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Schweiz Für 10 Prozent sind Promille tägliches Muss

Volksdroge Alkohol: Jeder kennt die Risiken, die Kosten für die Gemeinschaft sind immens. Doch der Drang nach C₂H₅OH, besser bekannt als Ethanol, ist stärker, und akzeptiert. Eine Dialogwoche des Bundes zum Thema soll sensibilisieren.

Jeder Fünfte in der Schweiz trinkt sich mindestens einmal pro Monat in einen Rausch. Die Hälfte von ihnen tut dies wöchentlich oder häufiger. Die höchste Quote haben junge Erwachsene. 40 Prozent der 20 bis 24jährigen lassen sich mindestens einmal monatlich «volllaufen».

Übermässiger Alkoholkonsum sei aber kein reines Jugendproblem, betont Petra Baumberger, Generalsekretärin beim Fachverband Sucht. «Die Jugendlichen trinken nicht mehr Alkohol als früher», es werde durch die Medien einfach mehr wahrgenommen. Generell nehme der Alkoholkonsum in der Schweiz seit einigen Jahren sogar ab. «Das heisst aber nicht, dass wir damit keine Probleme haben in der Gesellschaft», erklärt Baumberger gegenüber Radio SRF.

Es wird in Gesellschaft getrunken

Am gefährlichsten ist Alkohol, wenn er regelmässig konsumiert wird. 10 Prozent der Schweizer trinken jeden Tag Alkohol, so das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Grundsätzlich zeigt sich, dass mit dem Alter der regelmässige Alkoholkonsum zunimmt. So trinkt knapp jeder Dritte über 74 Jahren täglich.

Das BAG will mit seiner Dialogwoche , Link öffnet in einem neuen Fensterunter dem Motto «Ich spreche über Alkohol» vom 18. - 26.5. auch Ältere konkret ansprechen. Eine Informationsseite , Link öffnet in einem neuen Fensterzu Sucht im Alter wurde bereits eingerichtet. Dazu kommen mehrere hundert lokale Aktivitäten schweizweit, einige explizit für ältere Menschen.

Der hohe Wert des Alkoholkonsums liegt nicht an grösserer Einsamkeit im Alter. Alkoholkonsum wird in der Schweiz von den Befragten mit Geselligkeit assoziiert. Die Trinkmenge steigt nicht, wenn Menschen alleine sind. Kaum jemand (4 Prozent) trinkt alleine Alkohol, um «zumindest selten Probleme zu vergessen oder Schmerzen zu lindern».

Wenige Schwangere trinken viel

Gesamtschweizerisch liegt der Wert der starken Trinker bei 4,5 Prozent. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz wird deutlich mehr exzessiv getrunken als in der Deutschschweiz. Etwa 6 Prozent der Bevölkerung trinken lebenslang keinen Alkohol. Hauptgründe dafür sind die ungesunde Wirkung, gesundheitliche Probleme, aber auch religiöse oder erzieherische Bräuche.

Laut BAG verhalten sich schwangere oder stillende Frauen «recht verantwortungsbewusst». Auffällig ist aber, dass Frauen, die täglich wenig trinken, nach Bekanntwerden der Schwangerschaft häufiger zum Glas greifen. Der Wert steigt von rund 59 auf 64 Prozent. 6 Prozent der Schwangeren trinken sich mindestens einmal pro Monat in einen Rausch, häufiger als vor Bekanntwerden der Schwangerschaft.

3,2 Mrd. Franken Kosten für die Gesellschaft

Die Folgekosten des Alkoholkonsums sind immens. Alkoholbedingte Krankheiten und Strassenunfälle verursachen jährliche Kosten von 726 Millionen Franken. Alkoholbedingte Todes- und Invaliditätsfälle sowie Arbeitslosigkeit verursachen weitere 1,47 Milliarden Franken Folgekosten jährlich, so das BAG gegenüber «SRF News Online». Dazu kommen 1 Mrd. Franken für die Betriebe wegen mangelnder Produktivität, Arbeitsausfällen, Krankheiten, Fehlleistungen, Unsicherheiten und fehlender Aufmerksamkeit der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz.

Addiert ergibt sich so eine Schadenssumme von rund 3,2 Milliarden Franken, welche auf die Gesellschaft abgewälzt wird. Dazu kommen Kosten für Leid und Schmerz, unter welcher die Umgebung von Alkoholkranken leidet.

Anfang des Jahres beschäftigte sich auch die «Arena» mit dem Thema Alkohol in der Schweizer Gesellschaft. Mehr dazu finden Sie hier. Der Alkoholkonsum weltweit ist in Europa am höchsten. Die fünf Länder mit dem grössten Alkoholkonsum pro Kopf liegen alle im ehemaligen Ostblock mit über 15 Litern reinem Alkohol pro Kopf und Jahr. Erstes westeuropäisches Land ist auf Rang 6 Andorra. Die Schweiz liegt mit gut 11 Litern im unteren Drittel der europäischen Länder.

«Massage und Untergang»

Gelallte Schwüre in rot-blauem Licht, vierzigprozentiges Gleichgewicht

Was ist hier los, was ist passiert? Ich hab' bloss meine Nerven massiert

Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst, Alkohol ist das Schiff, mit dem du untergehst

H. Grönemeyer (Ausschnitte aus «Alkohol»)

Standard der WHO

Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Risikomenge Alkohol bei 20-40 Gramm pro Tag bei Frauen und 40-60 Gramm pro Tag bei Männern. Ein Standardglas entspricht 12 Gramm reinen Alkohols. Standardgetränke sind 1 kleines Glas Bier, 1dl Wein, eine Flasche Alkopops, ein Aperitif oder einen Schnaps.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von S.Sachser, Basel
    Bleibt noch was anzumerken. Laut Definition hat ein Mensch eine Alkoholvergiftung, wenn die Körperreaktion unkontrolliert verläuft. Wer also nicht mehr aufrecht gehen kann hat eine Vergiftungserscheinung und gehört ins Spital auf die intensive Patientenstation. Interessant zu wissen oder? Der Sanitransport mit dem 144 ist also schon meistens unter einem pro Mille in den meisten Fällen gerechtfertigt.
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  • Kommentar von S. Sachser, Basel
    Wer sich besäuft soll alles doch selber berappen und die Kassen sollen nichts mehr bezahlen. Den Sanieinsatz 1800 Fr., die Intensivstation mit etwa 9000 Fr., bei gewalttätigkeiten zwei Securitas 1000 Franken, dann Infusion und Verpflegung für 300 Fr. Putzen von erbrochenem 3000 Fr. Wenn ansprechbar kommt man in die Ausnüchterungszelle. 300 Fr. Polizeitransport, Ausnüchterungszelle 8 Stunden zu 2300 Fr. Reinigung 500 Fr. Fertig. Dieser Trip macht dann: 18200 Fr. Keiner ist mehr besoffen!
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  • Kommentar von Ruedi Graf, Solothurn
    Ich hatte früher massive Probleme mit Alkohol und mich deswegen zur Abstinenz entschieden. Ich hab dann eine Therapie gemacht und fand zum Glauben an Gott. Dies gab mir die Kraft, auch in stürmischen Lebenszeiten trocken zu bleiben. Ich lebe nun seit über 20 Jahren ohne Alkohol und geniesse das Leben. Ihr habt schon recht, dass Verbote nicht viel bringen, ich finde es aber genau so falsch, wenn Suchtprobleme verharmlost werden.
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