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Legende: Audio Dr. Juchheim-Crèmen: Doch kein Wundermittel. abspielen. Laufzeit 07:18 Minuten.
Aus Espresso vom 02.09.2019.
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Fragwürdige Kosmetik Dr. Juchheim-Kosmetika: «Au-Effekt» statt «Wow-Effekt»

Die teuren Kosmetika eines gewissen Dr. Juchheim versprechen wahre Wunder. Humbug.

Auf sozialen Medien wie Facebook häufen sich begeisterte Beiträge und beeindruckende Vorher-Nachher-Bilder von Dr. Juchheim-Kunden. Die Produkte des Arztes Dr. Jürgen Juchheim aus München sollen angeblich innerhalb von Minuten oder Stunden wirken – und Falten oder Cellulite wundersam verschwinden lassen.

Verkauft werden die Juchheim-Produkte unter anderem an Veranstaltungen à la Tupperware-Party. Günstig sind sie nicht: Eine «Bodylift-Ultra-Firming»-Crème kostet 160 Franken und eine Anti-Aging-Nachtcrème 200 Franken pro Dose.

«Die Haut brennt und juckt»

Eine Hörerin des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» will wissen, was an der Sache dran ist und kauft an einer Veranstaltung diverse Crèmen für rund 600 Franken. Unter anderem auch Anti-Cellulite-Crème für rund 130 Franken pro Dose.

Doch anstatt dem «Wow-Effekt» gibt’s lediglich einen «Au-Effekt»: Die Haut wird feuerrot und schmerzt: «Ich lag zwei Stunden auf der Polstergruppe und habe mich fast nicht getraut, mich zu bewegen. Es schmerzte und brannte dermassen.» Die Cellulite allerdings, die blieb.

Beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» melden sich weitere Hörer. Sie machen sich Sorgen um Freundinnen, die gut bezahlte Jobs an den Nagel hängen und plötzlich Juchheim-Produkte verkaufen: «Reife Frauen, die plötzlich alles stehen und liegen lassen».

Die Schwester eines SRF-Hörers ist Juchheim-Beraterin geworden. Sie wolle ihm ständig etwas verkaufen und ihn dazu motivieren, ebenfalls einzusteigen. «Das kann ich nicht. Ich lüge die Leute sicher nicht an und verspreche, dass die Sachen Wunder wirken, wenn ich überhaupt nicht überzeugt bin», sagt er gegenüber «Espresso».

Juchheim-Beraterinnen versprechen, diese Produkte seien «eine wahre Geldmaschine». Doch der Hörer bezweifelt, dass seine Schwester viel daran verdient. Wer Juchheim-Berater sein wolle, müsse pro Monat für mindestens 500 Franken einkaufen. Und das Zeug entweder verscherbeln oder andere Berater anwerben, die die Ware verkaufen. Er hofft, dass seine Schwester eines Tages die Augen öffnet und aussteigt. Bevor sie selber viel Geld verloren hat.

«Bilder lassen sich sehr leicht manipulieren»

Das SRF-Konsumentenmagazin legt die Vorher-Nachher-Bilder Peter Holzwarth von der Pädagogischen Hochschule Zürich vor. Er kennt sich mit Bildmanipulationen aus. Und warnt: Solche Vorher-Nachher-Effekte lassen sich sehr einfach herstellen – durch unterschiedliches Licht, unterschiedliche Winkel, durch Filter oder Ähnliches: «Ich kann es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit nachweisen. Aber die Vermutung ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, dass entweder vorher oder nachher Veränderungen vorgenommen wurden.»

Die Haut quillt kurzfristig auf

Auch Oberärztin Kristine Heidemeyer, Leiterin der ästhetischen Dermatologie am Inselspital Bern, legt «Espresso» die Bilder vor. Sie sagt: Dass Falten und Cellulite innerhalb von Minuten oder Stunden definitiv verschwinden, sei rein physikalisch gar nicht möglich. Das Geheimnis solcher Produkte sei häufig, dass sie die Haut kurzfristig aufquellen und deshalb temporär glatter erscheinen lassen. Von Cellulite-Crèmen rät die Dermatologin ganz generell ab. Bei anderen Salben ihr Tipp: Einfach nicht zu viel Geld ausgeben.

So reagiert Dr. Juchheim

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Auf die diversen Fragen und Kritikpunkte von «Espresso» reagiert die Dr. Juchheim GmbH zuerst nur mit einem dürren Statement: «Sollte sich ein Hörer / eine Hörerin tatsächlich bei Ihnen melden und Fragen zur Dr. Juchheim GmbH haben, darf sich dieser vertrauensvoll an unser Unternehmen (Dr. Juchheim GmbH) wenden.» Nach der Ausstrahlung des Beitrags traf dann noch folgende Stellungnahme ein: "Die im Beitrag genannte Veranstaltung war nach den erkennbaren Daten eine Geschäftspräsentation des betreffenden Vertriebspartnerunternehmens für weitere an einer Partnerschaft interessierten Unternehmen und keine Verkaufsveranstaltung. Daher war dort kein Test von Produkten vorgesehen. Die pauschale Aussage einer Ärztin wäre auf unsere Produkte bezogen falsch. Zielsetzung und tatsächliche Wirkung unserer Produkte ist kein „kurzfristiges Aufquellen“. Frau Kristine Heidemeyer kennt unsere Produkte offensichtlich nicht und kann deren Wirkung daher auch nicht beurteilen. Nach den vorliegenden Daten bietet die Abteilung des Inselspitals Bern, für das die Ärztin tätig ist, kosmetisch-chirurgische Eingriffe an. Diese Angebote stehen in Konkurrenz zu unserem Angebot einer kosmetischen Behandlung unerwünschter Hauterscheinungen. Ein objektiver Pressebeitrag sollte sich nach unserer Auffassung auf unabhängige Meinungen und nicht auf die Aussagen von Konkurrenten stützen. Unsere Produkte können in der Schweiz, Deutschland und Österreich und anderen Staaten flächendeckend bei VP in Absprache unter fachlich angeleiteter Anwendung getestet werden. Wie dargelegt ist es keine Voraussetzung einer Zusammenarbeit mit VP, dass monatlich in irgendeinem Umfang Produkte erworben werden. Wie bereits mitgeteilt, sind unsere Fotodokumentationen professionell erstellt worden. Die klären über tatsächlich feststellbare Wirkungen der Produkte auf und sind in keiner Weise irreführend. Auf welche Abbildung der Beitrag konkret Bezug nimmt, ist nicht ersichtlich. Daher können wir die Authentizität nicht prüfen. Zu der veröffentlichten, möglicherweise manipulierten Darstellung haben wir Ihnen schon unsere Auffassung dargelegt."

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