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Schweiz Frischgebackene Mütter erhalten die Kündigung

Kündigungen nach dem Mutterschaftsurlaub – das komme offenbar immer öfter vor, sagen die Fachleute auf den Gleichstellungsbüros. Für den Arbeitgeberverband gibt es hingegen zu wenig Hinweise, um bereits von einem Trend zu sprechen.

Eine schwanger Frau steht vor einem Computer.
Legende: Entlassungen nach der Schwangerschaft kommen in der Schweiz immer öfter vor. Keystone

Derzeit seien Entlassungen nach der Schwangerschaft das meistdiskutierte Thema bei der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich, sagt der Jurist Aner Voloder: «Wir verzeichnen einen enormen Anstieg an Anfragen und Beratungen zu diesem Thema. Seit 2013 haben sich die Fälle vervierfacht.»

Ähnlich tönt es bei anderen Gleichstellungsbüros in der Schweiz. Auch die Schlichtungsstellen für Diskriminierungsfragen in Basel und Zürich bestätigen den Trend – wenn auch auf tieferem Niveau. Während der Schwangerschaft und 14 Wochen nach der Geburt sind Frauen arbeitsrechtlich besonders geschützt.

Es komme aber oft vor, sagt Voloder, dass «zum Beispiel die Firmen schliesslich zufriedener sind mit der Mutterschaftsvertretung und diese behalten wollen. Dies können sie aber aus Ressourcengründen nicht und kündigen der Mitarbeiterin, die im Mutterschaftsurlaub gewesen ist.»

Arbeitgeberverband geht eher von einzelnen Fällen aus

Warum die Beratungen zu solchen Fällen zunehmen, darüber könne er nur spekulieren, sagt Jurist Voloder. Er führt die Angst der Arbeitgeber an, dass die jungen Mütter öfter abwesend sein könnten oder aber, dass die jungen Mütter heute besser informiert seien und sich häufiger gegen Entlassungen wehrten als früher.

Der Arbeitgeberverband reagiert skeptisch. Für sie gebe es zu wenige Hinweise, um bereits von einem Trend zu sprechen, sagt Daniella Lützelschwab: «Wir gehen eher davon aus, dass es einzelne Fälle sind, die vielleicht jetzt auch zugenommen haben, weil grundsätzlich vermehrt Frauen in den Arbeitsmarkt einsteigen.»

Voloder vom Gleichstellungsbüro möchte mehr Klarheit. Er fordert denn auch «eine genauere Analyse, wieso wir im Moment mit so vielen Anfragen und Diskriminierungen am Arbeitsplatz infolge Mutterschaft und Schwangerschaft konfrontiert sind». Der Arbeitgeberverband hingegen hält eine solche Untersuchung derzeit nicht für nötig.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Das glaube ich sofort, ein Teil der Privatindustrie hat sich schon immer unsozial verhalten. Vor Jahren war es gang und gäbe, Ausländer und nicht Militärdienstpflichtige zu bevorzugen um ja keine Nachtteil zu haben.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Es scheint in die Amtsstuben und staatlich unterhaltenen NGOs noch nicht vorgedrungen zu sein: Ein Geschäft, ein Betrieb ist kein Umsetzungsprogramm sozialen Wunschdenkens und zeitgeistiger politischer Vorgaben. Ein Geschäft, ein Betrieb muss rentieren oder er ist weg, samt Schwangeren und Nichtschwangeren. Allfälliger Gewinn ist Voraussetzung für dessen Fortbestand und einziger Gründungsgrund.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Und dann ist es plötzlich legitim, dass ausländische Männer angestellt werden anstatt Schweizer Frauen, die dann arbeitslos oder Sozialhilfeabhängig sind? Dann braucht es ja gar keine MEI mehr?
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  • Kommentar von Jos Schmid (Jos Schmid)
    Die drängende Frage ist: Wieso tut sich nur die Schweiz so schwer? - Und weshalb? Wenn wir uns nicht rasch ändern werden wir daran zu Grunde gehen. Wieso wollen wir, dass uns die Privatwirtschaft bevormundet?
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