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Schweiz Gauck auf EU-Werbetour in der Schweiz

Deutschlands Bundespräsident Gauck stattet der Schweiz einen Besuch ab. Am Mittag wurde er in Bern von Bundespräsident Burkhalter mit militärischen Ehren begrüsst. Nach dem knappen Ja zur Zuwanderungs-Initiative will Gauck für den Wert von Freizügigkeit als eine der Grundfreiheiten der EU werben.

Legende: Video Deutschland pflegt Beziehungen zur Schweiz abspielen. Laufzeit 01:21 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 01.04.2014.

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck ist für zwei Tage zu Besuch in die Schweiz. Es sei, als komme er in ein «Kern-Europa», hatte er in der Sendung «Sternstunde Philosophie» mit Blick auf seinen Besuch gesagt. Die Schweiz habe viel früher als andere ein Zusammenleben der unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Traditionen praktiziert.

Heute traf sich Gauck mit Bundespräsident Didier Burkhalter und informierte sich über das Wesen der direkten Demokratie. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die vielfältigen und intensiven Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland.

Zudem nutzten die Gesprächspartner das Treffen zu einem Austausch über Fragen der direkten Demokratie, über die internationale Verantwortung Europas sowie die Rolle der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE.

«Gauck wird der Schweiz ins Gewissen reden»

Jürgen Dunsch ist Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der Schweiz. Die Abstimmung über die Zuwanderungs-Initiative sei für Gauck Anlass zur Besorgnis, sagt Dunsch. Diesbezüglich werde er versuchen, der Schweiz ins Gewissen zu reden.

Gauck werde der Schweiz sagen, dass sie in Deutschland weiter auf viel Verständnis stosse, so Dunsch. Und er werde die Schweiz bitten, nicht zur Verschärfung der Konflikte und der bestehenden Differenzen beizutragen.

Fritz Burkhalter ist Gründer und Präsident des «Swiss German Club», einem Netzwerk von Deutschen und Schweizern. Er glaubt nicht, dass das Abstimmungsresultat den Besuch Gaucks überschatten wird. Gauck sei ein starker Verfechter von Freiheit. Er schätze die Schweiz sehr.

Besuch soll Zusammenarbeit fördern

Der «Swiss German Club» will die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der beiden Länder fördern. Gründer Burkhalter verweist im Gespräch mit SRF auf die eng verflochtene Wirtschaft der Nachbarländer. Hier erhofft er sich vom Besuch Gaucks einen Motivationsschub für eine engere Zusammenarbeit.

Burkhalter wünscht sich, dass Deutschland die Schweiz in der EU als «Götti» vertritt. Die Schweiz müsse verstanden werden. Denn bei Gesprächen mit Unternehmen in Deutschland stelle er oft fest, dass dies nicht der Fall sei.

«Gauck ist eine integrierende Person»

Der Gründer des «Swiss German Clubs» rechnet aber nicht damit, dass der Besuch konkrete und handfeste Ergebnisse hervorbringt. Vielmehr erhofft er sich Impulse auf der atmosphärischen Ebene. «Herr Gauck hat die Funktion, Deutschland nach innen und nach aussen zu repräsentieren.» Es gehe darum zu zeigen, dass Deutschland die Schweiz unterstütze. «Das kann Herr Gauck als integrierende Person sehr gut.»

Für den Abend ist eine Rede Gaucks vor Wirtschaftsvertretern geplant. Am zweiten Tag seines Besuchs wird Gauck in Genf Vertreter der Genfer Kantonsregierung treffen und das Europäische Kernforschungszentrum CERN besuchen. Zuletzt war Gaucks Amtsvorgänger Christian Wulff im September 2010 zu einem Besuch in der Schweiz.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Gauck kann zu Hause sagen was er will, für oder gegen die Direkte Demokratie. Aber extra in die Schweiz zu reisen und die/unsere Direkte Demokratie zu kritisieren, steht ihm einfach nicht zu. Einem Schweizer Bundespräsidenten würde es nie in den Sinn kommen nach Berlin zu reisen, um vor den deutschen Medien das deutsche Politsystem zu kritisieren. Gerade als Systemkritiker der DDR, sollte Gauk nun nicht in der Schweiz ein System der EU propagieren, dass für Bevormundung und Unfreiheit einsteht.
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  • Kommentar von Samuel Bendicht, Bern
    Die Voraussetzung für direkte Demokratie ist ein freier, aufgeklärter, und gebildeter Bürger, aber wenn ich die parteigesteuerten besserwisserischen, verleumderischen und teilweise dummen Kommentare gegen alle anderen Formen von demokratischer Regierungsbeteiligung der Europäischen Völker hier lese, bezweifle ich, dass die heutige Schweizer Bevölkerung diese Voraussetzungen überhaupt noch erfüllt, speziell seit die Nationalisten bevorzugt "aus dem Bauch" heraus wählen und abstimmen lassen.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @S. Bendicht: Lesen Sie einfach die Kommentare der Blog-Schreiber bei Spiegel-Online. Da selbst, dass Ihr Kommentar verquer in der "Meinungs-Landschaft liegt. Nicht nur in der Schweiz, sondern noch viel mehr in Deutschland
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    2. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Drehen sie den Spiess nicht um. Hier wird einzig unsere direkte Demokratie gegen Einmischung von aussen verteidigt. Sie scheinen ein aufgeklärter und gebildeter Bürger mit Wohnsitz in Bern zu sein. Bewegen sie sich vielleicht im Umfeld der Reitschule?
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  • Kommentar von Urs Minder, 8625 Gossau
    Die EU kann wie sie will und braucht von mir aus auch keine Probleme zu lösen. Sie kann weiterhin alle möglichen, selbstverschuldeten Krisen dauerzelebrieren und auch ständig neue erfinden. Herr Gauck ist ein Offizieller. Er muss natürlich seine selber gewählte Regierungsform verteidigen. Darf ich als Bürger jedoch, einfach eine bessere Regierungsqualität verlangen ? Unsere Mitte-Links Regierung, so glaube ich, möchte gerne das Niveau angleichen und sich automatisch unterwerfen. Nicht so toll.
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