. Dadurch befreit man ein paar Menschen und ermöglicht es, dass neue Kalaschnikows gekauft und damit wieder viele weitere Unschuldige umgebracht werden....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Niklaus Bächler (quod erat demonstrandum)
      Was wäre Ihnen ihr Leben wert?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Niklaus Bächler (quod erat demonstrandum)
    Was soll diese Frage nach dem Geld? Es geht hier um Menschen, da ist doch Geld nicht das Thema! Jeder, der hier solche irrwitzigen Frage stellt, sollte sich selbst fragen,wie viel er für seine Freilassung «wert» ist und dann darf er wieder mitreden! Die Frage nach dem Geldwerten Preis ist eine westliche Unsitte und zeigt, dass wir in unserer Kultur das Geld dem Faktor Menschen und dem Leben mehr Wertung schenken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Dann lesen Sie doch den anderen SRF-Artikel "In Nigeria sind Entführungen Alltag". Die Entführer haben sich nämlich ein lukratives Geschäft daraus entwickelt. Wo sehen Sie hier die Rolle des westlichen "geldwerten Preises"? Die Pflegeheime, die sich in Osteuropa wie Pilze aus dem Boden wachsen und die noch östlicheren Prostituierten, die sich - falls notwendig - zu Mannfrau operieren, um die Liebe zu verkaufen. Also hören Sie auf, uns schlechtes Gewissen einjagen zu wollen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von robert mathis (veritas)
      N.Bächler vielleicht sehen Sie auch diesen Aspekt : wir werden erpressbar und diese" Schlaumeier" werden das ganz schnell merken und anwenden.Das Traurige aber ist dass dann das erpresste Geld genau wieder dazu verwendet wird um Entführungen aus zu führen. Das hat mit Vernunft und nicht mit Wertung des Menschenlebens .Mit Geld können Sie diese Verbrecher nicht stoppen, überall auf der Welt herrscht Krieg und das ist ein "Fratze" davon.Ich möchte nicht entscheiden müssen (---)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    Eigentlich ist die Unterscheidung ob Geld fliesst doch nicht so wichtig. Die Terroristen bekommen ja so oder so einen Gegenwert, jetzt war es eben die Freilassung ihrer Leute. Schafft das keinen Anreiz zu entführen? Denken alle dass die Terroristen nur für Geld entführen, nicht um ihre Soldaten zu befreien? Ich will keine Position für oder gegen den Gefangenenaustausch einnehmen, darüber muss ich noch nachdenken, aber die Unterscheidung wegen Geld hier, ist auf jeden Fall etwas künstlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen